Schiri, wir wissen wo dein Auto steht

Zwei bis drei unsortierte und unvollendete Gedanken.

Schiedsrichter – der ranghöchste und unparteiische (Kampf-)Richter bei einer Sportveranstaltung

Der Schiedsrichter ist immer der Blöde. Er ist derjenige, dem man zuerst misstraut. Und natürlich ist es in erster Linie er, der dich ungerecht behandelt, wenn du verlierst. Vielleicht ist es nicht immer so, aber wenn es nach dir geht, viel zu oft. Nein, der Ball war noch gar nicht im Aus („Blinde Sau!“), nein, ich habe doch nur den Ball gespielt (Spieler liegt am Boden und steht erstmal nicht auf, „Fußball ist kein Mädchensport! Du Italiener!“), nein, das war kein Abseits (und wieder „Blinde Sau!“).

Aber der Stürmer hört nicht auf zu schimpfen, dann macht er auch noch eine abfällige Handbewegung, und nun hat Bothe keine andere Wahl mehr. „Das sind zwei Strafbestände“, sagt er, „da habe ich ihm Gelb-Rot gegeben“. Das letzte woran er sich erinnert, ist, wie er die gelbe und die rote Karte wegsteckt. Dann trifft ihn ein Faustschlag am Unterkiefer.

Wenn du erst einmal selbst ein Spiel gepfiffen hast (egal in welcher Sportart), wirst du sehen, das es viel leichter ist, am Spielfeldrand zu stehen (noch leichter ist es, am Fernseher zu sitzen, mit dutzenden Wiederholungen und Kameraperspektiven), als auf dem Platz. Man ist mittendrin und soll trotzdem objektiv bleiben. Sich nicht von Emotionen und Adrenalin beeinflussen lassen. Und alles sehen. Und gerecht sein. Vor deinen Augen werden Tatsachen geschaffen und du sollst sie bewerten. Ein Richter kann stundenlang Akten wälzen, Kommentare, Aufsätze, vergleichbare Urteile lesen, bevor er selbst ein Urteil fällt, du hast eine halbe Sekunde, um zu pfeifen. Oder auch nicht. Auch das ist ein Urteil. Äpfel? Birnen? Vielleicht. Aber wo bleibt das Menschliche?

Er weiß aber auch schon, was am nächsten Wochenende bei ihm auf dem Platz los ist, wenn Rudi Völler mit hochrotem Kopf die Schiedsrichter anbrüllt, wenn Jürgen Klopp an der Seitenlinie beim vierten Offiziellen tobt oder José Mourinho seine Mannschaft gegen die Unparteiischen aufhetzt.

Gibt es tatsächlich ernst gemeintes Lob für Schiedsrichter? Vielleicht, aber doch wohl eher viel zu selten. Maschine sollte er sein, weniger Mensch. Das ist doch so, oder nicht?

Zitate aus der FAZ – Fußball-Schiedsrichter – Zwischen Todesangst und Therapie