Irgendwie auch Abseits

In vielen Klassenräumen herrscht auch heute noch eine Kultur des Gleichschritts. Die Schüler konsumieren Wissen bis zur anstehenden Klassenarbeit, und dann wird verglichen auf welchem Stand die zwei Dutzend Jungen und Mädchen sind. Die erzielten Zensuren drücken jedoch nicht die Lernfortschritte der einzelnen aus, sondern messen die Leistung im Vergleich zu allen anderen. (taz)

Wissen – Vermittlung – Lernen – Fortschritt – Note – und dann?

Die J. lernt gerne auswendig, dafür wird sie mit guten Zensuren belohnt. Ob sie dabei Teilchenmodelle, physikalische Zusammenhänge, biologische Prozesse verstanden hat, ist nebensächlich und wenn sie das ganze gepaukte Wissen nach einer Klassenarbeit vergisst, auch nicht so schlimm.

Der Zehnjährige ist wie ich. Er kann nur bedingt auswendig lernen, er muss verstehen. Versucht er etwas auswendig zu lernen, das er nicht verstanden hat, endet das mit einer Fünf in Erdkunde. Blöd. Kein Lehrer sagt ihm, was beim Lernprozess vielleicht schief gelaufen sein könnte, das machen wir, irgendwann am Abend, wenn Nerven blank liegen und schon wieder kein Spaß aufkommt.

Wir können die Schule nicht ersetzen, wir müssen sie aber erweitern. Home schooling ist in Deutschland nicht erlaubt, findet aber trotzdem statt, wenn Eltern Hausaufgaben ihren Kinder erklären müssen oder versuchen, das in der Schule gehörte Wissen weiter und weiter und weiter einzutrichtern. Dass ein Kinderleben mehr als Schule enthalten soll, bleibt dabei irgendwann auf der Strecke, man hetzt durch Lernstoff von Klassenarbeit zu Klassenarbeit.

Dass Schule gut ist, sagt kaum einer mehr. Und auch wenn man nun seit zehn Jahren am System herumdoktort, das Personal ist meist noch dasselbe*.

(*Pauschalisierung. Natürlich sind nur sechs von sieben Lehrern gemeint, persönliche Statistik.)

Ein Gedanke zu „Irgendwie auch Abseits“

  1. Welch eine traurige Erkenntnis, dass es sechs aus sieben sein sollen. Das stimmt bitter.
    Vielleicht hilft meine Erfahrung dabei, sich ein wenig besser zu fühlen, dass Kinder nicht für andere lernen, erst recht nicht für Lehrer oder Noten!! Sie lernen das, was für sie selbst richtig und wichtig ist und stärken damit ihre persönlichen Fähigkeiten. Und das immanent!
    Die Sache mit dem Trichter klappt leider nur beim Füllen von leeren Flaschen, aber wem sage ich das?

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