Nichts für Ungut, aber

Werders späten Sieg feiern die Väter mit ihren Söhnen tanzend im Garten. Eine selige Mama ruft in die Runde: „Nichts ist so schön wie ein Sieg gegen die Scheiß-Hertha!“

Eure Kinder sind Berliner!

Ich bin nicht zugezogen, ich war schon immer hier. Trotzdem mag ich die Hertha nicht besonders. Natürlich, am 14.02.2009, da empfand ich warme Sympathie, weil man ein Feuer entfachte, an diesem bitterkalten Nachmittag im Olympiastadion, den ich zufällig miterleben durfte, konnte, musste. Ein durchschnittlicher Kader kämpfte und siegte, gegen die Bayern, unter diesem Klinsmann, mit Christian Lell (schlechtester Spieler der Bayern, wie mir ein Bayernfan in der U-Bahn später noch einmal bestätigte, heute Hertha).

Ja, man feierte die Mannschaft (Wer war noch einmal Trainer in dieser Zeit? Hüstl. Hüstl.) und man sang etwas vom „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ und knapp zwei Jahre später spielte man in der zweiten Liga, im Olympiastadion, gegen Union. Und man verlor.

Genau das ist für mich Hertha. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, heute die Bayern schlagen, morgen gegen Zweitligamittelmaß verlieren (Entschuldigung, Unioner, aber), die Hertha, die kein Feuer in mir entfacht, die immer irgendwie Mittelmaß auf den Rasen bringt und eher selten Feuerwerke abbrennt, nach denen man sagen kann: Mönsch, haste dit jesehn? Dit issn Hauptstadtclub, wa. Geil.

Deshalb kann ich verstehen, wenn man Werder Bremen lieber mag als Hertha, auch wenn man nicht in Bremen wohnt, keinen konkreten Bezug zu Bremen als Stadt hat. Sicher hat Herr Goldmann recht, wenn er sagt:

Fußball ist ein schichten- und systemübergreifendes Phänomen, unverzichtbar für regionale Verankerung und kollektives Selbstwertgefühl.

Aber warum muss es unbedingt Hertha sein?

(Beispiele. Und die Kinder sollen sowieso machen, was sie wollen. Grundsätzlich.)