#notmypresident

Mein Jugendfreund ist Unternehmer. Eingeladen hat er mich schon mal zum Bier, einen Kredit über eine halbe Million Euro zu besonders günstigen Konditionen hat er mir nicht gegeben. Oder seine Frau. Oder seine Oma. Auch sonst niemand. Auch die Bank war nicht nett, als wir mit ihr verhandelten, Kreditverträge besiegelt man auch nicht per Handschlag (außer vielleicht unter Pastorentöchtern) und ein “rollierendes Geldmarktdarlehen” mit einem angenehmen Zinssatz von 0,9 bis 2,1 Prozent ist mir auch noch nie angeboten worden. Aber ich bin auch nicht Ministerpräsident oder besser: Bundespräsident.

Die Probleme des Bundespräsidenten müssten natürlich keinen interessieren, wenn er nicht eben der Bundespräsident wäre. Auch wenn seine politische Funktion eher nebensächlich ist, so sollte er doch als Staatsoberhaupt eine Gallionsfigur sein, mit gutem Beispiel voran gehen (wenn so etwas überhaupt geht) und meinetwegen auch den netten Grüßonkel spielen, den alle mögen. Eine Identifikationsfigur sein.

Mag sein, dass mehr als die Hälfte der Deutschen immer noch der Meinung ist, dass Herr Wulff diese Funktion optimal ausfüllt, für mich gilt das nicht. Im Interview am Mittwoch dieser Woche sah ich einen glatt gebügelten Berufspolitiker, der (selbst verschuldete) Klippen butterweich umschiffen wollte, ohne dabei klare Worte finden zu müssen, ohne (mögliche) Missverständnisse aus dem Weg räumen zu wollen, jemanden, der alles tun würde, um in einem Amt zu bleiben, ob es nun Ministerpräsident von Niedersachsen oder Bundespräsident heißt.

Natürlich habe ich eine idealisierte, romantische Vorstellung davon, wie ein Staatsoberhaupt zu sein hat (Idealvorstellung: Richard v. Weizsäcker), vielleicht bin ich auch ein wenig zu konservativ geworden, und trotzdem: Dieser Bundespräsident ist, so wie ich ihn im Moment erlebe, der Inbegriff der Politikerverdrossenheit, ein weiterer Grund dafür, Politiker nicht zu mögen, ihnen nicht über den Weg zu trauen, wohlwissend, dass damit der Mehrheit der engagierten Politiker unrecht geschieht.

Und an der Wahl des Bundespräsidenten ist nicht einmal der Wähler schuld.