Fünf Jahre

Kinder, diese kleinen Philosophen.

Der Zehnjährige, zum Beispiel, erklärte mir in einer kurzen Diskussion, dass für ihn fünf Jahre eine grotesk lange Zeitspanne seien. Für einen Erwachsenen natürlich nicht. Was sind denn schon fünf Jahre?

Fünf Jahre, erklärte er mir, sind die Hälfte meines Lebens, ein enormer Zeitraum. Und er hat recht: Für mich sind fünf Jahre dagegen nur ein Siebtel meiner Lebenszeit, die Hälfte meines Lebens ist also mehr als drei Mal länger als seine, schließlich bin ich auch mehr als drei Mal so alt wie er.

Außerdem, erinnere ich mich, habe ich in diesen fünf Jahren ein Studium abgeschlossen, geheiratet, bin zwei Mal Vater geworden, ein Mal umgezogen und stolzer Besitzer eines Schrebergartens mitten in der Stadt geworden, mit Apfelbaum.

Ein ordentliches Programm, für so einen kurzen Zeitraum.

(Im gleichen Zeitraum hat der FC Bayern ganze drei Mal die Schale geholt, ein Mal gekrönt vom Sahnehäubchen Champions League. Außerdem wurden in der gleichen Zeit sowohl Frankreich als auch Griechenland (Griechenland!) Fußball-Europameister, sowie Brasilien Fußball-Weltmeister (Endspiel 2002, es gab gefüllte Cannelloni). Stimmt also, fünf Jahre sind eine grotesk lange Zeitspanne.)