Sie und der Herr Neuer

Als Mensch mit eher nach innen gerichteten Emotionen fällt es mir natürlicherweise schwer, Fan zu sein. Schon Freund sein ist für mich eine Herausforderung, wie soll ich da fanatisch werden? Natürlich kann ich verschiedenste Dinge im Fußball gut finden, sogar bewundern – Spiele, Spieler, auch Vereine – auf etwas festlegen will ich mich aber nicht.

Müsste ich dann nicht auch konsequenterweise Bettwäsche mit Vereinslogo aufziehen? Gruseliger Gedanke.

Die liebste Frau B. ist da anders. Ab und zu entwickelt sie fast aus dem Nichts einen ganzen Sack voll Emotionen für Fußballvereine und ihre Spieler. Wir wundern uns dann nur. Zum Beispiel lief sie, nachdem fest stand, dass ein gewisser Manuel Neuer nicht mehr auf Schalke, sondern im angeblich feindlichen München sein Handwerk verrichten wird, wochenlang mit einem „Koan Neuer“-Schild durch die Behausung. Quasi. Hätte sie gekonnt, hätte sie auch noch gepfiffen, wann immer sein Bild irgendwo auftauchte.

Und auch heute noch wünscht sie diesem nicht ganz so armen Herrn die Pest an den Hals, sowie seinem Ex-Verein die Schale ins Regal (oder Museum) und das alles nur, weil sie es irgendwie unanständig findet, sich beim FC Bayern seine Leidenschaft so horrend und ohne Treue (Treue?) vergolden zu lassen.

Was man so alles empfinden kann.

(Die spanische Fußballnationalmannschaft des Jahres 2010 mag sie auch leidenschaftlich nicht. Das verstehe ich.)