Schnick-Schnack-Schnuck

Hertha BSC 0:6 FC Bayern München

Im Prinzip ist das so: Wir sind keine regelmäßigen Olympiastadionbesucher, wir haben meistens mit uns selbst zu tun und sind auch keine Hertha-Fans. Wir tragen keine Jeansjacken mit Aufnähern, wir stehen auch nicht in der Ostkurve und schon gar nicht interessieren uns Auswärtsspiele des Vereins. Aber, wir mögen Fußball und wer Fußball mag, muss ihn auch mal hautnah erleben, denn Fernsehen ist ja am Ende nicht mehr, als tolle Kameraeinstellungen. Fußball ohne Drumherum.

Es ging also um ein gutes Fußballspiel, in einem großen Stadion, das selbst aber doof ist, weil eine Laufbahn um das Spielfeld den nahen Blick von der letzten Ecke des Oberrings, mitten in die Augen des stürmenden Angreifers verwehrt, wenn man Pech hat, dann sieht man sind nur ganz kleine Figuren, die sich mit einem Ball bewegen, der so klein wie eine Murmel ist. Und weil man ein gutes Fußballspiel sehen will, sucht man sich im Spielplan eines gegen einen der besten Vereine der Liga aus und ist bereit, sechs Trillionen Euro Aufschlag für ein Spitzenspiel zu zahlen, ein Spitzenspiel von dem man sich erhofft, dass es brutal spannend wird. Aktuell: Abstiegskampf. Vielleicht.

Und dann das. Ein Aufbauspiel für den FC Bayern, für kommende, echte Gegner.

Im Prinzip wussten wir nicht, wo diese sagenumwobene überhaupt Hertha sein sollte. Selbst die Ostkurve schien sich am Ende gar nicht mehr so sicher zu sein, ob hier ein Verein gegen den Abstieg spielte oder schon in der Kabine oder gar in der 2. Liga verschwunden war, fast stumm stand man dort und hoffte, dass kein Tor mehr fällt. Der Verein hat sich hier selbst gedemütigt.

Herr Neuer auf der Suche nach Arbeit

Der mehr oder arbeitslose Herr Neuer lungerte letztendlich gelangweilt im eigenen Strafraum herum und versuchte, nicht zu frieren, wahrscheinlich wünschte er sich einen Partner mit dem er Schnick-Schnack-Schnuck spielen konnte und war neidisch auf die Herren aus der Offensivreihe, die neben einer Party Schere-Stein-Papier das Beste aus dem Sandplatz im Olympiastadion herausholten. Ab und zu lief er fast bis zur Mittellinie, dehnte sich dort und wünschte sich wohl, dass auch nur einmal einer dieser blau-weißen Sparringsspartner auf sein Tor zuliefe und irgendetwas unternahm, das wie Gegenwehr aussehen konnte.

Natürlich machte es Spaß, den Herren Robben und Ribery bei der Arbeit zuzuschauen, wie sie nicht nur diese Souveränität von Weltklassespielern ausstrahlten (schon beim warm laufen), sondern ein ums andere Mal ihre überforderten Gegenspielern mit eben dieser Weltklasse ausspielten und meist nur durch Fouls zu stoppen waren. Für Bayern-Fans ein gelungener Abend.

Trotzdem bleibt am Ende das ungute und unangenehm im Kopf herum wabernde Gefühl der Melancholie des Abstiegs einer Mannschaft, die in der ersten Hälfte der Saison den Mumm (und das Zeug) zum Klassenerhalt hatte und nun nicht einmal mehr den Mumm (und das Zeug) hat, sich gegen eine deutliche Niederlage und am Ende gegen den Abstieg zu wehren. Schade, Hertha.

Ein Gedanke zu „Schnick-Schnack-Schnuck“

  1. Schön beobachtet.
    Ich bin Herthaner, ich habe eine Dauerkarte für die Ostkurve und fahre auch hin und wieder auswärts*. Wie Herr Neuer hätte auch ich gern in der 2. Halbzei Schnick-Schnack-Schnuck gespielt – bei dem blutleeren Gekicke hatte sich auch jegliches Anfeuern erledigt. Keiner der Akteure in blau-weiß machte auch nur den zarten Anschein sich gegen diese Vernichtung wehren zu wollen. Die hatten die Hose voll bevor auch nur angepfiffen war.

    Leider habe ich als Fan nicht die Wahl, ich werde zum zweiten mal in zwei Jahren den Untergang meiner Mannschaft ertragen.

    Nächste Saison wird alles besser.

    *am Samstag fahre ich nach Mainz, vielleicht scheint ja wenigstens die Sonne 😉

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