Vom Zahnen

Es geht mir gut, ich kann mich doch nicht beklagen. Natürlich, dieses Gefühl, als hätte jemand in der Nacht und mit lachendem Gesicht einen Pfahl durchs Gesicht getrieben, ist nicht schön, ich möchte fast unangenehm sagen, aber am Ende gibt es fast nichts, das man nicht mit einer ordentlichen Portion Schmerzmittel in den Griff bekommen kann. Möglicherweise.

Ich denke, Zahnärzte sind grundsätzlich keine schlechten Menschen. Ich stelle das fest, wenn ich ab und zu – selten genug, wahrscheinlich – eine Zahnarztpraxis betrete und dort vom Versuch eines angenehmen Ambiente, von einer angetäuschten Wohlfühloase vor dem Behandlungszimmer überrascht werde. Ein Versuch allerdings, der zum Scheitern verurteilt ist, denn all die schönen Möbel, die tollen Farben und die ausgesuchten Zeitschriften sieht man nicht mehr, wenn man diesen typischen Duft direkt aus der Zahnarzthölle, den wir alle kennen und nicht mögen und den scheinbar kein Inneneinrichtungsexperte der Welt aus selbiger schaffen kann, in der Nase hat. Und dann auch noch das hysterische Kreischen des Bohrers und das leise Stöhnen der Patienten. Können Zahnärzte wirklich gute Menschen sein?

Mein Zahnarzt ist ein guter Mensch. Glaube ich. Er sieht vielleicht nicht so aus – ein Berg von einem Mann, der aussieht, als zöge er jeden Tag tausende Weisheitszähne mit dem linken kleinen Finger und ich habe schon mir nahe stehende Menschen erlebt, die sich weigern, seine wunderbar aussehende, aber natürlich schlecht riechende Praxis zu betreten – aber er ist im Grunde ein guter Mensch. Ab und an streichelt er – beipielsweise – mit seiner riesigen Pranken die Wange eines Wurzelbehandelten. Das macht viel wett.

Ich kann gar nichts sehen, sagte er, als in meinem Mund herum fuhrwerkte, abklopfte, kratzte, Geräusche machte, die man lieber nicht hören will. Entweder, Sie haben eine ganz fiese Wurzelentzündung, die mich dazu bringen wird, Ihnen den halben Oberkiefer aufzureißen und unter größten Schmerzen die böse Wurzel zur Strecke zu bringen oder Sie sind einfach nur ein wenig überempfindlich, angeschlagen, haben eine kleine Unverträglichkeit und das Ganze wird sich bald wieder geben.

Sagte ich, dass der Mann ein guter Mensch sei?

Wenn Sie nichts Besseres vorhaben, wäre ich für Sie auch am Wochenende erreichbar, sagte er und schmunzelte und ich wies nur darauf hin, dass mich doch so ein blöder Zahnschmerz nicht vom Stadionbesuch abhalten könne. Bayern oder Hertha, fragte er noch, bevor er mir die Hand gab und grantig wie ich manchmal bin, sagte ich nur „Barcelona.“

Eins zu sieben für die Bayern also? Wir sehen uns Montag, zum Abschied winkte er nicht.

Können Zahnärzte gute Menschen sein?