Ein Abend mit CL

Wenn wir nicht gerade Kinder erziehen – von denen sicher jede Menge vorhanden sind – schauen wir Champions League. Der Herr mit Begeisterung, die Dame am Telefon. Aber eigentlich ist das auch egal, es beeinflusst nicht den Event und gehört doch eigentlich in die Schublade Privacy.

Bevor Kind2 wegschlummerte, also kurz nachdem es während des einsetzenden Einschlafprozesses noch über diese oder jene Ungerechtigkeit im Alltag eines Siebenjährigen philosophierte – und es gibt eine Menge Ungerechtigkeiten im Alltag eines Siebenjährigen, die sich in den nächsten Jahren auch noch vervielfachen werden, wie Kind1 gerne anmerkt – raunte es mir noch zu, dass es sich sehr, sehr wünsche, das der FC Bayern gewinnt, auch schon wegen Kind1, der Real Madrid aus irgendeinem unerfindlichen Grund verehrt. Und den Poser Chwanzus Longus Christiano Ronaldo.

Wie vielleicht bekannt ist, bin ich kein Fan, obwohl ich schon sagen kann, dass sich in den letzten Wochen, Monaten, Jahren, so eine kleine Verbundenheit zu dem Verein, der hoffentlich nicht zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren absteigen wird, also Hertha, entwickelt hat, die im letzten Sommer 1:3 gegen eben dieses Real Madrid verloren. Aber das ist nur eine Randnotiz. Ich bin kein Fan und deswegen frei vom Druck, diesem ekligen Gefühl in der Magengegend, schon weit vor dem Anstoß und doch drückte ich dem FC Bayern einen Daumen, allein schon für Herrn Alaba.

Es ist natürlich so, dass man medial auf Größen wie Herrn Gomez (toller Sixpack) oder Herrn Robben (die Dame merkte eine komische Körperhaltung an) oder Herrn Schweinsteiger (gestern nicht ganz so fantastisch) oder Herrn Ribery (will man wirklich gegen ihn verteidigen müssen?) hingewiesen wird und dabei Gefahr läuft, wesentlich interessantere Charaktere zu übersehen, wie zum Beispiel eben jenen Herrn Alaba. Denn wenn man ganz genau hinsieht, muss man feststellen, dass dieser Herr ja prinzipiell noch ein Junge ist, also jung, sehr jung sogar, wenn ich auf mein eigenes Alter schaue, und doch haut der reihenweise ordentliche Spiele hin, als hätte er nie etwas anderes getan, als Links zu verteidigen und mit dem Weltklassetypen Ribery zusammen zu arbeiten und das auch noch in einem Verein, der nicht dafür bekannt ist, kleine Brötchen zu backen. Mit 19. Und wenn ihn dann seinem Gegenüber gegenüberstellt, dem Herrn Coentrão, der im letzten Jahr beim FC Bayern im Gespräch war und Real Madrid stolze 30 Milliönchen kostete, dann muss man einfach den Hut ziehen und sagen: Ja, sehr guter Junge Mann.

Im Übrigen: Sixpack Gomez ist vielleicht schnuckelig, stellt sich aber hier und da selbst ein Bein und schießt am Ende trotzdem das entscheidende Tor, Robben ist nicht Messi und begeht manchmal dämliche Fouls, Schweinsteiger säuerlich, wird sich aber wieder selbst hinbiegen, Müller wird irgendwann auch wieder Müller sein und Ribery sieht man überall auf dem Feld.

Manchmal hatte ich den Verdacht, das echte Real Madrid, dass in dieser Saison vor dem gestrigen Spiel erst vier Spiele verloren hatte, davon übrigens drei gegen den FC Barcelona, könnte womöglich in Madrid geblieben sein. Wir werden es wohl sehen, nächste Woche, der Herr mit Begeisterung, die Dame womöglich wieder am Telefon. Aber das ist eigentlich privat.

(Verlinkte Grafiken stammen von whoscored.com.)