Durch die Stadt und so

morgenstund mit fernsehturm

Polnische Bauarbeiter, die jeden Morgen aus dem Plattenbau an der Rhinstraße, Ecke Allee der Kosmonauten, strömen (Wohnungen für Bauarbeiter, ganz wenig Euros pro Tag, pro Person und so weiter), in Gruppen versammelt und sich später dann immer weiter über die Stadt verteilend, nach Alkohol und Zigarettenqualm riechend.

Was wäre, wenn sich ein Mensch den ganzen Tag mit einer alles aufzeichnenden Kamera durch die Stadt kämpfen würde. So ein kleines Ding, am Kopf befestigt, so dass jeder Blick, jeder Schwenk aufgenommen werden kann und am Abend schaut man sich die Bilder an und schreibt ein paar Geschichten dazu auf. (Brotlose Kunst, aber.)

Kann ich das bloggen? (Kurz: Es geht prinzipiell um Männer und ihre Wahrnehmung von Umwelt, die sich in der Sommerhitze oft auf die Aufnahme weiblicher Reize reduziert. Überschrift des Beitrags, sehr innovativ: In the heat of the night.)

Berlin im Sommer 2012, dem sonnigen Teil: Ein von Baustellen durchzogener Moloch, gefüllt mit mittelmäßig gut bis schlecht riechenden Menschen, mit denen man sich überfüllte S-Bahn-Züge teilen muss.

Ich weiß nicht, was ich sagen sollte, würde sie mich fragen, was ich davon hielte, ließe sie sich tätowieren. Verstehste?

Selbstbildnis mit Dieter Bohlen.

Stadtmensch vs. Landmensch. Was denkt ein Mensch, der in einer sogenannten Idylle groß geworden ist, irgendwo auf dem Land, wo man nachts den Sternenhimmel sieht und es tagsüber so still ist, dass man erschrickt, wenn ein Vogel von einem herum streunenden Kater aufgeschreckt wird und Flügel schlagend und zeternd in die Ferne flieht, wenn er in diese Stadt kommt und Straßenbahn fährt? Womöglich noch an einem der heißesten Sommertage des Jahres, an denen die mitfahrenden Menschen sich nichts sehnlicher wünschen, als die dampfenden Körper in den nächsten kühlen See zu hieven und dementsprechend gut gelaunt auf Reisende mit Koffern, die zusätzlich Platz wegnehmen, reagieren.

Im Morgengrauen den Herbst erkennen.

Filed under: Fetzen, die ich wahrnehme, wenn ich durch die Stadt gehe.