14.10.2012 – Aus der Reihe „Verschollene Spielberichte“

Natürlich habe ich keinerlei Ahnung vom idealen Wetter für Fußballspieler. Mögen sie es lieber kühl, mittelwarm oder warm, was ich mir allerdings nicht vorstellen kann, lieber sonnig oder doch bewölkt, trocken, taunass oder vielleicht doch lieber strömenden Regen, weil dann der Ball so schön glitschig wird? Zeit meines Lebens trieb ich Sport in Hallen, was weiß ich denn schon davon? Ich kann nur sagen, welches Wetter ich als Zuschauer mag: Nicht zu kalt, nicht zu warm, denn wie ich lernen musste, sind Fußballplätze (und ich rede hier nicht von Stadien und Arenen, sondern von echten Plätzen) selten schattig, trocken darf es sein, meinetwegen auch bewölkt und an einem Sonntagmorgen im Herbst natürlich auch ein wenig neblig, für die Romantik.

Ohne die Jungs würden wir diesen Sonntag wahrscheinlich im Garten verbringen, verwelkende Pflanzen herunter schneiden, Laub harken, würden Kuchen in der Oktobersonne essen, wenn die Kälte des Morgens schon längst vergangen ist, aber. Stattdessen sind wir hier, ein lauschiges Plätzchen zwischen Krankenhaus Friedrichshain und SEZ, gegen halb zehn am Morgen, haben das Frühstück schon längst hinter uns gebracht und sogar einen Parkplatz gefunden. Eigene Schuld.

So sieht ideales Fußballwetter aus.

Eine kleine Schar versammelt sich am Platz, das Spielfeld ist schon abgesteckt, auf dem Nebenplatz spielen die alten Herren auf dem Halbfeld, Halbglatze, Bauchansatz, Libero und lange Bälle, jemand sagt, der Torwart sähe aus wie Dirk Bach, niemand lacht. Doch, der Platzwart lacht, als ihn jemand fragt, wo man hier einen Kaffee bekommen könne: „Nee, hamwer nich. Nur kalte Cola.“ Guter Witz.

Die Jungs machen sich warm, die Eltern sammeln sich in Grüppchen, die der einen Mannschaft hier, die anderen dort, Hauptsache Sonne, ein paar versammeln sich bei der Raucherinsel, später werden sich ein paar der alten Herren dazu gesellen. Irgendwann einigt man sich, dass es los gehen kann, Achtjährige stellen sich auf, jede Mannschaft darf ihren Schlachtruf vortragen, Aufstellung, der große Sohn darf Schiedsrichter sein, pfeift in seine Pfeife, los gehts.

Nach fünf Sekunden liegen wir hinten, es ist ja auch noch früh, Ballverlust, Querpass, Torschuss, zack, zack, 0:1. Eine oder zwei Minuten später geht es so weiter, unser Torwart wirkt leicht frustriert, die Trainer sichtlich unzufrieden, die Eltern versuchen es positiv zu sehen: Die Sonne scheint. Es geht ein bisschen hin und her, Kinder spielen selten spanisch, wobei ich kürzlich ein D-Jugend-Team sah, das auch mal hintenrum spielte, bedächtig, ruhig, die hier können und wollen das noch gar nicht, hier wird gestürmt oder verteidigt. Nach ein paar Minuten und Aktionen, die aussehen, wie Fußball – Pass vom Verteidiger in die Mitte, direkter Pass nach außen, kurzes Dribbling, Flanke vor das Tor, drin – führen wir 3:2, der große Sohn pfeift ab, die kleine Tochter schläft, der von Messi träumende Lockenkopf mit der Nummer 10 holt sich ein high five bei mir ab, Halbzeitpause.

Eine Halbzeit ohne Showeinlagen. Der große Sohn kickt ein bisschen, es gibt eine Torwand, ein Vater versucht zu treffen, na ja.

Nach der Pause fallen Tore, Tore, Tore, alle nur für uns, trotzdem sind die Trainer immer noch unzufrieden, kleine und große Konzentrationsschwächen auf beiden Seiten, Väter fachsimpeln über das Stürmerproblem der deutschen Nationalmannschaft, die Namen Kießling, Helmes und sogar Kuranyi fallen, jeder hier hat ja quasi doppelt soviel Ahnung wie der Bundestrainer, man redet über Spanien, Argentinien, ab und zu Jubelrufe, lautes Klatschen, Anfeuerungsrufe, jemand von der gegnerischen Mannschaft hat eine Ratsche mitgebracht, die dann auch ratscht, auch mal ein Tor für die Gegner, wir hatten das ja schon, kleine und große Konzentrationsschwächen auf beiden Seiten. Am Ende gehen unsere Jungs mit 9:4 als Sieger vom Platz, die Trainer sind immer noch unzufrieden, aber die sind auch noch jung und unbesonnen und schwer zufrieden zu stellen, aber man versucht, sich nicht einzumischen, noch einmal hört man die Schlachtrufe der beiden Mannschaften, es gibt noch Neun-Meter-Schießen, duschen, umziehen, Heimfahrt.

Und nächste Woche geht es so weiter.