War was? – II

War was? War nix. Oder?

Die Jungs können sich glücklich schätzen, jeden verdammten Samstag unglaublich sichere Stadionerlebnisse zu erleben, nämlich ihre eigenen. Die Jungs spielen dann zuhause oder auswärts, auf den Rängen stehen Eltern und andere Familienangehörige ausschließlich auf Stehplätzen (und die Ränge sind gar keine Ränge, denn die Stadien sind gar keine Stadien sondern Plätze und im Herbst/ Frühling kann man froh sein, wenn der Platzwart die Flutlichter anmacht, sollte es mal spät werden) und halten sich zumeist zurück, Knallkörper oder Bengalos wurden jedenfalls noch nicht gesichtet (obwohl das den Jungs vielleicht Spaß gemacht hätte, aber psst), man versucht, ruhig zu bleiben, ein Vater ist der Schiedsrichter und wird natürlich ab und zu angepöbelt, weil ja im Zweifel immer der Schiedsrichter an verlorenen Spielen schuld ist, ein Punkt, der das sichere Stadionerlebnis womöglich trüben könnte, denn was wird den Kindern denn hier vermittelt? Aber das ist wieder eine andere Frage. Jeden verdammten Samstag also sehen wir, dass im kleinen Rahmen Menschen einer Leidenschaft frönen, ohne dabei gegängelt, überwacht und von Dritten gemaßregelt werden müssen. Sicher kann man die Kreisliga B nicht mit der Bundesliga vergleichen, dennoch: Leidenschaft ist kein Event.

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Ein Sturm zieht auf und die Medien zeigen ihre Freude darüber mit Livetickern vom Rande des Abgrunds.

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Man fragt doch gar nicht mehr nach dem ob, nur noch nach dem wie. Bekommt eine Einladung in den Briefkasten gesteckt und geht dann dorthin. Großes Tohuwabohu, einige sind sogar verkleidet, dabei ist noch gar nicht Karneval oder Fasching, wie wir Ungläubigen dazu sagen. Aus mir persönlich nicht nachvollziehbaren Gründen muss ich jedes Mal an diesen Reim denken, wenn wir in Grüppchen zusammen sitzen und Kürbissuppe schlürfen, während andere herumziehen und um Süßigkeiten betteln bitten, weil man das eben so macht. Einerlei.

„Drinnen saßen stehend Leute
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschoßner Hase
auf der Wiese Schlittschuh lief.“

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Anflüge von Herbstmelancholie in Caspar David Friedrich. Und wenn man nicht aufpasst, landet man bei Mörike.