Erinnerungsfetzen

Wie schnell Weihnachten samt trockener Pute, hauchzarten und natürlich überhaupt nicht trockenen Gänsekeulen, Grünkohl, Rosenkohl, überhaupt Kohl, viel zu gutem Wodka, Grappa, Wein, nicht zu vergessen die vielen Tassen Espresso aus der Maschine, die man nun doch gerne hätte (oder so ähnlich), dem Duft der immer schief stehenden Bäume, mit Luftlöchern im Geäst und selbstverständlich einer üppigen Anzahl von Geschenken darunter, nicht vorhandenem Schnee und schon gar nicht vorhandenem unterhaltsamen Fernsehprogramm (denn früher, als alles besser war, war Weihnachten auch ein Fest des gemeinsamen Fernsehens) vergangen ist, schwuppdiwupp heran gerauscht und durchgezogen kam: Erstaunlich, wie immer.

Dieses wirklich, wirklich komische Gefühl beim Aussteigen aus dem Fahrstuhl, in der Hand ein großer, weinroter Sack voller Gaben für die Kinder, die man zum traditionellen Spaziergang geschickt hatte, wenn plötzlich vor einem der Weihnachtsmann steht, in der Hand ein großer, brauner Sack voller Gaben für die Kinder. Was sagt man dann? Guten Abend? Frohes Fest, Kollege? Schöne Bescherung.

Männer sind Kinder.

Das Meer. Die Menschen, mit denen man seine Zeit verbringt. Was ist schon Verschwendung? Was ist Liebe? Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Du stehst am Strand, Silvester und Neujahr, gerade hast du den besten Fisch deines Lebens gegessen, die Lichter gehen aus, ein Feuerwerk beginnt, erreicht seinen Höhepunkt, Menschen liegen sich in den Armen und neben dir, neben dir stirbt eine Liebe, die sicher schon lange tot war. Und doch spürst du den Schmerz, der das Glück, an dem du dich erfreust, verdunkelt und du spürst den dicken Kloß in deinem Hals, bekommst kaum noch Luft, aus Angst, dir könnte es bald ähnlich gehen.

Gemeinsam in die midlife crisis.

Das goldene Licht der Sonne über Stralsund, nach drei Tagen Regen, ein Lichtblick. Rügen oder Usedom, nicht so bescheiden, Rügen und Usedom. Und Meer. Die Zicker Berge, Mönchgut, die Steilküste, der rasende Roland, der völlig überfüllte Edeka in Sellin (oder war es der Konsum?), der schwarz-weiße Beginn des neuen Jahres, wer würde das alles nicht vermissen?

 

 

Ein Gedanke zu „Erinnerungsfetzen“

  1. Stimmt, früher bedeutete Weihnachten auch mal gemeinsames Fernsehen. Hatte ich fast vergessen.

    Allerdings gab es früher überhaupt wesentlich mehr Anlässe zum gemeinsamen Fernsehen, während man das (in meinem Umfeld) heute (außer bei Live-Ereignissen) eigentlich überhaupt nicht mehr macht. Und somit auch nicht mehr zu Weihnachten.

    Eine interessante Beobachtung.

Kommentare sind geschlossen.