Prinzipiell schwierig

Viel selbstreferenzielles Gequatsche mit dem eigenen Ich, wenn der Abendspaziergang mit dem Hund sich in die Länge zieht. Und es schneit. Kleine Reinigung der Seele.

Freitagabend in der Traglufthalle herum stehen, ein Kind springt auf Matten, von Matten, rutscht über Bänke, so wie wir früher im Sportunterricht über Bänke rutschten, wenn wir Zirkeltraining verordnet bekamen oder so, also mit den Armen voran, bäuchlings über die Bank ziehen, das kann die schon, mit anderthalb, wir sollten eine gute Sportschule suchen. Das andere Kind übt Barcelona. ‚Spiel den Ball wieder zum Torwart, wenn niemand frei steht.‘, ‚Jetzt der Pass nach vorne, ja, ja, nein, früher abschließen.‘ und ‚Nein, nein, mehr Bewegung, spielt doch mal zusammen, mehr passen!‘ – so klingt das in der Traglufthalle, am Freitagabend, ab März auch wieder draußen, wenn es nicht mehr schneit und so weiter.

Samstagabend ein Tatort aus dem Jahre 1986. Eine Zeit – Lichtjahre entfernt. Im Film tragen sie komische Sachen, fahren komische Autos, die heute als Oldtimer durchgingen, Golf 1 oder Mercedes SEL, Charles Brauer und Manfred Krug sehen unglaublich jung aus, ständig wird geraucht, irgendjemand raucht immer, eine Frau trägt öffentlich Achselhaar, Männer Schnauzer, in der Wohnung einer Vermissten hört man laut Depeche Mode, es gibt eine Szene, in der mit einem schnurlosen Telefon telefoniert wird, das Ding ist riesig, mit riesigen Tasten und langer Antenne. 1986 sind wir umgezogen, ich kann mich noch erinnern, dass wir Kartoffelsalat und Würstchen essend in der leeren Wohnung standen, auf einer Leiter stand der tragbare Junost-Fernseher, schwarz-weiß, natürlich lief Fußball, Weltmeisterschaft, Endspiel, Argentinien gegen das andere Deutschland, dem wir trotzdem die Daumen drückten, was ja bekanntlich nicht reicht. 27 Jahre ist das her, kaum zu glauben. Und dann noch dieser Tatort.

Und wenn du dann noch deinen Sonntag in einer grauen, muffigen Sporthalle am Kurfürstendamm verbringst, mitten im Mief des alten West-Berlins, inmitten dieser ganzen alten, grauen und piefigen Sechziger- und Siebzigerjahrebauten, in denen bereits all das steckt, was man heute noch am BER sehen kann, die ganze gruselige Provinzialität des Dorfes Berlin, die kein Länderfinanzausgleich jemals länderfinanzausgleichen kann und du dabei zuschauen kannst, wie deinem Kind und seinen Kumpels wieder einmal ein paar deutliche Grenzen (im Fußballerischen) aufgezeigt werden, denn bleibt dir nichts anderes übrig, als das alles prinzipiell schwierig zu finden.