Finale mit Nüsschen

Auf hohem Niveau entscheiden Details

Auf der Couch rumlungern und kommentieren. Wir sind alle Trainer, wissen es immer besser. Und dann tut dein gesamtes Umfeld so, als wäre der BVB ein armes, kleines Vereinchen, dem der große fette Münchener ordentlich Kloppe androhte, als müsse man die schwarz-gelben Lämmer vor dem bösen Wolf retten, weil der hat ja mehr Geld als alle, alle, alle und Geld schießt bekanntlich die Tore. Nicht. Ein Mischung aus Neid und Beschützerinstinkt des sich selten für Fußball interessierenden Menschen? Am liebsten hätte ich mich in rot gekleidet, aber das steht mir leider nicht.

Und dann die erste Halbzeit. Weder Lämmer noch Wölfe auf dem Platz, dafür Anspannung auf der Couch, die Schale mit den Nüsschen leert sich zusehends, Nervosität. Ist Dortmund am Ball, Angst. Sind die Bayern am Zug, Kribbeln im Bauch. Bin ich Fan? Bin ichs nicht? Ich liebe das Spiel, ich liebe das Spiel, ich liebe das Spiel, ein Mantra für den Abend. Letztes Jahr war Krampf, dieses Jahr Kampf. Und was für einer. Wunderbare Unterhaltung, niemand sagt etwas, keiner will Nachrichten sehen, wir wollen Verlängerung, in der hundertzwanzigsten Minute ein Tor, vielleicht, kein Elfmeterschießen und keine roten Karten.

Mandzukic macht das Ding, ich springe auf. Warum? Darum. Man schaut mich an, als wäre ich Hoffenheim, das hier aber niemand kennt. Nüsschen nachfüllen. Gündogan mag ich trotzdem. Dante auch. Reus auch. Und Hummels. Und Martinez. Martinez ist für mich Superman. Ich sage das laut und niemand weiß, wen ich meine. Facepalm. Inzwischen habe ich einen Krampf in der linken Wade. Müller müllert am Tor vorbei, ist der denn verrückt geworden? Ribery, was ist mit Ribery? Wird er ausrasten, wenn Kevin ihn noch einmal ansieht? Und dann dieser humpelnde Boateng, der den langen Ball aus dem Koffer (der vorher noch in Berlin stand) packt, irgendwer macht irgendwas mit dem Ball, Robben auch, ausgerechnet Robben (sic!), man denkt an 2010, wie er an Casillas scheiterte, diesmal nicht, ich springe wieder auf, die Nüsschen fliegen durch die Gegend, alle sind enttäuscht, außer mir und dem Hund, dem alles egal ist, der Henkelpott wird angefasst, in die Luft gereckt, Männer schreien und weinen, endlich ist alles vorbei.

Und für „die anderen“ gibt es noch ein Versöhnungszitat:

Dieses Mal wird das Finale nicht der Höhepunkt vor dem Absturz sein; ganz im Gegenteil: Im Ruhrpott darf man sich gespannt auf die weitere Entwicklung einer sensationallen Mannschaft freuen. Jürgen Klopp bezeichnete diese Entwicklung unter der Woche als „das interessanteste Projekt der Welt“. Solch ein Projekt wird nicht durch ein Tor in der vorletzten Spielminute abgeschlossen. [spielverlagerung.de]