Und sonntags? Braten.

Die Sonntagsfrage kann natürlich nur heißen: Ei oder nicht Ei? Oder, wenn das Ei dann vorschriftsmäßig geköpft, fein mit dem Salzstreuer behandelt wurde und dem Verdauungstrakt übergeben werden kann: Wer war denn nun zuerst da? Henne oder Ei? Natürlich die Henne, dann der Hahn, dann das Ei. Aufgeklärter Haushalt, an einem Morgen, an einem Sonntag..

Überhaupt: Aufklärung. Jemand zückt am Frühstückstisch ein iPad, man schaut sich das sogenannte Phantomtor von Hoffenheim noch einmal an, alle erinnern sich, dass man erst kürzlich, im Sommer, am Tatort vorbei gefahren war und nicht schlecht über den Standort der Hoffenheimer Spielstätte gestaunt hatte, wie er da so plötzlich stand, mitten in der Wallachei und nun schütteln alle bedächtig mit dem Kopf. Kann man dazu eine Meinung haben?

#Kind1 gähnt und lächelt, ein wenig abwesend, Loch im Netz? Höhöhö! Kann er nur drüber lachen. #Kind2 ist Gerechtigkeitsfantiker und will sofort eine Spielwiederholung, kann allerdings den tausendfachen Hinweisen auf gegebene Nichttore oder nichtgegebene Tore, durch verschiedenste und mannigfaltigste Fehlentscheidungen nicht standhalten und verzieht sich nach dem Frühstück an seinen Schreibtisch, um Matheaufgaben zu lösen. Wobei man sagen muss, dass das arme Kind seit Jahren schon mit mittelmäßigen Schiedsrichterleistungen zu leben gelernt hat, was vor allem daran liegt, dass in seiner Alterklasse keine ausgebildeten Schiedsrichter verfügbar scheinen und deswegen mitreisende Eltern oder Betreuer oder Co-Trainer die Spiele ihrer Kinder verpfeifen dürfen, man darf sich das bildlich vorstellen. Nun möchte ich allerdings Herrn Dr. Brych keine Mittelmäßigkeit unterstellen, weit gefehlt, mir persönlich tut er nur leid, denn niemand – bis auf seine Kollegen vielleicht – wird im geringsten nachvollziehen können, wie er sich in dieser Situation gefühlt haben wird. Und um Gefühle geht es doch auch. Im Fußball. Oder?

Mein Gefühl sagt mir: Schreiende Ungerechtigkeit! Spielwiederholung! Doch was ist dann mit dem nicht gegebenen Tor für England, Achtelfinale WM 2010? Alle haben es gesehen, es war schreiend ungerecht, aber! Und gab es nicht vor kurzem auch ein nicht gegebenes Tor für Hoffenheim, das eigentlich eins war? Und so weiter. Ich möchte gerne eine Torlinientechnologie, die solche Zweifel ausräumen kann. Ball vollständig über der Linie? Piep. Rote Lampe. Ball durch ein unwahrscheinliches Loch im Außennetz im Tor, aber nicht über die Torlinie gerollt? Nichts. Stille. Kein Tor.

Die Liebste allerdings langweilt dieses Thema. Aber sie sympathisiert auch mit Schalke. Nun ja, da kann man viel hinein interpretieren. Und #Kind3? Kennt nur Messi. Wir haben also alle eine Ahnung, aber nicht unbedingt Ahnung.

Dafür fahren wir Fahrrad. Eine kleine Gang, wie die Hells Angels auf ihren heißen Kisten, aber ohne Kutte oder so, der Herbst 2013 ist nämlich heiß. Durch herbstlich geschmückte Wäldchen, Wälder kann man in der Stadt wohl nicht erwarten, über abgeerntete Feldchen, siehe Wälder, in der Ferne den Blick auf den Fernsehturm gerichtet, geradewegs ins Hinterland, zum Obst- und Gemüsehändler nach Malchow, der uns einen Kürbis schenkt, der mitgenommen aussieht und putzig. Irgendwie. Geschenk ist Geschenk. Und wie gut es doch ist, alte Wege ab und zu einmal zu verlassen, Neues zu finden, auch eine Tankstelle, für die müden Räder, die dringend nach Luft japsten, nach diesem Sommer, in dem sie geschunden wurden wie noch nie.

Und dann? Dann kehren wir ein, in unser Heim, um den Sonntagsbraten zu braten, zu schmoren, mit Kraut anzureichern, das auch Witwe Bolte den Mund hätte wässrig werden lassen, nur die Kartoffeln fallen dieses Jahr geschmacklich etwas ab. Aber was will man da machen?