War was? – XII

Fluchtreflexe in der S-Bahn. Ich kann das natürlich verstehen. Morgens um acht, massenhaft fremde Menschen, die schlechte Bücher lesen oder zu laut Musik hören oder telefonieren oder nach Geld fragen, weil sie hungern müssen. Und natürlich brechend voll. Die S-Bahn ist also ein Ort, den man meiden würde, wenn man nicht auf ihn angewiesen wäre.

Ich kann das verstehen, wenn man dann während der Einfahrt des Zuges in den Zielbahnhof, den man sicherlich desöfteren ansteuert, wenn nicht sogar täglich (wochentäglich), und man dementsprechend weiß, wann man ihn nach Verlassen des davor liegenden Bahnhofs erreichen wird, wann man also bequem aufstehen und sich höflich durch die umstehenden Massen hindurch schlängeln kann, ohne drängeln zu müssen, mit Ellenbogen und Kopfstößen – sicherlich die für alle angenehmste Form des Verlassens der S-Bahn zu Stoßzeiten.

Ich kann also verstehen, wenn man dann während der Einfahrt des Zuges in den Zielbahnhof von den hintersten Sitzreihen hektisch aufspringt, seine BZ oder den Kurier oder die Bild zusammenknüllt, in die Handtasche oder auch den Aktenkoffer stopft, die umstehenden, nichts ahnenden Mitmenschen aus dem Weg kloppt, drängt, schiebt, auf die Füße tritt, den Ellenbogen ausfährt – Ich will hier raus! Ich wusste doch nicht, dass wir schon da sind! – Kopfstöße verteilt, so tut, als wäre dies der letzte Halt vor Erreichen des ersten Höllenkreises, die letzte Chance, das sinkende Schiff zu verlassen.

Das kann ich natürlich nicht verstehen.

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20140114-090149.jpgAls wäre es mit dem bloßen Start einer App getan. Tss.

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Ich liebe Links. Ich verlinke gerne. Selbst verlinkt zu werden, treibt mir die Röte ins Gesicht. Und liefe im Hintergrund nicht dieses NSAmäßige Statistiktool, hätte ich den plötzlichen Besucheransturm (ungefähre Verdrölffachung) gar nicht bemerkt. Was mir noch mehr Röte ins Gesicht trieb. Ich liebe Links. Sagte ich aber schon.

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Angefangen, während meiner ganz persönlichen Studien in der S-Bahn dem Soziopod zu lauschen, dabei auf eine in der letzten Folge erwähnten Videoreihe zur Geschichte der Philosophie gestoßen (Teil 1), die nun auch darauf drängt, verfolgt zu werden, zwischenzeitlich einem Kaufreflex erlegen, der mich früher schon in diversen Buchhandlungen zu zwanghaften Käufen trieb (Trieb!) und nunmehr auch vor dem höllischen Kindleshop keinen Halt macht, dazu ein prallgefüllter Stapel ungelesener Langtexte im digitalen Rauschen und und und. Selbst verschuldeter Medienterror. (Ach, läse ich doch nur die Bild und wäre damit zufrieden.)

PS: Suche empfehlenswerte Kopfhörer (mit Bügel, keine Ohrstecker), die gut klingen und dabei nicht affig aussehen.

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Zeit ist ja so kostbar.