Kein normaler Samstag

Ein Mal den modernen Berliner raushängen lassen wollen, also Hochdeutsch sprechen und nicht Berlinern, den Fünftagebart ordentlich stutzen, statt wuchern zu lassen, Rotkäppchen rosé statt Jubi-Kindl trinken (schmeckt sowieso nicht), mit Erdbeeren drin, immerhin ist schon meteorologischer Frühling, die Eröffnung einer Heilpraktikerpraxis in Weißensee besuchen, wegen der connections, verstehste? Fail, siehste wohl.

Lauter nette junge Leute, man merkt, wie alt man eigentlich geworden ist, in seiner kleinen, ruhigen Ecke, weil man Kinder dabei hat, wird man auch ein wenig schräg beäugt. Es gibt Torte, die so unglaublich lecker ist, dass man zwei Stücken ist, statt gar keines und schon gar nicht in homöopathischen Dosen. Rinnjehaun. Die netten Leute sind Verwandte und Bekannte der Eröffnenden, also eher nicht ihre Klientel, die laufen vorerst nur vorbei und beäugen kritisch das Aushängeschild „Bioresonanztherapie“. Einige habe ich wissend nicken gesehen, ich musste mir das erklären lassen. Und später auch noch googeln.

Man bewegt sich hier in Sportlerkreisen, ein guter Aufhänger, ist man doch am Sport interessiert. Ja, bin heute schon um acht in Pankow gewesen, Punktspiel des einen Kindes beim ruhmreichen VfB Einheit zu Pankow, hat sich aber nicht mit Ruhm bekleckert. Im Flur steht ein braungebrannter Jemand, der einem bekannt vorkommt. Fußballspieler? Nö. Leichtathlet? Nö. Achso, Eisschnellläufer, wie fast alle hier. Spielte mit im Film „Braungebrannt in Sotschi und doch nichts gewonnen“, man vermeidet trotzdem Häme, der kann immer noch schneller als man selbst rennen, auch wenn er langsamer war, als alle Holländer. Bevor ich ihn nach seiner Meinung zur Krise auf der Krim befragen wollte, war ich schon verschwunden.

Im Frühlingssonnenschein, hach.