Sommermensch fährt Fahrrad

Sonne am Morgen, sich aufs Fahrrad schwingen, ganz beschwingt zum Bäcker radeln, der erste sein, denn es ist Sonntag und es ist dreiviertel acht oder viertel vor acht oder sieben Uhr fünfundvierzig und um diese Zeit trifft man nur Menschen, die von ihren kleinen Kindern unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden und senil Bettflüchtige. Die Luft ist kühl und warm zugleich, frisch und feucht, vom Morgentau, ein wenig Glitzer glitzert über den Wiesen, man möchte Romantiker sein, wie einst Eichendorff oder so, die Dinge rhythmisch vertexten, so wie sie schön scheinen.

(Aber die Welt ist ja gar nicht so.)

Sternengeschichten hören, dabei durch den Sonnenschein radeln, der angenehm und nicht ganz unwichtig für uns ist. Das Universum ist verwirrend. Ich kann inzwischen Menschen, die an einen Gott glauben (möchten), ein wenig besser verstehen, es macht vieles einfacher. Die Vorstellung, dass irgendein menschähnliches Wesen, auf einem Thron in den Wolken sitzend, aus einer netten Laune heraus mit dem Finger auf eine leere Stelle im All zeigte und dort Sonne, Erde, Mond und so weiter erschuf, ist am Ende für so manchen einfacher zu ertragen, als die unabwendbaren Gesetze der Physik. Fahrradfahrspinnerei, verstehste?

I see fire. Seit Wochen leise vor mich her singend, immer und immer wieder, mit Gänsehaut. Warum? Darum. J. R. R. Tolkien als einzig anerkannter Fantasy-Autor (Das Silmarillion!), alles andere erscheint schrottig. Ein Urteil mit eingeschränkter Sicht, denn wer weiß schon alles? (Wobei die Filme, ähm, ja. Die modernen Verfilmungen mit ihrem Pathos, schießen doch teilweise übers Ziel hinaus, aber womöglich muss das heute so sein.)

Durch Fliederduft, die Straßen entlang, am Lenker baumeln Brötchen, warm und auf goldenem Boden handgefertigt, vorbei an Tankstellen, an denen Autofahrer sich mit frischen Brötchen eindecken, Brötchen an der Tankstelle, dazu vielleicht noch ein Bierchen zum Frühstück? Untergang des Brötchenlandes, ick hör dir trapsen. Die Zukunft schmeckt vorgebacken und eingefroren, aber solange es noch Sonne an einem Sonntagmorgen gibt, in der man in Ruhe und zufrieden zu einem guten Bäcker radeln kann, ist noch längst nicht alles verloren.