War was? – XXIII

Düsterkeit schleicht sich auf den Bildschirm, startet man die niegelnagelneue „Diablo III – Ultimate Evil Edition“, natürlich gleich nachdem man sie aus dem Briefkasten angelte, und selbst auf einer gnadenlos veralteten LastGen-Konsole entwickelt sich nach erstem Hineinschauen ein unvergleichlicher Spielspaß, ein so wunderbares Hacken und Schlachten, dass man fast vergessen möchte, die Kinder vom Fußballplatz abzuholen. Und Eis zu kaufen. Hallo Reaper of  Souls. Ach nein: Hallo Realität.

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Götze konnte seinen Markenwert innerhalb der letzten zwei Jahre mehr als verdoppeln“ vs. „So beklagt Kramer jetzt im ‚Spiegel‘, er fühle sich als transferierter Spieler ‚manchmal wie in einem modernen Menschenhandel‘.

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Und überhaupt, Leistungsgesellschaft, ne: Wenn man, zum Beispiel, beim amtierenden Europapokalinhaber angestellt ist (Real Madrid, wa), dann kann es natürlich passieren, dass dir vielleicht heute oder auch morgen ein noch teurerer und coolerer Typ als du selbst es schon bist (frag den Transfermarkt) vor die Nase gesetzt wird und du plötzlich nicht mehr weißt, ob du jemals wieder bei diesem Verein spielen wirst, obwohl du doch in der letzten Saison noch Leistungsträger warst, fast alle 50 Pflichtspiele spieltest und nebenbei, in der Sommerpause, womöglich auch noch Weltmeister geworden bist. Fußball, grausames Geschäft. Ach, schau mal da, eine schöne Flanke, geiles Tor: Fußball ist super.

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Das Problem des Älterwerdens ist ja nicht nur der schleichende Verfall des Körpers, es ist das unaufgeforderte Finden von Antworten auf Fragen, die man nie beantwortet haben wollte. Und die Erkenntnisse über das Leben kommen auch nicht einfach so daher, auf dem Weg von der Straßenbahnhaltestelle zum Eigenheim, nein, sie treffen dich ganz unvermittelt, wenn du nichts ahnend, an einem kalten Sommerabend auf einer Bierbank sitzt, an einem ungekühlten Bier nuckelst und Achtzehnjährigen beim Feiern zuschaust, während neben dir die frisch vom Partner Sowieso getrennte S. sitzt und sich über den Sowieso aufregt, während der – still in sich hinein weinend – gegenüber am Feuer sitzt und sich betrinkt. Ich will das nicht, denkst du in diesem Moment, kannst aber nicht aus deinem zunehmend verfetteten Körper springen und wieder achtzehn sein. Dieser Altersschmerz, schlimm.