Kein Schmerzmittel

Ein Leben aus tausend Songs, aus guten und schlechten, hast alle gehört. Auf voller Lautstärke.

Schmerz, kommt unerwartet, trifft dich hart, wirft dich zu Boden, du möchtest schreien, heulen, kratzen, beißen, aber er geht nicht weg. Geht nicht weg.

Du brauchst keinen Wecker, bist sowieso schon wach, frierst, wie du noch nie in deinem Leben gefroren hast, stehst Zähne klappernd in der Küche, in der Dunkelheit, siehst die Sterne, hörst Hunde bellen, weißt nicht, was du machen sollst, weg gehen, hier bleiben, irgendwas tun, Hauptsache bewegen, nicht stehen bleiben. In dieser Einsamkeit.

Einsamkeit. Einsam, obwohl die Bude voll ist. Du bist nicht allein, bist allein, allein mit dir, den Gedanken, die du dir nicht machst, die du dir machst, in einem Leben voller Unentschieden, voller Liebe, Liebe, Liebe, welche Liebe?

Fällst in ein schwarzes Loch, das immer tiefer wird, fällst immer schneller, rauschst vorbei an deinen Fehlern, all den Dingen, die du nicht mehr aus der Welt schaffen kannst oder nicht willst oder nicht musst oder. Oder. Du fällst und siehst niemanden, der dich fängt, niemanden, der dich hält, dich wärmt, der sagt: Es wird alles wieder gut.

Stehst in der Sonne und frierst, hörst nicht die Vögel, siehst nicht den Frühling, hörst Songs aus deinem Leben, die dir die Seele verbrennen, wirst wieder hart getroffen, vom Schmerz, der wie ein ICE durch deinen Körper rauscht und dich verbiegt.

Und ein Schmerzmittel kennst du nicht.