Nix zu schreiben

Ich will etwas aufschreiben, in dieser Art, wie damals, einfach kommen lassen. Das Notebook fährt hoch, ein paar Lämpchen flackern, anmelden, leeres Dokument öffnen, warten. Mach mir ein Bier auf, klimper ein bisschen auf den Tasten rum, warte. Kommt nichts. Ich gehe raus, zünde mir eine Zigarette an, ja, zünde mir eine an, stolze viereinhalb Jahre konnte ich ohne leben, aber die Erste schmeckte wie die Letzte: Gut.

Das ist natürlich Irrsinn, dieser Dreck schmeckt weder gut, noch tut er es. Aber es war so einfach. Kippen holen, aufreißen, Feuerzeug kaufen, weil man sowas nie mehr dabei haben wollte. Daran erkennst du die Verzweifelten: Kaufen sich Kippen mit Feuerzeug. Weil sie nicht damit gerechnet haben.

Über dem Haus sieht man ein paar Sterne. Nicht viele, Großstadthimmel eben, viel Licht, das den Himmel erhellt, macht den Blick in die Vergangenheit nicht leicht. Es ist kalt, sagt mein Körper, Zähne klappern, vielleicht ist es auch Angst. Oder Einsamkeit. Oder. Wir haben nicht einmal mehr Aschenbecher. Wir. Wir?

Das Notebook ist leise, kein Lüfter surrt, kein Hintergrundgeräusch, ab und zu knackt es im Gebälk über mir, Kinder bewegen sich in ihren Betten. Die Kinder. Das Dokument ist immer noch leer, ein paar Zeilen aufgeschrieben, gelöscht, geschrieben, gelöscht, alles Müll. Was soll das auch? Katzenjammer? Selbstmitleid? Wie ich mal erwachsen wurde und mir wünschte, wieder Kind zu sein?

Ach, nöö. Noch ein Bier auf, Bukowski lesen. Trinkerliteratur. Oder? Oder? Ich mach mir dieses Lied an, von dem Koletzki, sie hatte danach gesucht, konnte sich aber nicht daran erinnern, wie es hieß und wer er es sang. Ich wusste das natürlich, obwohl ich jahrelang deutsche Musik schrecklich fand, aber es ist nunmal unsere Sprache, man versteht, was die wollen und es ist weniger anstrengend, als, sagen wir mal, Coldplay. Oder Rihanna.

Karambolage, also. Klingt alles vollkommen logisch, schlüssig, insgesamt, und überhaupt: Wie viele Chancen kann ein Mensch verpassen? Schreib dir das ins Gebetbuch, mein Junge. Frag dich das jeden Tag. Ich muss ein wenig schmunzeln. Ich habe ihr mal AnnenMayKantereit vorgespielt, fand sie nicht gut, weil der Sänger irgendwie besoffen klingt. Ja, aber. Sind wir das nicht auch gerade? Irgendwie besoffen?

Ich finde nichts zum Schreiben, Kopf ist ausgesaugt, wenig neue Bilder drin, alles alter Krempel. Der Moment, an dem man nichts mehr weiß. Gehste eben wieder raus, eine Zigarette rauchen. Die nächste, nicht die letzte. Draußen rauscht es so schön, die Straßen, die Stadt, vielleicht hat jemand seine Fenster noch auf, vielleicht lacht irgendwo irgendjemand, eine Frauenstimme vielleicht, zaubert mir womöglich ein Lächeln ins Gesicht. Ungewohnt.