Leben im April

Es ist Urlaub und der Wecker klingelt. Die Matratze zu weich, der Rücken zu hart. Bist du schon wach oder schläfst du noch, hast du geträumt oder bist du wirklich wieder auf einem guten Weg? Sahst du gestern abend am stillen Meer die Sterne über euch oder war dir nur einfach schwindlig vor Angst, wieder glücklich zu sein?

Sonne lacht, kein Wind geht, das Gras auf den Dünen ruhig und gelassen, so wie du. Vielleicht. Bist wieder wer, hast dich selbst erkannt, auf einmal, zwischen Heringsdorf und Bansin, bist an den Strand, hast dem Hund das Meer erklärt, wie es wogt und wie es schmeckt, wie kalt es ist und dennoch schön, so wie das Leben. Kinder lachen, keiner ist mehr blass, ob nun vom Wind gerötet oder von der Sonne, liegst im Strandkorb und trinkst Bier, ziehst an einer Zigarette und verstehst auf einmal all die Songtexte, über die du noch vor Wochen gelacht hast.

Mit dem Auto durch die Provinz, Mecklenburg-Vorpommern, verlassenes Hinterland. Hier sind alle auf der Durchreise, niemand bleibt, vielleicht ein paar Alte, weil sie nicht mehr weg können, wohin denn auch. Aber du, du fährst nach Berlin, rast die Autobahn entlang, mitten durch die Schorfheide, die gute, alte; viele Kiefern, sandiger Boden, der Grimnitzsee, schon drin gebadet, schon rum gelaufen. Kurz hinter Bernau siehst du den Fernsehturm, bist gleich da, zu Hause, da, wo es genau so riecht, wie es immer riechen sollte.

Mitten in der Nacht, Warschauer Brücke. Sehnsucht, Trunkenheit, es ist doch wieder kalt. Bist in letzter Zeit zu oft aus Kneipen geschmissen worden, weil die dicht machten und du es warst. Lauter Fremde im dich herum, nur eins, zwei, die dich verstehen oder auch nicht, wer weiß das schon. Läufst die Straße entlang, deine Straße, die Straße, auf der du schon seit Jahren gehst, vielleicht noch ein paar Jahre gehen wirst, vielleicht für immer, vielleicht auch nicht, aus den Kopfhöhrern deine Musik der letzten Wochen, überhaupt Musik, ohne sie lägst du schon längst in irgendeiner dunklen, stinkenden Ecke oder unter der Erde, obwohl, das ist jetzt Quatsch.

Du schließt auf, öffnest leise die Tür, es riecht genau so, wie es immer riechen sollte, doch es ist still, nur die Musik aus deinen Kopfhörern dröhnt, du nimmst noch einen letzten Schluck, legst dich hin, an deinen Platz und dein Herz, dein Herz, das schlägt.