09.06.2015

Die älteren unter uns, Ende dreißig, Anfang vierzig, gut genährt, kein wirkliches Leiden leidend, sitzen gemütlich am Tisch, genießen den Sonnenuntergang, das lauwarme Lüftchen, den kühlen Hauch, der vom Rasen aufsteigt, und nippen an ihrem Whiskey, schottisch, der Geschmack im Abgang leicht an Eichfässer erinnernd, irgendeine nur Nerds bekannte Destillerie, teuer, auf Eis. Sie reden ruhig und mit Bedacht, nicken ab und zu zustimmend, die Zeit der Schenkelklopfer ist vorbei. Oder wird in lustigen Whatsapp-Gruppen ausgelebt. Hahahaha.

Es wird sich ein wenig erregt, über den einen, von dem berichtet wurde, achtzehnjährig, so jung und unerfahren, wild und ungezähmt, die Ruhe, die Ordnung, das Gemächliche nicht zu schätzen wissend. Einer der eben nicht unter uns älteren sitzt, sondern durch die Gegend streift, zwei, drei junge, hübsche Damen im Arm, leichter Bartpflaum, nichts, mit dem man sich in Mitte sehen lassen könnte, einer, der nicht am teuren schottischen Gesöff nippt, einer, der sich lieber die Bierbong in den Hals schieben lässt, Druckbetankung, Schaum im Magen, auf den Gehweg kotzen, Krankenhaus.

Die älteren unter uns schmunzeln darüber, nickten wissend mit dem Kopf, denn sie hätten ihm das gleich sagen können, dem unerfahrenen Jungspund: Wer den Hals nicht schnell genug voll bekommt, landet auf der Intensivstation. Und ist es nicht am Ende nicht viel schöner, sein hart verdientes Geld, das Achtzehnjährige natürlich nicht haben, für teuren schottischen Whiskey auszugeben und auf der Terrasse zu sitzen, den Sonnenuntergang zu genießen, die kühle Luft, die langsam vom Rasen aufsteigt und das Eis im Glas langsam im hellbraunen Gold zergehen zu lassen, als sich eine Kiste Sternburger durch einen Schlauch in den Hals zu schießen, dabei halb am Schaum zu ersticken und später mit Zugängen im Arm in einem Krankenhausbett aufzuwachen?

Die älteren unter uns wissen Bescheid, die Jugend war wild und gefährlich, das Alter ist ruhig und gemächlich. Und so lächelt man auf den jungen Mann herab und denkt sich: Auch du, Sohn Brutus, wirst eines Tages hier sitzen und auf junge Männer herablächeln, denn so ist der unvermeidbare Lauf der Dinge. Prost.

2 Gedanken zu „09.06.2015“

  1. Oh mein Gottt (mit 3 t), was für Schmocks! Schottischer Whisky mit „ey“ und dann auf Eis?? Was unterscheidet Euch vom Sternburgsäufer, außer Eure Kohle?

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