War was? – 26.06.2015 – Jugend im Internetz

Ich rede mit #Kind1 über Datenschutz. Er besitzt seit zwei Jahren ein Smartphone und seitdem habe ich einiges über das Kommunikationsverhalten eines Jugendlichen erfahren. Die Blase, in der er kommuniziert, nimmt nicht einmal die Behauptung, nichts zu verbergen zu haben, für sich in Anspruch, den meisten scheint es egal zu sein, ob irgendwer, irgendwann den Quatsch, den sie tagtäglich durch die sozialen Netze pusten, dazu verwenden könnte, ihr Verhalten zu analysieren und daraus passende oder auch weniger passende Schlüsse über ihre Persönlichkeit zu ziehen. Nennen wir es jugendliche Naivität. Und natürlich Unkenntnis durch verpasste Aufklärung.

Er nutzt WhatsApp, Instagram, Youtube. Facebook findet er unnötig, manche Freunde nutzen das aber. Außerdem chattet er mit Freunden (die er persönlich kennt, zunehmend aber auch nicht persönlich kennt)  über eine PS4. Ich habe ihn gefragt, ob er denn Threema kenne und ob sich einer seiner Freunde mit der Frage, was mit seinen Daten passiert, beschäftigt: Nichts. In der Schule gibt es ein Fach, das mit IT zu tun haben soll. Inhalte sind aber, wenn ich das richtig verstanden habe, Word und Excel.

Ich denke nicht, dass jeder Mensch ein Programmierer sein muss, um lebensfähig zu sein, allerdings denke ich, dass man zumindest frühzeitig mit den Grundlagen unserer heutigen und kommenden Zeit vertraut gemacht werden sollte. Das Internet ist nicht mehr das Nischenprodukt, dass es mal war, als ich mich mit meinem Vobis BahnBoostar 56k einwählte und die Liebste in der Zeit nicht mehr telefonieren konnte. Es ist integraler Bestandteil unseres Lebens, dem man sich weder entziehen noch dauerhaft verweigern kann.

Es scheint, dass der Umgang mit Vernetzung, digitaler Kommunikation und den alltäglich entstehenden Daten ein eher nebensächliches und vernachlässigtes Thema in der Bildung ist und es scheinbar ausschließlich den Eltern überlassen bleibt, den Nachwuchs dafür zu sensibilisieren. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass Eltern sich überhaupt selbst dafür interessieren und wissen, wie man mit einem Jugendlichen darüber sprechen kann, ohne belehrend und abschreckend zu wirken. Ich kenne sehr wenige, die das können.

Insofern überrascht mich auch die politische Entscheidung für die Vorratsdatenspeicherung gar nicht, denn ich gehe davon aus, dass die wenigsten Menschen, die darüber entschieden haben bzw. darüber entscheiden werden, sich tatsächlich darüber bewusst sind, welche Tragweite eine solche Maßnahme tatsächlich hat. Allerdings könnten sie erkennen, wie zutiefst undemokratisch sie ist. Aber das fällt wohl leider auch unter Unwissenheit.