War was? – 20.07.2015 – Internetzfernsehen

Es ist auch, man muss das mal so sagen, nicht ganz so einfach, dieses Bloggen. Man muss sich hinsetzen, Gedanken sortieren, aufschreiben, lesen, verbessern, kürzen, anreichern usw. Es ist Arbeit, auch wenn es nur eine halbe Stunde ist. Es ist Arbeit und man muss allen Ablenkungen, die um einen herum passieren, wiederstehen können, man muss, auch wenn es nur eine halbe Stunde ist, ignorant und in sich selbst gekehrt sein, konzentriert und fokussiert.

Das geht nicht, wenn man – kaum hat man den Deckel seines elektronischen Schreibgerätes hochgeklappt – von seinen familienbedingten Mitmenschen mit Fragen und Anforderungen belästigt wird, das geht nicht, wenn man zuerst sein Mail-Postfach öffnet und drölfzigtausend unwichtige Benachrichtigungsmails löschen muss, dabei feststellt, dass man die drölfzigtausend Dienste, die einem diese Mails schicken, dazu bringen kann, dies nicht mehr zu tun (opt-out ist natürlich auch Arbeit, man sollte also nur noch Dienste nutzen, die standardmäßig opt-in verwenden, um Kunden nicht zu belästigen), das geht auch nicht, wenn man sich durch die Datensilos (facebook, twitter, instagram) fräst und 99% unwichtige Nachrichten von 1% wichtigen unterscheiden muss, um den allgemeinen Wissensdurst zu löschen.

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Das ist natürlich unnötiges Gejammere, man muss sein personalisiertes Internet ja nicht wie einen Fernsehprogramm nutzen, das eben nur das anbietet, was gerade gesendet wird. Man muss sich auch nicht durch Datensilos fräsen, um Informationen zu aktuellen Themen zu finden, man muss nicht täglich tausende unnötige Benachrichtigungsmails löschen, man kann natürlich seine Zeit finden, in der man mit sich selbst zurückgezogen blogosophieren kann. So wie gerade jetzt.

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Meine Alternative zum Fernsehprogramm der schier unendlichen Datenströme, die mehr Informationen parat halten, als man tatsächlich verarbeiten kann, ist übrigens RSS. Das ist die sozusagen die Mediathek für meine persönlichen Inhalte. RSS ist zwar uralt – ich glaube, es war schon uralt, als ich anfing zu bloggen (2004) – erfüllt aber absolut meinen Wunsch nach personalisierten Informationen: Ich stelle mir meine Quellen selbst zusammen, abonniere Newsfeeds, die mich interessieren und vertraue inzwischen vor allem Menschen, die nicht nur leidenschaftlich Dinge ins Internet reinschreiben, sondern auch noch ihre Meinung zu aktuellen Themen (die ich nicht immer teile) mit interessanten Links versehen.

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Der älteste Feed in meiner Leseliste ist übrigens der Feed von wirres.net. Und da ich Lesebefehle! generell vermeide, gibt es an dieser Stelle nur einen Abonnierbefehl!

(Ich habe diesen Feed abonniert. Er funktioniert einwandfrei. Wahrscheinlich aber nur, solange es feedburner gibt.)