Love you. And you.

Selbstbild als verwirrter Streuner.

Der Hund neben mir, wir laufen um den See, in der Ferne Kräne, Baumaschinen rattern, tuckern, fauchen, Autos rasen über die Brücke, der stetige Strom gestresster Pendler: Morgens rein, abends wieder raus. Und wir bleiben drin.

„Hey!“ sagte ich, als ich neben dir an der Straßenbahnhaltestelle stand und dich bemerkte. Du hast mich nur komisch angeschaut. Ich kenne dich, sagte ich noch und wurde ein bisschen rot dabei. War es nicht in 2010 oder so, als wir uns zum letzten Mal gesehen haben? Waren wir nicht zusammen unterwegs, hatten gelacht, getrunken, geraucht, melancholisch von der Brücke über die Stadt geschaut und dabei nicht gewusst, was wir mit uns anfangen sollten? Das waren doch du und ich? Stimmt, sagtest du. Mit diesem, deinem Lächeln.

Eigentlich wussten wir nie etwas mit uns anzufangen. Wer bist du eigentlich, hatte ich dich einmal gefragt. Und du hast nur geschmunzelt. Wer sind wir? Wer waren wir? Zwei Ahnungslose mit viel Phantasie.

Keine Ahnung was du hier machst. Weißt du es? Ach ja, die Verwandschaft besuchen. Sechs Jahre Provinz und keine Zeit für irgendwas. Magst du das Leben in der Kleinstadt? Nein, sagtest du. Aber eigentlich ist es mir auch egal. Ich bin hier, du dort, ab und zu schreibe ich dir, du antwortest sporadisch. Ich vermisse dich.

Es gab einen Punkt, an dem ich dachte, eine Seelenverwandte gefunden zu haben, jemand, der mit mir gemeinsam meine Welle reiten kann. Vielleicht zu metaphorisch. Sollte auch alles gar nicht sein. Jeder für sich, wir beide, fest verankert im Leben, jeder in einem anderen Hafen, verschiedene Ausblicke, gleiche Interessen. Du hast nicht einmal mein Herz berührt, nur meinen Bauch, ein wunderbares Gefühl, ohne Frage, aber nichts Ganzes, nur Halbes.

„Gut siehst du aus.“ sagte ich und du schautest mich fragend an. Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Es gibt nichts mehr, woran man anknüpfen könnte. Keine Gemeinsamkeiten, keine Leidenschaft, keine Träume, keine Visionen, nichts. Ich sah es in deinen Augen, die traurig schauten, tiefblaues Meer, mit Tränen gefüllt.

Das Schöne bleibt nur in der Erinnerung schön. Träume werden nie ganz wahr und Visionen schon gar nicht.

„Ciao, meine Liebe. Bleib wie du bist.“