an der bar

wenn die bar zur heimat wird:

damals, als ich noch jung war, lehnte ich bar- und kneipenbesuche ab. aus gründen, die mir heute nicht mehr einfallen möchten. wahrscheinlich war es einfach auch nur unwissenheit.

seit fast 2 jahren besuche ich wöchentlich eine art therapiegruppe, deren erklärtes ziel es ist, die schmerzen des erwachsenen alltagslebens an einem tag in der woche in einer kleinen kiezkneipe in bier und kirschlikör zu ertränken und dabei unsinn zu labern. funktioniert super und hat mir zudem einen entscheidenden vorzug von kneipen- und barbesuchen klar gemacht: man ist niemals allein.

komme ich nun in die verlegenheit, eine mir nicht ganz so bekannte stadt besuchen zu müssen und habe dabei den nachteil, dieses erlebnis mit niemandem anderes als mir selbst teilen zu dürfen, erkenne ich inzwischen genau die orte, die mir in der fremde eine art heimat geben können: kneipen und bars. denn am ende sind die überall auf der welt gleich: es gibt einen tresen, mindestens einen menschen, der dahinter steht und getränke ausgibt, und andere nicht mehr ganz so einsame seelen, die alle das gleiche tun: ihr einsamkeit in bier ertrinken. oder so.