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ich will das alles nicht. ich will keine abos abschliessen, ich will keine rechte erwerben, ich will nach dem bezahlen kein papier geliefert bekommen. ich will einfach für etwas das ich schätze, das mir empfohlen worden ist oder über dass ich im netz gestolpert bin bezahlen können. das muss auch nicht die einzige methode sein, aber mir erscheint sie im moment logisch und verständlich. warum ist die taz die einzige zeitung die das anbietet? haben die verlage wirklich angst vor der abonnement-kanibalisierung durch microzahlungen für einzelartikel? sind es die technischen schwierigkeiten? ist es furcht vor dem misserfolg? glaubt niemand, ausser jeff bezos, dass man millionen durch die verehrung von lousy pennies scheffeln könne?

bezahlschranken überall – wirres.net

Ein wesentlicher Grund für die anhaltende Printabstinenz in der Familie ist vor allem der nicht unerhebliche Papierberg, der mangels Qualität ungelesen in der Papiertonne oder meinetwegen auch nach Regengüssen in Schuhen landet und den man ja doch mit jedem gedruckten Exemplar mitfinanziert. Außerdem informieren mich Blogs ohnehin besser, schneller, unterhaltsamer etc.

Wie Furzkissen die Welt verändern könnten

Jeder Morgen sollte mit Kindern beginnen.

Das ist natürlich ein bisschen absurd. Denn ein Sonntagmorgen, der bereits um fünf nach sechs beginnt, weil eines der Kinder, meistens reicht ja schon eins,  der Meinung ist, dass das Konzept „Ausschlafen“ wirklich total überholt ist, so wie Schlaf an sich eine eher wenig nutzbringende Tätigkeit ist, denn was passiert schon im Schlaf und was passiert dagegen, wenn man eben nicht schläft, sondern bereits schon vor Sonnenaufgang durch das Haus reist und abenteuerlichste Ecken entdeckt?

Warum sollte also jeder Morgen mit Kindern beginnen, wo er am Ende doch auch schon zur Qual des gemeinen Erwachsenen mit Schlafbedürfnis beiträgt?

Besser: Jeder Morgen sollte mit Kindern, die ein Furzkissen haben, beginnen.

Denn wie will man sich dem praktisch nicht zu unterdrückenden Lachreflex entziehen, den man nicht einmal zu früher Morgenstunde mit ihrer kalten Dunkelheit ignorieren kann, wenn einem das unwiderstehliche Geräusch eines Megafurzes durch die Ohren weht? Egal wie müde du bist und egal wie sehr du dir gerade auf die Zunge gebissen hast, um nicht laut zu fluchen oder gar zu meckern,  weil der regelmäßige Schlafmangel inzwischen fast körperliche Schmerzen verursacht, du musst es ganz einfach: Lachen. Lachen. Lachen. Über jede Sorge, jeden Ärger erhaben: Lachen.

Und dann stellst du dir vor, die beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten träfen sich zum Rededuell in einer Talkshow und beide setzten sich und ließen dabei zwei vorher deponierte Furzkissen laut und herzlich erklingen und schauten ganz kurz verdutzt und erschrocken in die Kamera und wären in diesem einen kurzen Moment gänzlich entwaffnet, einfach Mensch, weil unvorbereitet und spontan. Oder Markus Lanz. Wie würde der wohl schauen, erklänge in einer seiner zahlreichen Sendungen, die du dir nie anschaust, ein lauter Furz während er sich setzte oder meinetwegen auch Tom Hanks oder Hale Berry, wäre das nicht ein bisschen unterhaltsam? Würdest du dir das nicht anschauen wollen? Wie locker wären Kabinettssitzungen, Tarifverhandlungen, Pressekonferenzen, Jahreshauptversammlungen bei Anwesenheit eines Furzkissen?

Ja, jeder Morgen sollte mit Furzkissen beginnen. Und Kinder nehme ich dann auch dazu.

 

Das Leben ist hart, nur sind wir Hertha?

Berlin ist, wenn morgens ein ordentlich abgeranzter und abgefüllter Typ mit Bierbüchse und blutiger Nase aus der S-Bahn steigt, sein Blut auf den Boden rotzt, sich das Gesicht mit dem T-Shirt abwischt, um dann in aller Seelenruhe in die nächste Bahn zu torkeln. In dieser Bahn sitzen wir, also Gestalten, denen die Verwirrung des Brückentages und des Mai-Feiertages, den wir alle zu mindestens 99 Prozent friedlich verbrachten, ins Gesicht geschrieben steht. Und die Sonne, die für rote Gesichter sorgt.

Der Typ torkelt also in die Bahn und niemand nimmt davon wirklich Notiz, außer dem einen Typen, der gleich hinter ihm einsteigt, Anzug, Schlips, Kragen, Tasche mit Notebook über der Schulter, die man aber gar nicht erwähnen müsste, denn digitale Gerätschaften sind Alltag, nicht-polyphone Klingeltöne aus einen stinknormalen Nicht-Smartphone, also einem echten Handy, dagegen schon. Der Anzugträger ekelt sich. Trotzdem: Keine Polizei. Irgendwann wird der Blutige-Nase-Mann doch von einigen ganz schön schief angeschaut, dann steigt er aus und vielleicht singt er jetzt das Ding von Peter Fox, Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein, dreckig und grau und so weiter.

Schwarz zu blau.

Blau und weiß. Also Hertha. Mir wurde überliefert, mein Opa mütterlicherseits sei ein großer Hertha-Fan gewesen, was mir nicht ganz einleuchtet, aufgrund der Familiengeschichte, geprägt von Weltkrieg, Mauerbau und kaltem Krieg, eine familieninterne Union vs. BFC – Feindschaft hätte mich eher überzeugt. Allerdings kenne ich meinen Opa mütterlicherseits leider gar nicht, nur Fotos, Überlieferungen, Kriegstagebuch, ich kenne dafür meinen Ersatz-Opa, der auch sehr toll war und Feuerwehrmann, aber mit Fußball nichts am Hut hatte. Wäre mein Opa mütterlicherseits also wirklich ein großer Hertha-Fan gewesen, er würde sich seit ein paar Wochen wohl im Grab umdrehen, wahre Frust-Pirouetten drehen, mal wieder.

Denn während man zum Beispiel in Freiburg oder Augsburg, vielleicht auch ein bisschen in Hamburg, während man also in den Burg-Städten miterleben kann, dass man dort ganz offensichtlich Bock auf erste Liga hat, sucht man diesen und verschiedenste andere Böcke im Olympiastadion und überall dort, wo Hertha drauf steht, vergebens. (Nur Sündeböcke findet man en gros.) Kind2 zum Beispiel fragte mich, ob diese Raffaels, Ramosse und wie sie nicht alle bejubelt werden wollen, eigentlich gar nicht hier in Berlin spielen wollen, sondern ganz woanders. In Paderborn vielleicht? Und dabei hat Kind2 diesem Raffael und seinem kleinen Bruder im letzten Jahr noch ganz ehrfürchtig die Hand geschüttelt.

Und auch wenn man emotional gar kein Hertha-Fan oder Anhänger oder Supporter oder Wasauchimmer ist, so ist man doch als ein in dieser Stadt lebender eben Berliner und als solcher auch ein wenig an Hertha interessiert, wenn man nicht gerade ausschließlich unionaffin ist oder meinetwegen auch BFCer oder Tebe oder Reinickendorfer Füchse oderoderoder, so muss man sich doch, wenn es um großmäuligen Erstligafußball geht, schon an diesem Verein wenden und ist dann, am Ende einer Saison, die – und da bin ich mir recht sicher, denn der Fußballgott schaut doch ganz genau hin, auch wenn der Trainer Rehagel heißt – zum zweiten Abstieg innerhalb von drei Jahren führen wird, einigermaßen enttäuscht und wundert sich nicht mehr, wenn die eigenen Kinder von Erwachsenen ausgelacht werden, wenn sie an fernen Urlaubsorten im Hertha-Outfit durch die Gegend spazieren.

Peinlich.

Haltestellenkino

Natürlich muss sie sich beeilen, morgens, so kurz nach sechs, bleibt nicht mehr viel Zeit, das Büro wartet, der Rechner will hochgefahren werden, das Mailprogramm, die Mails vom Chef und vom Chefchef und von den Mitarbeitern und den Kumpels und den Freunden bei facebook, die doch gar keine Kumpel sind, denn das Internet ist nicht real. Also beeilt sie sich und stürzt die Treppe hinab, fast hätte sie sich das Genick gebrochen und dann wäre die Welt untergegangen – stellt euch das doch mal vor – denn niemand hätte ihren Rechner hochgefahren und die Mails gelesen, tonnenweise Mails, Milliarden wichtiger Mails, alles ASAP zu erledigen und dann auch noch diese anderen wichtigen Sachen, Terminsachen, alles schnellstens und sofortigstens zu erledigen

– aber vielleicht ist das hier auch nur eine Schreibübung.

Also rennt sie die Treppe herunter, als sei ihr der Ziegenfüßige höchstselbst auf den Fersen, schwingt im Nordicwalkingschritt mit ihren diesen ergonomisch geformten Rundsohlenschuhen, die eine tolle Hüfte machen und einen tollen Po und beim Abnehmen, Abnehmen, Abnehmen helfen sollen, neben allerlei effektiven und effektvollen Diäten – sieht man bloß nicht – aber eigentlich hat sie ja sowieso niemals nie Zeit für anständiges Essen, siehe oben. Sie schwingt also, rennt in den Supermarkt, der 24/7/7 offen hat, weiß doch jeder, was das bedeutet, und dann rennt sie durch die Reihen, greift sich Butter, Brötchen, Biomilch und rennt zur Kasse und dann, ja dann, dann sagt diese blöde Kuh von Kassiererin, das muss man sich einmal vorstellen, morgens, kurz nach sechs, kurz nachdem sie sich den Titel „Mayor of S-Bahnhof Friedrichstraße“ zurück erobert hatte, dann sagt diese Kassiererin also: Hier bitte nicht mehr anstellen.

Was?

Und rennt weiter.

(filed under: Nur mal kurz die Welt retten meets Bück dich hoch.)

Gesammelter Scheiß, Folge 7

Sich aufmachen, Murphys Gesetz zu beweisen. Mit Aprilwetter. Karfreitag, zum Beispiel, ein gemachter Tag für Stubenhocker, eine Einladung aus dem Familienkreis, man sitzt viel und redet, auch wirr, man isst und trinkt, auch viel, und vergnügt sich, vor allem auch drinnen, und draußen scheint die Sonne, obwohl das am vorigen Tag noch meteorologisch verneint wurde. Aber es ist April. Ähnliches gilt für den Ostersonntag: Man hängt ab, drinnen, weil man noch Sachen zu erledigen hat, während draußen die Sonne scheint, eine Tatsache, die laut Wetterbericht noch vor Tagen im Bereich des Unmöglichen lag, Regenwahrscheinlichkeit 97%. Aber es ist April. Nur am Samstag, diesem ungeliebten Tag dazwischen, an dem man natürlich eine Verabredung im Draußen hatte, die Teilnahme an einem Osterturnier, sechs, sieben, acht Spiele rund um den Ball (Fußball natürlich), von morgens bis abends, nur an diesem Samstag, an dem man wirklich ruhiges Wetter brauchte, schneite, stürmte, hagelte es, so dass man durchnässt und durchwindet funktionsbekleidet am Spielfeldrand herum stehen durfte und statt Spaß und Spannung die eigene miese Laune ertragen musste. Aber es ist April, man kann nichts anderes erwarten.

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Ligagott, gut zu wissen.

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Aufm Platz stehen und über Goethe reden, Osterspaziergang natürlich.
Man hört sich sagen, dass es hier weder um Tod, noch um Gladiolen ginge.
Der R. kann damit nichts anfangen. Der R. lässt sich auch nicht von Tatsachen verwirren, seine Meinung steht fest.
Und man stellt fest, dass man zwar über Goethe reden kann, aber nicht schlagfertig ist.

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face ohne book

(Auch ich bin Urheber.)

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In dem Internet. Auf dem Internet. Mit dem Internet. Durch das Internet. Unter dem Internet. Mittendrin im Internet. Wo ist eigentlich die Mitte des Internets? Gibt es einen Anfang? Wo ist das Ende? Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei?

Irgendwo hörte ich Osteransprachen aller Konfessionen, die das Internet irgendwie doof fanden. Rechtsfreier Raum, totale Anonymität, man konzentriert sich nicht mehr auf das Wesentliche, so. Ist das Internet ein Raum? Abgeschlossen? Man macht die Tür auf, tritt ein und denkt: Boah, rechtsfrei. Fuck off, Kinderstube, hier bin ich Assi, hier darf ich es sein. So stellt man sich das wohl vor. Für mich hört sich das an, als fehlte dem Ding „Internet“ die Griffigkeit, man kann es nicht anfassen, es ist einfach, Menschen nutzen es und plötzlich interagieren die, auch wenn sie sich nicht kennen. Natürlich macht das misstrauisch. Oder doch nicht?

Internet ist Alltag, wie Straßenbahn fahren. So ist das doch.

Weniger Fraß

Beim Essen verhalten wir uns wie die drei berühmten buddhistischen Affen, die nichts Schlechtes sehen, nichts Schlechtes hören und nichts Schlechtes sagen wollen; nur dass wir nicht weise sind. Denn wir sehen nicht, dass wir uns von Ramsch ernähren. Wir wollen nicht hören, welcher Dreck in unserer Nahrung steckt. Und wir sagen nichts, weder anklagend noch selbstkritisch, wenn wir uns von der Nahrungsmittelindustrie mit falschen Versprechungen in die Falle locken lassen.

Die Ernährung der Deutschen – Schluss mit der Geschmacklosigkeit! (FAZ)

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Der Begriff „schnittfestes Wasser“ ließ mich zuerst an Eis denken. Ich wurde eines Besseren belehrt: Das ist kein Eis, sondern Zeugs. Sollte gesunde Ernährung tatsächlich aus texturiertem Weizenprotein, das „fleischähnliche Konsistenz“ aufweist, gefärbt mit Rote-Beete-Saft und Paprikaextrakt, das dem Produkt eine „fleischähnliche Farbe“ verleiht, bestehen[q]? Denken die Erfinder solcher Nahrung beim Erfinden: „Mmhh, yammi“?

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Du hast keine Ahnung und isst es trotzdem?

Symbolbild

Weder der Siebenjährige noch der Zehnjährige kennen Joachim Gauck oder Otto Rehagel, dafür aber Darth Vader, den Vater von diesem Dingens. Luke. Hier schon unbewaffnet. Machen wir was daraus.

Metasierchen

Schreiben, wie man immer schreiben wollte.

Wie man daran denkt, wenn man aus dem Fenster sieht, in die kalte, sternenklare Nacht. Aus dem Nebenhaus ziehen Rauchschwaden ins kalte Mondlicht, man ist kurz versucht, die Feuerwehr zu rufen oder laut „Feurio!“ zu rufen, aber man lässt es, Minus zwanzig Grad und warme, feuchtigkeitsgeschwängerte Luft ergeben eben dieses Kondensat. So auch beim Atmen.

Dort brennt nichts an.

Was für einen Scheiß man denkt, wenn man mal denkt und sie fahren lässt, die Gedanken, nicht die Winde. Überhaupt, Winde. Der viel zu leicht bekleidete Bauarbeiter, kürzlich in der Bahn, die überraschenderweise fuhr, obwohl draußen die Jahrhundertkälte in den Schienen knackte, an ihnen fraß, der leichtgekleidete, unrasierte Bauarbeiter, der Kaffee aus einem Plastikbecher schlürfte und einen fahren ließ, der erheblich roch, nein, erheblich stank und wie er dann schaute, ganz unschuldig, unbeteiligt und sich dem Sportteil eines Boulevardblättchens widmete, in dem wieder irgendetwas über die Bayern stand, das keinen interessierte, nicht einmal eingefleischte Bayernfans. FC Bayern, Sie wissen schon.

So sind also die Assoziationsketten. Ich schreibe das hier nur mal kurz auf, für den Herrn Büffelkack, den anonymen Spaminator, ein Schatten aus vergangener Zeit? Ein Insider aus fast acht Jahren Blogosphäre.

Aus dem Nebenhaus entweicht immer noch Kondensat, verpufft irgendwo zwischen Dach, Sternen und Mond, wie ein paar Ideen, für die man keine Zeit hat, die man auf später verschiebt und dann vergisst, weil man keine Zeit hat, sich ständig daran zu erinnern, aber das sind nur Ausreden. Wenn ich mal, dann mach ich das. Ein Fußball-Feuilleton, zum Beispiel. Ich schrieb einst eines, als ich mit dem Hund spazierte.

Drauß geworden ist nur Kondensat, verpufft in kalter Nacht. Leider.