Schreiben?

Früher war alles. Vielleicht auch besser. Früher habe ich mal geschrieben. Und im Prinzip ist das ganz einfach: Textfile erstellen, schreiben, fertig. Oder: Notizblock zücken, Stift schwingen, fertig. Easy. Doch was kommt dabei heraus? Was bewegt es? Bewegt es überhaupt etwas, außer ein paar Fingern, den Augen und drei Millionen Gehirnwindungen? Ist es am Ende nur ein Gehirnfurz, ein leises, laues, stinkendes Lüftchen, das untergeht im Proteststurm der laut vor sich hin Schreienden?

Ich kann Twitter im Moment nicht ertragen. Fast so schlimm wie Facebook. Alle wissen was. Natürlich nur so ein bisschen von allem, aber immerhin genug, um wenig Platz für alles andere zu lassen. Checkste nich wa? Flüchtlinge sind die schlimmste Bedrohung seit immer! Du bist ein Nazi! Und du ein verachtenswerter Gutmensch, der die Augen vor dem Weltuntergang verschließt! Siehst du denn nicht die Streifen am Himmel, die alles und jeden manipulierenden Chemtrails, von Putinobamamerkelsweltuntergangsregierung? Und so weiter. Und alles mit Ausrufezeichen! Schreien! Laut!

Womöglich bin ich auch ungerecht. Aber so ist die Lage, wenn ich mein Notebook täglich aufklappe und lieber in den Tiefen eines Free-to-play-Strategiespiels versinke, als mich mit der großen weiten Welt zu beschäftigen. Es ist ja nicht so, dass ich keine Meinung habe. Doch wie soll sie die Welt besser machen? So vermessen kann ich gar nicht sein.

Minimalismus heißt meine Religion. Einen Gott habe ich allerdings nicht.

War was? – 10.11.15

Diagnosen. Ich hätte lieber im Lotto gewonnen, als eine Mykobakteriose aus dem Lostopf zu ziehen. Aber gut, man kann es sich oft nicht aussuchen.

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In meinem Kopf gibt es einen imaginären Zeitstrahl, auf dem alle meine Krankheitstage der letzten 18 Monate markiert sind. Es sind sehr viele, ein dickes Brett, wenn man so will, das erst einmal verdaut werden muss. Ich habe gelernt, dass es ziemlich ungesund ist, sehr lange krank zu sein. Man wird ängstlich. Inzwischen bin ich ein Angsthase. Situationen, Begegnungen, Diskussionen, Gefühle, alles Dinge, die ich mal mehr oder weniger gut im Griff hatte, können zu kaum zu bewältigenden Alpengipfeln mutieren. Mindestens, wenn nicht sogar Himalaja. Ein übervoller Supermarkt am verkaufsoffenen Sonntag, der nur aufgesucht werden muss, um Kleinigkeiten zu erledigen? Nein, danke. Ich muss weg. Eine Diskussion zu einem kontroversen Thema, bei dem meine Meinung in der Minderheit ist? Zittrige Hände, Schweißausbrüche, halbe Stunde auf dem Klo einschließen. Wieder versuchen, einem geregelten Büroalltag nachzugehen? Ihr findet mich in einer abgelegenen, dunklen Ecke, auf den Feierabend wartend.

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Und sie? Sie schaut mich an und muss nichts sagen, denn sie weiß genau, wie sich das anfühlt.

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Wenn Liebe und Freundschaft ein Netz bilden und man nicht ganz so tief fällt.

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Lieblingsbild:

playing with the kids

 

War was? – 14.10.2015

Echte Nerds vergrößern stündlich ihr Inselwissen, indem sie sich durch hunderte youtube-Beiträge zum Lieblingsthema graben. Und dabei ihre Umwelt vergessen.

Oder sie fragen ihre Nerd-Söhne.

„Papa, um clay zu bekommen, musst du cobblestone herstellen. Das machst du, in dem du dirt siebst und darin Steinbrocken findest. Aus vier Steinbrocken machst du einen Block cobblestone. Den musst du mit einem Hammer zu Kies, dann zu Sand, dann zu Staub machen. Den dust packst du dann in ein barrel mit Wasser und schon hast du clay. Aus drei clay kannst du einen bucket machen, den packst du in den Ofen und schon kannst du Wasser transportieren.“

Minecraft. Skyfactory. Wahnsinn.

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Yo.

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Ich lese die BILD auch ohne Adblocker nicht.

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Die Straße entlang. War das von Borchert oder eher etwas von Tolkien? Borchert drückte mir mein Deutschlehrer auf, am Ende hatte ich ein Gefühl dafür, was Depressionen sein könnten. Dann las ich Tolkien. Und zwar alles, was es in deutscher Sprache dazu gibt. Siehe oben: Nerd. Das Silmarillion musste ich mindestens fünf Mal lesen, bevor ich verstand, was Tolkien von mir wollte. Borchert lehnte ich schon nach drei Sätzen ab. Warum das so ist? Geschmackssache. Verständnis. Die Verdrahtung im Hirn. Ich mag auch Kafka, Benn und Bukowski. Untergangsliteratur, immer so ein bisschen verstörend. Ich habe mal meiner Frau vorgeworfen, dass ich mich nicht mit ihr über Kafka unterhalten könne, was mich intellektuell unbefriedigt hinterlasse. Blödsinn. Ich will das auch gar nicht. Ich will nur lesen und mich dann darin suhlen. Ganz für mich alleine. Reden ist Silber, sich einsam in Literatur suhlen Gold. Man muss Meinungen auch mal ignorieren können. Vielleicht habe ich deswegen das Literarische Quartett nie verstanden. Und irgendein Feuilleton sowieso nicht. Eventuell bin ich auch einfach nur ignorant. Das sind so die Gedanken, die ich habe. Wenn ich mit dem Hund die Straße entlang gehe. Ein wenig Meditation.

War was? – 07.10.2015

Ich rege mich zunehmend über Dinge auf, so dass ich kurz überlegt habe, mir regelmäßig einen ordentlichen Schluck aus einer Flasche Baldrian, die man mir mal zum Scherz schenkte, zu nehmen. Ich rege mich zum Beispiel, innerlich, über Menschen auf, die selbstverständlich „der Blog“ sagen, statt „das Blog“. Sicherlich ist das unnötig, aber eine innere Stimme sagt mir, dass dies vielleicht nur der Anfang sei.

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Ich habe mir vorgenommen, dass ich jedes Mal, wenn mir ein besorgter Bürger seine einseitig mit Halbwahrheiten unterfütterteten Sorgen an die Backe labert, zu fragen, wovor sie oder er eigentlich Angst hat. Nicht dass ich glaube, besorgten Bürgern damit ihre Sorgen zu nehmen, sie quasi zu entsorgen, aber womöglich pflanzt es einen… Ach nee. Ich will nur trollen.

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Woran ich meinen eigenen mentalen Verfall erkenne? Dieses Safe-Harbor-Dingens, es wäre früher nicht so mir-nichts-dir-nichts an mir vorbeigerauscht, ohne auch nur das geringste Gefühl von „Aha!“ auszulösen.

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Überlebenstechniken in der Minecraft-Welt lernen. Dabei Tipps der Jungs mit Youtube-Videos verknüpfen. How to survive and thrive in minecraft.

War was? – 02.10.2015

Fritz-Box ist, wenn dein Smartphone dir sagt, dass dein Festnetz-Telefon klingelt. Sie kennen doch noch diese Festnetz-Telefonie, oder? Aber rufen Sie mich bloß nicht an, ich schreibe lieber.

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„Guten Tag, darf ich bei Ihnen einen Minecraft-PE-Server für bis zu zehn Personen hosten? Das wäre wirklich nett.“

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Es ist nicht immer alles so schlecht, wie es sich anfühlt.

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Wie können Sie ein Leben ohne Passwortmanager führen?

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Der beste Podcast, den ich jemals gehört habe: Wrint – Sven Menckes Kopfsache.

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Ich sollte mich öfter physiotherapieren lassen. Wie angenehm schmerzhaft so eine Massage sein kann. Hui.

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Was, wenn ich nur noch in Tweet-Länge bloggen kann? Sollte ich dann lieber twittern?

War was? – 01.10.2015

Mal wieder der Arbeit nachgehen, vielleicht hilft es ja.

Am Morgen schon ins Fettnäpfchen treten, Splitter im Fuß, Fritz-Box mit dem Arbeitsrechner (Baujahr vor rund tausend Jahren) abschießen, sich generell nicht so super fühlen, wobei man sich fragt, warum das so ist, jeden verdammten Tag, seit vier Monaten. Und die Monate davor. Vielleicht seit Jahren?

Die morgendliche Runde mit den Kids, nach Hause kommen, etwas frühstücken, die Fritz-Box reparieren, den Fuß, den Mail-Eingang checken, es geht ja doch vorwärts. Und mir selbst nicht schlechter. Besser ist das.

Ich wünsche mich in ein Bootcamp, wo man mich mal so richtig auf Vordermann bringt, gleichzeitig aber nichts erwartet. Es sind ja die Erwartungen, die aus den Gesichtern deiner Mitmenschen sprechen, die man womöglich nicht erfüllen kann. Vielleicht ist das aber auch eine Fehlinterpretation.

Das Gefühl, vergessen zu haben, was Spaß ist. Das Gefühl, Spaß sei etwas, dass nur andere haben können.

Minecraft spielen. Allein schon wegen des Soundtracks.

War was? – 22.09.2015

Krank zu Hause. Ich kenne das schon. Im letzten Jahr spielte ich Hausmann, bis man mir die Nasennebenhöhlen mit widerwärtigen Instrumenten bearbeitete und ich endlich wieder Luft bekam. Nach ungefähr vier Monaten. In diesem Jahr suchte sich der alternde Körper eine hartnäckige Pneumokokken-Infektion aus, um meinen Geist zu quälen. Und den Geist anderer. Als wäre 2015 nicht schon Scheiße genug gewesen.

Und so überstehe ich etwas, das Bronchoskopie heißt, lerne ein weiteres Krankenhaus kennen und Menschen, die darin arbeiten müssen und dürfen, nehme brav meine Tabletten, Sprays, Inhalate, verfluche jede einzelne Zigarette, die ich in diesem Leben geraucht habe, so wie wahrscheinlich jeder irgendwann irgendeinen Exzess verfluchen wird, nämlich in dem Moment, in dem der Körper sich dagegen so heftig wehrt, dass man es nicht mehr ignorieren kann.

Und ich plane einen Verteidigungsstrategie, hecke einen Plan aus, wie ich diesen scheinbar anfälligen Körper mit einen gesunden Geist überrumpeln werde, auf das sein Immunsystem nicht ständig anfängt zu weinen, sobald irgendein unangenehmes Tierchen unangemeldet durch die Tür kommt und für Rabatz sorgen möchte. Fuck you.

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Lost in music.

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Festgestellt, dass #Kind1 nicht nur fast so (gut) aussieht wie ich, sondern dass er auch die Nerdigkeit, mit der ich an Dinge, die mich wirklich interessieren, behandle, von mir geerbt hat. Dieses exzessive Alles-wissen-wollen, sich einhundertzwanzigprozentig mit einer Sache identifizieren, alles lesen, sehen, suchen müssen. Sollten Sie einen Frage zu Fifa 16 haben, schreiben Sie mir einfach eine Mail oder über Twitter: #Kind1 weiß dazu alles.

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Status 2015: Vierzehn Kilo abgenommen. Nun ist aber auch gut.