Sätze ungeahnter Schönheit

Antonio di Natale ist eine etwas kleinere und etwas bulligere Version des listigsten aller Strafraumschleicher, Filippo Inzaghi – jene Verkörperung des unverwechselbar italienischen Typs von Angreifer, der scheinbar lustlos an irgendeiner Strafraumecke herumzulungern schien, als sei er gar nicht am Spiel, nur an seiner frisierten Vespa und den vorbeischlendernden Mädchen interessiert; der auf diese Weise die Verteidiger in falscher Sicherheit wog und dann plötzlich zuschlug.

Eichlers Eurogoals – Aktive Altenpflege am Ball

Otscho und die Aktion Libero

Es werden allerdings sehr leichtfertig Beleidigungen gerufen, die vielleicht nicht beleidigend gemeint sind – aber so ankommen. Ich glaube, dass der Großteil der Fans in diesem Punkt unreflektiert oder auch unsicher ist, sich gar keine Gedanken darüber macht. Ich habe zumindest die Hoffnung, dass dahinter bei den meisten Fans gar keine wirkliche Intoleranz steckt, sondern dass viele Menschen damit eben nur sehr lax umgehen. Man ruft einfach „schwule Sau“ oder Ähnliches, ohne sich Gedanken zu machen. Weil andere es eben auch rufen. [Link]

31.03.1993, Olympiastadion Berlin. Zum ersten Mal betrat ich als unerfahrener Jüngling ein Fußballstadion, das man als solches auch bezeichnen kann. Es spielten die Hertha-Amateure gegen den Chemnitzer FC im Halbfinale des DFB-Pokals, eine großartige Sensation, über fünfzigtausend Menschen, sicher eine gute Kulisse für den Einstieg in ein Leben mit dem Phänomen „Fußball“.

An das Spiel selbst kann ich mich leider nicht mehr erinnern, es war ein 2:1 Sieg für die Amateure, Wikipedia half meiner Erinnerung auf die Sprünge. Erinnern kann ich mich aber immer noch viel zu deutlich an die Affenlaute, mit denen ein afrikanischer Spieler des Chemnitzer FC im ausverkauften Olympiastadion begrüßt wurde, an dieses dumpfe Gefühl in der Magengegend, das mit dieser Erinnerung verbunden ist. Das dumpfe Gefühl des Unverständnisses und der aufsteigenden Wut gegenüber der Ablehnung eines Menschen, der als anders wahrgenommen und deshalb von einer viel zu deutlich hörbaren Masse ausgegrenzt wurde, das Gefühl, das hier etwas verdammt schief lief. Ich nehme an, der Spieler war Ojokojo Torunarigha aus Nigeria, der 1995 in einem Interview sagte, Beschimpfungen wie „Bananenfresser! Buschmann! Negerschwein!“ gehörten zum Fußball.

Von einem Fußballspiel, das sicher auch ein besonderes Erlebnis war, bleibt mir ein tiefes Grollen im Gedächtnis, das verdammt schlechte Gefühl, das Alltagsrassismus, die kleinen und großen Ausgrenzungen auch vor Fußballstadien keinen Halt machen.

Rassismus, Ungleichbehandlung, Homophobie, die Angst, anders zu sein, als andere. Das sind Dinge, die keinen Platz in unserer Gesellschaft eingeräumt bekommen dürfen, Dinge, über die man nachdenken, reden, schreiben soll und das möglichst nicht im stillen Kämmerlein, nein, am besten ganz laut, hier, dort und überall.

Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Die Aktion Libero – Sportblogs gegen Homophobie im Fußball schweigt nicht und ist deshalb unbedingt unterstützenswert.

Daily linkliste 14.11.2011

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.

Daily linkliste 07.11.2011

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.

Daily linkliste 11/04/2011

The rest of my favorite links are here.

Daily linkliste 26.10.2011

  • Glück – manchmal ziemlich einfach (auf Holz klopfen) | Das Nuf Advanced
    „Haltet gelegentlich einen Moment inne und fragt Euch, ob es gerade jetzt nicht mindestens einen Grund gibt, sich gut zu fühlen und Glück zu empfinden.“
  • Fussball Kultur: Der Kreisel
    Der tödliche Pass: „Im Camp Nou hört man auch manchmal ein spezielles, sanftes Raunen. Eine Mischung aus verzaubertem Staunen und neidvoller Ungläubigkeit. Ein Kennzeichen, dem nun etwas Größeres folgt. Die Geräusche werden lauter und bestimmender. Sie nähern sich dem vermeintlichen Ziel. Es ereignet sich ein Prozess der universalen Integration, der sich auf immer höheren Ebenen bewegt, der uns selbst in seinen Verlauf aufnimmt und Teil davon werden lässt, bis schließlich der Höhepunkt des Torerfolgs auf der Ebene der Ekstase vorerst erreicht ist.“
  • Fernglas FCB: Abgelehnt!
    „Wenn es nicht ganz so auffällig sensationslüstern gewesen wäre, hätte die Regie vermutlich durchgehend das Treiben im Gästeblock übertragen, so allerdings war man gezwungen sich doch noch hin und wieder auf den Platz und das Spielgeschehen zu konzentrieren. Übrigens: schönes Tor von Götze!“
  • internet vs. datenschutz – wirres.net, fachblog für irrelevanz
    „ich weiss dass ich nichts weiss und was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.“