War was in 2017?

Alles nur in meinem Kopf.

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Entferne nun Spinnweben und Staubflusen aus Bloggebilden, update auf neueste Versionen und spitze die Stifte an.

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Manches wird man nie los. Deshalb old school tageblog, oder wat?

Am Meer

Lag am Meer, mitten im Sand. Vor allem mittags, wenn der Sand sehr heiß wurde. Das war, als hätte mir jemand einen Sack heiße Steine auf den Rücken gepackt. Sehr schön. Danach im Meer kurz abkühlen, wieder hinlegen.

Mit den Jungs zum Kind geworden. Yeah!

Laufen, fast bei Sonnenaufgang. Immer weniger schnaufend neue Kilometerrekorde aufgestellt. Letztes Jahr konnte ich nach 500 Metern Spaziergang kaum noch atmen und wollte sterben. Dieses Jahr sage ich nach sieben Kilometern lockerem Laufen: Darfs ein bisschen mehr sein? Geiles Gefühl, die Depression ärgert sich.

Die Liebe verstehe ich immer noch nicht. Und niemand kann sie mir erklären.

Angefangen, aus welchem idiotischen Grund auch immer, „Grey“ zu lesen. Jemand hat es mir auf den Kindle gepackt. Schrecklich. Handwerklich und inhaltlich. Und ich meine damit nicht, dass ich Dominanz und sadomasochistische Beziehungen ablehne. Aber dieses Buch trieft nur so vor Klischees und schlechter Schreibe, ein Wunder, dass ich es überhaupt bis zur Hälfte geschafft habe. Selten so viel Zeit mit Müll verschwendet. Später wieder zu Bukowski gegriffen und mich sehr erleichtert gefühlt.

Einem Freund über die Schulter geschaut, während er eine Dating-App bediente. Schlimm. Diese Abgründe. Ich würde sterben, in dieser Welt. Natürlich, es ist nicht alles schlecht und für viele bedeuten Parship und Co. sicherlich auch Hoffnung, aber diese Abgründe, die sich beim Betrachten des Tuns der Menschen im virtuellen Weltall auftaten. Nichts für romantiker wie mich. Aber was weiß ich schon von der Liebe.

Ich sollte wieder mehr schreiben. Ist doch egal, wer es liest. Hauptsache, es ist raus aus dem Kopf.

Love you. And you.

Selbstbild als verwirrter Streuner.

Der Hund neben mir, wir laufen um den See, in der Ferne Kräne, Baumaschinen rattern, tuckern, fauchen, Autos rasen über die Brücke, der stetige Strom gestresster Pendler: Morgens rein, abends wieder raus. Und wir bleiben drin.

„Hey!“ sagte ich, als ich neben dir an der Straßenbahnhaltestelle stand und dich bemerkte. Du hast mich nur komisch angeschaut. Ich kenne dich, sagte ich noch und wurde ein bisschen rot dabei. War es nicht in 2010 oder so, als wir uns zum letzten Mal gesehen haben? Waren wir nicht zusammen unterwegs, hatten gelacht, getrunken, geraucht, melancholisch von der Brücke über die Stadt geschaut und dabei nicht gewusst, was wir mit uns anfangen sollten? Das waren doch du und ich? Stimmt, sagtest du. Mit diesem, deinem Lächeln.

Eigentlich wussten wir nie etwas mit uns anzufangen. Wer bist du eigentlich, hatte ich dich einmal gefragt. Und du hast nur geschmunzelt. Wer sind wir? Wer waren wir? Zwei Ahnungslose mit viel Phantasie.

Keine Ahnung was du hier machst. Weißt du es? Ach ja, die Verwandschaft besuchen. Sechs Jahre Provinz und keine Zeit für irgendwas. Magst du das Leben in der Kleinstadt? Nein, sagtest du. Aber eigentlich ist es mir auch egal. Ich bin hier, du dort, ab und zu schreibe ich dir, du antwortest sporadisch. Ich vermisse dich.

Es gab einen Punkt, an dem ich dachte, eine Seelenverwandte gefunden zu haben, jemand, der mit mir gemeinsam meine Welle reiten kann. Vielleicht zu metaphorisch. Sollte auch alles gar nicht sein. Jeder für sich, wir beide, fest verankert im Leben, jeder in einem anderen Hafen, verschiedene Ausblicke, gleiche Interessen. Du hast nicht einmal mein Herz berührt, nur meinen Bauch, ein wunderbares Gefühl, ohne Frage, aber nichts Ganzes, nur Halbes.

„Gut siehst du aus.“ sagte ich und du schautest mich fragend an. Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Es gibt nichts mehr, woran man anknüpfen könnte. Keine Gemeinsamkeiten, keine Leidenschaft, keine Träume, keine Visionen, nichts. Ich sah es in deinen Augen, die traurig schauten, tiefblaues Meer, mit Tränen gefüllt.

Das Schöne bleibt nur in der Erinnerung schön. Träume werden nie ganz wahr und Visionen schon gar nicht.

„Ciao, meine Liebe. Bleib wie du bist.“

 

Ja, aber

Einiges wurde gut. Aber.

Der Hund zieht an der Leine, keine Ahnung, warum der es so eilig hat. Dunkle Wolken verschwinden Richtung Süden, in meiner rechten Hand eine kleine linke, ein Mädchen an meiner Seite, fast fünf Jahre, plappert viel, will alles wissen. Meine Tochter.

Klingt gut. Aber.

Der Tag war gut, würde nicht hinter jeder Ecke dieses Aber warten, mir schwuppdiwupp einen Sack über den Kopf ziehen – als wüsste ich nicht, welcher Dämon mich da gerade überrumpelt – und mich entführen. Irgendwohin. Ins Dunkle. In die Kälte. Ins Ungewisse. In die Hölle.

Keine Ahnung, wie sich die Hölle anfühlt. Hab mal in Dantes Inferno gelesen, es dann aber sein gelassen. War mir zu kompliziert. Ich mag Menschen, die sich von Komplexität nicht abschrecken lassen, selbst halte ich es gerne etwas einfacher. Ist das vielleicht das Problem?

Die Dinge sind einfach nicht einfach. Ganz allgemein gesehen. Alles fängt immer ganz harmlos an. Selbst eine Lawine. Erst hat man einen Schnupfen, dann geht er nicht weg, dann plagt man sich drei Monate mit Fieber und Medikamenten, dann wird man operiert, dann ist es immer noch nicht vorbei und man frisst ein paar Jahre bunte Pillen.

Denn es gibt ein Aber.

Und während man so dahin glitt, durch grauen Alltag und Krankheit, ging etwas verloren: Erst du, dann ich. Oder andersherum. Wer weiß das schon. Und während man also monatelang mit sich selbst und dem Alltag rang, ist man aus Versehen falsch abgebogen, in eine Sackgasse.

Bedrückend. Oder vielleicht auch nicht. Nichts zu wissen, nur zu erahnen, das ist es, was runterreißt.

Ich gehe über die Brücke, darunter Spree, Sonne scheint, blauer Himmel, hinter mir der Hauptbahnhof, rechts der Potsdamer Platz, Bundestag, Bundeskanzleramt, auf den Ohren irgendetwas altes von Gabriel & Dresden, über die Wangen laufen Tränen und ich kann nicht einmal mehr sagen, warum.

 

 

Schreiben?

Früher war alles. Vielleicht auch besser. Früher habe ich mal geschrieben. Und im Prinzip ist das ganz einfach: Textfile erstellen, schreiben, fertig. Oder: Notizblock zücken, Stift schwingen, fertig. Easy. Doch was kommt dabei heraus? Was bewegt es? Bewegt es überhaupt etwas, außer ein paar Fingern, den Augen und drei Millionen Gehirnwindungen? Ist es am Ende nur ein Gehirnfurz, ein leises, laues, stinkendes Lüftchen, das untergeht im Proteststurm der laut vor sich hin Schreienden?

Ich kann Twitter im Moment nicht ertragen. Fast so schlimm wie Facebook. Alle wissen was. Natürlich nur so ein bisschen von allem, aber immerhin genug, um wenig Platz für alles andere zu lassen. Checkste nich wa? Flüchtlinge sind die schlimmste Bedrohung seit immer! Du bist ein Nazi! Und du ein verachtenswerter Gutmensch, der die Augen vor dem Weltuntergang verschließt! Siehst du denn nicht die Streifen am Himmel, die alles und jeden manipulierenden Chemtrails, von Putinobamamerkelsweltuntergangsregierung? Und so weiter. Und alles mit Ausrufezeichen! Schreien! Laut!

Womöglich bin ich auch ungerecht. Aber so ist die Lage, wenn ich mein Notebook täglich aufklappe und lieber in den Tiefen eines Free-to-play-Strategiespiels versinke, als mich mit der großen weiten Welt zu beschäftigen. Es ist ja nicht so, dass ich keine Meinung habe. Doch wie soll sie die Welt besser machen? So vermessen kann ich gar nicht sein.

Minimalismus heißt meine Religion. Einen Gott habe ich allerdings nicht.

War was? – 07.07.2015

Im Traum kann ich programmieren. Keine Ahnung, in welcher Sprache ich Programme schreibe, sie funktionieren ganz einfach.

Heute Nacht habe ich ein wordpress-plugin geschrieben, das über einen zeitlich eingrenzbaren Zeitraum alle likes, shares, bookmarks, Orte, Bilder und Textschnipsel, die ich mir ab und zu aufschreibe, einsammelt und zu einem einzigen Beitrag zusammenfasst. Das Format und die Reihenfolge der einzelnen Elemente sind natürlich frei einstellbar, auch die Dienste, die das plugin abgrast, sowie die Daten, die es überhaupt verarbeiten soll.

Und so gibt es an jedem Abend eine automatische Zusammenfassung des Gelesenen, Gemochten und Gedachten, ohne das man es noch einmal anfassen und zusammenklöppeln muss. Voll einfach.

(Wahrscheinlich habe ich zu viel vom Indiewebdingens und so gelesen.)

Wir lesen und lesen und lesen

Wir lesen und lesen und lesen

[…] das, was wir meinen wenn wir „Buch“ sagen, nämlich die Langform eines Textes, das wird bestehen bleiben. Mehr noch: Alles deutet darauf hin, dass die Digitalisierung das Lesen drastisch befördert. 95% des Web sind Text. Wir lesen und lesen und lesen. Und das Kindle ist erst seit 2007 auf dem Markt. Es hat gerade erst angefangen spannend zu werden …

Seit Jahren plagt mich das schlechte Gewissen, weil ich, im Vergleich zu Vordigitalisierungszeiten, weitaus weniger Bücher lese. Das schlechte Gewissen kommt allerdings aus eben dieser vergangenen Zeit, ist ein Überbleibsel des Glaubens, dass Wissen und Erfahrung nur durch viele Blätter zwischen zwei Buchdeckeln verbreitet werden können. Wenn ich mir allerdings den Newsreader meiner Wahl, die vielen Links in den sozialen Netzen und den vollen Speicher noch ungelesener langer Texte so anschaue, sollte sich mein schlechtes Gewissen etwas schämen. Denn es ist immer noch so: Ich lese und lese und lese.

Nix zu schreiben

Ich will etwas aufschreiben, in dieser Art, wie damals, einfach kommen lassen. Das Notebook fährt hoch, ein paar Lämpchen flackern, anmelden, leeres Dokument öffnen, warten. Mach mir ein Bier auf, klimper ein bisschen auf den Tasten rum, warte. Kommt nichts. Ich gehe raus, zünde mir eine Zigarette an, ja, zünde mir eine an, stolze viereinhalb Jahre konnte ich ohne leben, aber die Erste schmeckte wie die Letzte: Gut.

Das ist natürlich Irrsinn, dieser Dreck schmeckt weder gut, noch tut er es. Aber es war so einfach. Kippen holen, aufreißen, Feuerzeug kaufen, weil man sowas nie mehr dabei haben wollte. Daran erkennst du die Verzweifelten: Kaufen sich Kippen mit Feuerzeug. Weil sie nicht damit gerechnet haben.

Über dem Haus sieht man ein paar Sterne. Nicht viele, Großstadthimmel eben, viel Licht, das den Himmel erhellt, macht den Blick in die Vergangenheit nicht leicht. Es ist kalt, sagt mein Körper, Zähne klappern, vielleicht ist es auch Angst. Oder Einsamkeit. Oder. Wir haben nicht einmal mehr Aschenbecher. Wir. Wir?

Das Notebook ist leise, kein Lüfter surrt, kein Hintergrundgeräusch, ab und zu knackt es im Gebälk über mir, Kinder bewegen sich in ihren Betten. Die Kinder. Das Dokument ist immer noch leer, ein paar Zeilen aufgeschrieben, gelöscht, geschrieben, gelöscht, alles Müll. Was soll das auch? Katzenjammer? Selbstmitleid? Wie ich mal erwachsen wurde und mir wünschte, wieder Kind zu sein?

Ach, nöö. Noch ein Bier auf, Bukowski lesen. Trinkerliteratur. Oder? Oder? Ich mach mir dieses Lied an, von dem Koletzki, sie hatte danach gesucht, konnte sich aber nicht daran erinnern, wie es hieß und wer er es sang. Ich wusste das natürlich, obwohl ich jahrelang deutsche Musik schrecklich fand, aber es ist nunmal unsere Sprache, man versteht, was die wollen und es ist weniger anstrengend, als, sagen wir mal, Coldplay. Oder Rihanna.

Karambolage, also. Klingt alles vollkommen logisch, schlüssig, insgesamt, und überhaupt: Wie viele Chancen kann ein Mensch verpassen? Schreib dir das ins Gebetbuch, mein Junge. Frag dich das jeden Tag. Ich muss ein wenig schmunzeln. Ich habe ihr mal AnnenMayKantereit vorgespielt, fand sie nicht gut, weil der Sänger irgendwie besoffen klingt. Ja, aber. Sind wir das nicht auch gerade? Irgendwie besoffen?

Ich finde nichts zum Schreiben, Kopf ist ausgesaugt, wenig neue Bilder drin, alles alter Krempel. Der Moment, an dem man nichts mehr weiß. Gehste eben wieder raus, eine Zigarette rauchen. Die nächste, nicht die letzte. Draußen rauscht es so schön, die Straßen, die Stadt, vielleicht hat jemand seine Fenster noch auf, vielleicht lacht irgendwo irgendjemand, eine Frauenstimme vielleicht, zaubert mir womöglich ein Lächeln ins Gesicht. Ungewohnt.

Dings, hier, Leben

Irgendwann sind alle Tränen geweint. Oder doch nicht. Um sieben Uhr abends ist es immer noch erdrückend dunkel und man hofft, dass es besser wird, wenn die Sonne länger scheint.

Man tut Dinge, von denen man glaubt, dass sie einem gut tun. Machen sie aber nicht.

Hank Chinaski ist immer noch ein Säufer, der auf Pferde wettet und vom Leben schreibt, wie es womöglich ist oder auch nicht.

Kaufe einen Scheibenwelt-Roman.

Breaking Bad, 4. Staffel, Folge 1, ein Typ schlitzt einem anderen Typen mit einem Teppichmesser die Kehle auf und lässt ihn vor den Augen von Walter und Jesse verbluten. Einfach so. Ganz ruhig, bedacht, ohne eine Miene zu verziehen, als hätte er gerade Brötchen geschmiert, seine Kinder zur Schule gebracht, den ersten Kaffee im Büro gekocht und die Mails gecheckt. Urghs.

Ebenso: GTA V. Man fährt da nicht ruhig durch Stadt, cruisend, Musik hörend. Man driftet durch Kurven und verfolgt irgendeine Frau, die irgendetwas hat, das irgendwer braucht, um was? Egal, macht Spaß. Man rast ihr hinterher, irgendwann ist man auf einem Flugfeld, Polizeiautos fliegen durch die Luft und explodieren, man weicht startenden und landenen Flugzeugen aus, um am Ende festzustellen, dass das Schicksal der jungen Dame eine Flugzeugturbine ist, in der sie klein gehäckselt wird. Ernsthaft?

Sag ich doch: Tut alles nicht gut.

I’m a zombie.