Kinderfußball adé

Wir schauen dem großen Kind bei einem Testspiel zu. Auf heimischem Platz, gegen Eintracht Mahlsdorf, viele lange Kerle auf dem Spielfeld, auf beiden Seiten. Der Große ist aber noch gar nicht so groß, denken wir, aber Eltern irren sich meistens, wenn es um die Größe ihrer Kinder geht: Für sie sind sie natürlich immer kleiner.

Seit sieben Jahren sehen wir uns regelmäßig Spiele an, nicht wie einige andere, Väter, Mütter, Großväter, Großmütter, mit größter Leidenschaft und Anteilnahme, bis hin zu aktiver Schiedsrichterschelte, wir versuchen es mit Zurückhaltung, Nüchternheit, bei schwereren Niederlagen tröstend, bei größeren Siegen jubelnd, letzteres leider viel zu selten. Aber so ist das vielleicht, wenn man bei einem kleinen Verein spielt.

Aber das hier ist jetzt anders. Ab diesem Jahr spielen wir in der C-Jugend, hier spielt man Fußball bekanntlich nicht mehr auf dem Kleinfeld, Großfeld ist the next big thing, mit echten Toren, nämlich den großen. Das Feld ist plötzlich doppelt so groß wie letzten Jahr, man teilt es sich jetzt mit der vollen Anzahl von einundzwanzig Mitstreitern, es gibt ein Abseits und nicht mehr die Mittellinie als Begrenzung des Abstoßes, und man spielt Systeme, die man aus dem Fernsehen kennt. Aber leider eben nur daher.

Als Zuschauer hat man das Gefühl, als wüsste hier kaum einer, was er zu tun hätte. Die Abwehr steht mal zu hoch, mal zu tief, irgendwo im Nirgendwo, in der Mitte ein riesiges Loch, obwohl angeblich zwei Sechser spielen sollten, die Stürmer sind viel zu klein und haben gegen die Abwehrhühnen, die mit dreizehn Jahren bereits mich überragen, keine Chance und im Prinzip hat hier sowieso kaum einer die Luft, achtzig Minuten am Stück über das Feld zu flitzen, wie man es bisher gewohnt war.

Willkommen im Fußball, sagte ich dem großen Kind, als es abgekämpft und müde nach der ersten Halbzeit vom Platz wankte, aber trotzdem irgendwie Spaß daran hatte, zum ersten Mal richtigen Fußball spielen zu können.

 

Das Foto, das ich nicht schoss

Ein Sportplatz dieser Stadt im Herbst, es ist kurz vor 20 Uhr, dunkel, nebelig, es nieselt leichten Nieselregen, der in jede Ritze kriecht und keinen Millimeter trocken lässt, dazu abgekühlte vier Grad,  bläulich weiß glänzendes Flutlicht, Nebel, Laub auf Rasen und Kunstrasen, hinter dem Platz liegt der Wald, der eigentlich kein Wald ist, sondern ein Park, in dem man gerne laufend seine Runden dreht.

Im Frühling wieder.

Menschen schleichen über ausgetretene Pfade, von den angeschlossenen Plätzen zu den Umkleidekabinen, in das Vereinsheim, in dem man sich mit dem Jugendleiter verbrüdert, einen Glühwein trinkt oder ein Bier und nicht mehr nach draußen möchte, in die nasse, dunkle und schwere Kälte.

Unter Maulwürfen

Ich kenne gerade mal einen, der monatlich bezahltes Bezahlfernsehen sein eigen nennt, nicht den ganzen Sender, nicht einmal einen Teil davon, eigentlich nur das Recht, ein paar Geräte anzuschalten und sich augenblicklich auf Rasen, traditionsgemäß in saftigem Grün gehalten, beamen zu können, wenn und wann er will. Aber jenen Menschen besuchten wir nicht, sondern Familie.

Man ist in der Familie grundsätzlich fußballaffin, man schaut regelmäßig das, was das öffentlich-rechtliche Fernsehen in diesem Themenbereich so abliefert und drückt sogar Daumen wenn es passt, wenn es denn passt. Fans findet man hier eher nicht so, man findet auch keinen Sachverstand der spielverlagerten Art, vielleicht sogar nicht mal den Ansatz von Kenntnis verschiedener Positionen auf dem Spielfeld oder der Abseitsregel. Dafür findet man Emotionen und davon nicht zu wenig.

Ein Beispiel: Man diskutiert am Tisch die Personalie Neuer (nein, nicht Götze). Die Diskussion wirkt, als wäre sein Wechsel von Schalke zum FC Bayern gerade erst gestern passiert, es wird Geldgier und Verrat unterstellt, seine wahren, persönlichen Gründe, die wir nun einmal nicht kennen können,  werden nicht einmal in Betracht gezogen. Überhaupt zählt hier mehr die Emotion und nicht das Argument. Die Grundstimmung vor dem Spitzenspiel BVB gegen FC Bayern ist also eher: Verwirre mich nicht mit Tatsachen, meine Meinung steht fest.

Es ist niemand anwesend, der ein legales Fußballerlebnis ermöglichen könnte, jedenfalls kein visuelles, und mein Einwand, man könne sich doch mit dem Stream von Sport1.fm begnügen, wird ignoriert, stattdessen grast man die eindlosen und dunklen Weiten des WWW nach „Alternativen“ ab, klickt massenweise Klickspam beiseite und landet bei einer Liveübertragung, die, dank unregelmäßiger Bild- und Tonausfälle, eine ordentliche Runde Stuhltanz hätte ermöglichen können und mit wunderbarer retromäßiger 8-Bit-Grafik geradezu zu brillieren wusste. Ein Erlebnis.

So wie das Spiel, jedenfalls nach dem Wenigen zu urteilen, das ich davon sehen kann. Ich lasse mich zu Äußerungen hinreißen wie beispielsweise „Der BVB hätte nach der 1. Halbzeit 2:0 führen müssen.“ und stifte Verwirrung mit dem leisen Ausruf „Schon auch irgendwie verdient.“ nach dem 1:0 durch Mario Götze. Bayernfantum wird mir dafür unterstellt, was gar nicht geht, nicht sein kann, denn die, die Bayern, die kann ja jeder mögen, die haben immer Erfolg und das ist auch gar nicht so schwer, denn sie haben schließlich das meiste Geld von allen und wahre Fans des Sports können so einen Verein gar nicht mögen. Man möchte mich steinigen, wäre da nicht der Verwandheitsgrad. Überall plötzlich BVB-Fans. Und so weiter. Oh weh.

Grund genug sich in eine abgedunkelte Ecke zu verziehen und in ein wenig in der eigenen Twitter-Timeline zu versinken, die, wenn die eigenen Filter ordentlich optimiert sind, einem die Tatsachen in die Tasche spült, die der gemeine Hater in seinem Glashäuschen nicht mehr wahrnehmen kann. Und möchte

Amen.

 

Finale mit Nüsschen

Auf hohem Niveau entscheiden Details

Auf der Couch rumlungern und kommentieren. Wir sind alle Trainer, wissen es immer besser. Und dann tut dein gesamtes Umfeld so, als wäre der BVB ein armes, kleines Vereinchen, dem der große fette Münchener ordentlich Kloppe androhte, als müsse man die schwarz-gelben Lämmer vor dem bösen Wolf retten, weil der hat ja mehr Geld als alle, alle, alle und Geld schießt bekanntlich die Tore. Nicht. Ein Mischung aus Neid und Beschützerinstinkt des sich selten für Fußball interessierenden Menschen? Am liebsten hätte ich mich in rot gekleidet, aber das steht mir leider nicht.

Und dann die erste Halbzeit. Weder Lämmer noch Wölfe auf dem Platz, dafür Anspannung auf der Couch, die Schale mit den Nüsschen leert sich zusehends, Nervosität. Ist Dortmund am Ball, Angst. Sind die Bayern am Zug, Kribbeln im Bauch. Bin ich Fan? Bin ichs nicht? Ich liebe das Spiel, ich liebe das Spiel, ich liebe das Spiel, ein Mantra für den Abend. Letztes Jahr war Krampf, dieses Jahr Kampf. Und was für einer. Wunderbare Unterhaltung, niemand sagt etwas, keiner will Nachrichten sehen, wir wollen Verlängerung, in der hundertzwanzigsten Minute ein Tor, vielleicht, kein Elfmeterschießen und keine roten Karten.

Mandzukic macht das Ding, ich springe auf. Warum? Darum. Man schaut mich an, als wäre ich Hoffenheim, das hier aber niemand kennt. Nüsschen nachfüllen. Gündogan mag ich trotzdem. Dante auch. Reus auch. Und Hummels. Und Martinez. Martinez ist für mich Superman. Ich sage das laut und niemand weiß, wen ich meine. Facepalm. Inzwischen habe ich einen Krampf in der linken Wade. Müller müllert am Tor vorbei, ist der denn verrückt geworden? Ribery, was ist mit Ribery? Wird er ausrasten, wenn Kevin ihn noch einmal ansieht? Und dann dieser humpelnde Boateng, der den langen Ball aus dem Koffer (der vorher noch in Berlin stand) packt, irgendwer macht irgendwas mit dem Ball, Robben auch, ausgerechnet Robben (sic!), man denkt an 2010, wie er an Casillas scheiterte, diesmal nicht, ich springe wieder auf, die Nüsschen fliegen durch die Gegend, alle sind enttäuscht, außer mir und dem Hund, dem alles egal ist, der Henkelpott wird angefasst, in die Luft gereckt, Männer schreien und weinen, endlich ist alles vorbei.

Und für „die anderen“ gibt es noch ein Versöhnungszitat:

Dieses Mal wird das Finale nicht der Höhepunkt vor dem Absturz sein; ganz im Gegenteil: Im Ruhrpott darf man sich gespannt auf die weitere Entwicklung einer sensationallen Mannschaft freuen. Jürgen Klopp bezeichnete diese Entwicklung unter der Woche als „das interessanteste Projekt der Welt“. Solch ein Projekt wird nicht durch ein Tor in der vorletzten Spielminute abgeschlossen. [spielverlagerung.de]

26.03.2013, #gerkaz, 4:1

Nüsschen, ich brauche Nüsschen, denn schnelles Passspiel, vor allem, weil das Wort so ungwöhnlich ungewöhnlich geschrieben wird, verursacht bei mir ein schier unstillbares Verlangen nach Nüsschen, am liebsten diese Erdnüsse zum Selberknacken, wobei die Erdnüsse gar keine Nuss ist, sondern eine Hülsenfrucht, der Name also eine Mogelpackung.

Leider verursachte mir der Bartelsche Qualitätsjournalismus (“Hätte ein Gomez oder ein Klose dort gestanden, die hätten natürlich sicherlich diese Flanke verwerten können.” etc.), der das Fußballspektakel von Nürnberg begleitete, zuerst den einen oder anderen Schluckauf, später verschluckte ich mich an einer kleinen Nuss, als ich versuchte, einen Hilfeschrei zu unterdrücken, diesen musste ich dann mit einem alkoholhaltigen Kaltgetränk herunterspülen, denn zum Fußball gehört der Bierkonsum wie die Laola.

Und wenn wir schon mal in Nürnberg sind: Liebes Publikum in Nürnberg, ihr, die ihr dort saßet um dem Spektakel zu folgen (oder nicht?), zu unterstützen und anzutreiben (macht man doch als Fan so, oder?), könntet ihr bitte, bitte, bitte, einfach mal für das nächste Mal, kurz überlegen, aus welchen Gründen ihr dies tatet? Einen Spieler eurer Mannschaft, deren Trikots ihr euch auf den Leib gezwungen (“Schwarz auf weiß” – Pocher als Torjubelhymne, auch so eine Sache), deren Nationalfahnenfarben ihr euch als groteske Perückenimitation auf den Kopf gesetzt oder ins Gesicht gepinselt habt, pfeift ihr aus, weil er einen Fehler gemacht hat?

Na ja.

Es gab auch Fußball? Klar, Kasachstan parkte den Mannschaftsbus aus Versehen im eigenen Strafraum, wobei auch das ein Stilmittel des modernen Fußball ist, immerhin wurde die Champions League 2012 in diesem Stil gewonnen, die falsche Neun holte sich beim Schönspielen eine blutige Nase (und natürlich ein Stürmertor), die echte Acht, die eigentlich ein Zehner ist, aber auch mal auf die Flügel ausweicht oder wie Bartels meinte “dieser Özil ist ja überall”, verdingte sich wie immer als Teilzeitmagier, die Vierzehn arbeitete, ist aber eben doch keine echte Sieben, noch nicht einmal ein schweinsteigerscher Doppelgänger, aber natürlich nicht schlecht, die echte Eins mit echtem Patzer und vor allem: Durch die total überspannende 2. Halbzeit hatte das Spiel einen gigantischen Unterhaltungswert, man stelle sich vor, alle Aluminiumtreffer wären im Tor gelandet, man hätte womöglich schon zur 2. Halbzeit abgeschaltet.

Na also, alles richtig gemacht. Was ihr immer alle habt.

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Man kann dort hinfahren und Berliner Sportgeschichte schnuppern. Man kann dort hinfahren und sich über die gesperrte Danziger Straße ärgern, so wie über mindestens drölfzig weitere Baustellen, denn diese Stadt besteht inzwischen nur noch aus Baustellen. Man kann dort hinfahren und ein paar Runden laufen, gemeinsam mit den anderen Marathonläufern (und solchen, die es werden wollen). Man kann dort hinfahren und froh sein, dass die Kinder sich nicht mehr in der alten Ostbaracke umziehen müssen, deren Duschen oder Toiletten man nicht einmal betreten, geschweige denn benutzen wollte. Und man kann dort hinfahren, um sich in der Sonne zu rekeln und dem eigenen Kind dabei zuzuschauen, wie seine Mannschaft den Tabellenführer besiegt. Und jubeln.

Nochmals Nachwehen – #gerswe

Oh, wie ich den bittersüßen Geschmack eines guten Espresso mit viel zu viel Zucker liebe. Bittersüß, wie Unentschieden, die eigentlich Niederlagen sind. Deswegen verfolgt mich dieses Spiel wahrscheinlich auch so. Das und natürlich meine quasi Berufung zum Couch-Bundestrainer, mit ganz viel Spielerfahrung. In PES. Eine Berufung allerdings, die ich mit Millionen anderen gemeinsam habe.

Die B. war wohl im Olympiastadion, behauptet sie zumindest. Ich nehme ihr das mal ab. Nebenbei bemerkt, sie mag Pirlo, was ich ihr überhaupt nicht verübeln kann, und steckt mit den Italienern per Geburt unter einer Decke, weswegen ich Häme erwartete, aber, sie sprach über das Spiel mit einiger Erschütterung. Genauso ging es dem M., der D., was der T. darüber denkt, kann ich mir denken, die Falten, die seine Stirn wirft, wenn er gezwungen wird, sich zu diesem merkwürdigen Spiel zu äußern. Allgemeine Verwirrung und eher Ratlosigkeit zu Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Was, frage ich mich dann später selbst und eher zufällig, ist eigentlich passiert, zwischen den beiden berauschenden Spielen der WM 2010 und diesem 2012, dem Jahr der Niederlagen, auch wenn sie sich im Schafspelz eines Unentschieden verstecken? Machen tatsächlich Khedira, Friedrich und mit Abstrichen auch Podolski den Unterschied zum 4:1 gegen England und dem 4:0 gegen Argentinien den Unterschied zum Spiel gegen Schweden aus? Die Startaufstellungen sind in acht Positionen in etwa gleich, also, wo ist der Unterschied? Welcher Hund liegt wo begraben?

Darüber sollten wir vielleicht einmal reden, Herr Löw.

Deutschland-Schweden 4:4

Oder: Wie man sich die Butter vom Brot nehmen lässt.

Löw verpasste es, durch Wechsel das Momentum wieder herumzureißen.

Besser als ich es jemals könnte, die Spielanalyse auf Spielverlagerung.de. Ich bin nur der Typ, der vor dem Fernseher sitzt und mürrisch wird. Einer von zehn Millionen, die das Gleiche sahen, sehen mussten. Gesten, Mimik, ratlose Gesichter während und nach dem Spiel und ich denke: Das ist doch naiv. Selbst als Zuschauer hat man doch schon nach dem 4:2 gemerkt, das hier etwas gewaltig stinkt. Und dann? Nichts. Keine Reaktion auf dem Feld, auf der Bank, kein Aufbäumen, kein Zauber, nichts. Und so vergisst man schnell die wunderbaren ersten sechzig Minuten und es bleibt der bittere Geschmack des Unentschiedens, das eine Niederlage war. Eine deutliche.

(Wäre es doch nur hin und her gegangen, wie hier, dann hätte man damit leben können, aber so?)

 

 

14.10.2012 – Aus der Reihe „Verschollene Spielberichte“

Natürlich habe ich keinerlei Ahnung vom idealen Wetter für Fußballspieler. Mögen sie es lieber kühl, mittelwarm oder warm, was ich mir allerdings nicht vorstellen kann, lieber sonnig oder doch bewölkt, trocken, taunass oder vielleicht doch lieber strömenden Regen, weil dann der Ball so schön glitschig wird? Zeit meines Lebens trieb ich Sport in Hallen, was weiß ich denn schon davon? Ich kann nur sagen, welches Wetter ich als Zuschauer mag: Nicht zu kalt, nicht zu warm, denn wie ich lernen musste, sind Fußballplätze (und ich rede hier nicht von Stadien und Arenen, sondern von echten Plätzen) selten schattig, trocken darf es sein, meinetwegen auch bewölkt und an einem Sonntagmorgen im Herbst natürlich auch ein wenig neblig, für die Romantik.

Ohne die Jungs würden wir diesen Sonntag wahrscheinlich im Garten verbringen, verwelkende Pflanzen herunter schneiden, Laub harken, würden Kuchen in der Oktobersonne essen, wenn die Kälte des Morgens schon längst vergangen ist, aber. Stattdessen sind wir hier, ein lauschiges Plätzchen zwischen Krankenhaus Friedrichshain und SEZ, gegen halb zehn am Morgen, haben das Frühstück schon längst hinter uns gebracht und sogar einen Parkplatz gefunden. Eigene Schuld.

So sieht ideales Fußballwetter aus.

Eine kleine Schar versammelt sich am Platz, das Spielfeld ist schon abgesteckt, auf dem Nebenplatz spielen die alten Herren auf dem Halbfeld, Halbglatze, Bauchansatz, Libero und lange Bälle, jemand sagt, der Torwart sähe aus wie Dirk Bach, niemand lacht. Doch, der Platzwart lacht, als ihn jemand fragt, wo man hier einen Kaffee bekommen könne: „Nee, hamwer nich. Nur kalte Cola.“ Guter Witz.

Die Jungs machen sich warm, die Eltern sammeln sich in Grüppchen, die der einen Mannschaft hier, die anderen dort, Hauptsache Sonne, ein paar versammeln sich bei der Raucherinsel, später werden sich ein paar der alten Herren dazu gesellen. Irgendwann einigt man sich, dass es los gehen kann, Achtjährige stellen sich auf, jede Mannschaft darf ihren Schlachtruf vortragen, Aufstellung, der große Sohn darf Schiedsrichter sein, pfeift in seine Pfeife, los gehts.

Nach fünf Sekunden liegen wir hinten, es ist ja auch noch früh, Ballverlust, Querpass, Torschuss, zack, zack, 0:1. Eine oder zwei Minuten später geht es so weiter, unser Torwart wirkt leicht frustriert, die Trainer sichtlich unzufrieden, die Eltern versuchen es positiv zu sehen: Die Sonne scheint. Es geht ein bisschen hin und her, Kinder spielen selten spanisch, wobei ich kürzlich ein D-Jugend-Team sah, das auch mal hintenrum spielte, bedächtig, ruhig, die hier können und wollen das noch gar nicht, hier wird gestürmt oder verteidigt. Nach ein paar Minuten und Aktionen, die aussehen, wie Fußball – Pass vom Verteidiger in die Mitte, direkter Pass nach außen, kurzes Dribbling, Flanke vor das Tor, drin – führen wir 3:2, der große Sohn pfeift ab, die kleine Tochter schläft, der von Messi träumende Lockenkopf mit der Nummer 10 holt sich ein high five bei mir ab, Halbzeitpause.

Eine Halbzeit ohne Showeinlagen. Der große Sohn kickt ein bisschen, es gibt eine Torwand, ein Vater versucht zu treffen, na ja.

Nach der Pause fallen Tore, Tore, Tore, alle nur für uns, trotzdem sind die Trainer immer noch unzufrieden, kleine und große Konzentrationsschwächen auf beiden Seiten, Väter fachsimpeln über das Stürmerproblem der deutschen Nationalmannschaft, die Namen Kießling, Helmes und sogar Kuranyi fallen, jeder hier hat ja quasi doppelt soviel Ahnung wie der Bundestrainer, man redet über Spanien, Argentinien, ab und zu Jubelrufe, lautes Klatschen, Anfeuerungsrufe, jemand von der gegnerischen Mannschaft hat eine Ratsche mitgebracht, die dann auch ratscht, auch mal ein Tor für die Gegner, wir hatten das ja schon, kleine und große Konzentrationsschwächen auf beiden Seiten. Am Ende gehen unsere Jungs mit 9:4 als Sieger vom Platz, die Trainer sind immer noch unzufrieden, aber die sind auch noch jung und unbesonnen und schwer zufrieden zu stellen, aber man versucht, sich nicht einzumischen, noch einmal hört man die Schlachtrufe der beiden Mannschaften, es gibt noch Neun-Meter-Schießen, duschen, umziehen, Heimfahrt.

Und nächste Woche geht es so weiter.