Unterwegs mit dem Nachwuchs

Wie lief eigentlich das Vereinsleben ohne Navigationsgeräte? In diesem sagenumwobenen Damals?

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Auswärtsspiele. Fremde Orte kennen lernen, die letztendlich doch vertraut sind. Vereinsheime bieten immer das Gleiche: Kaffee, Bockwurst und Pokale des ansässigen Vereins. Alle haben immer viel erreicht, so dass man stolz sein kann. Und der Kaffee ist meist trink- und bezahlbar.

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Je jünger die Kinder, umso früher die Spiele.

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Taktik fängt eher so in der Mitte der F-Jugend-Zeit an, bis dahin laufen alle dem Ball hinterher und versuchen ihn möglichst schnell ins Tor zu bugsieren. Das hat zunächst wenig Charme, manchmal schmerzt es. Dann schaut man weg und fachsimpelt anderweitig. Und ignoriert die Zwischenrufe der ambitionierten Eltern, deren Kinder schon im zarten Alter von sechs Jahren natürlich einen künftigen Star erkennen lassen.

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Vielleicht erwartet man aber auch zu viel.

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Trotz der Kälte krempelt sich M. die Ärmel hoch. Das macht er immer so, anders kann er nicht spielen. Jemand sagt, dass er ein toller Dribbler sein, man freut sich. Der T. ist ein Zweikampfmonster, gewinnt fast jeden Ball, spielt aber noch zu wenig. E. ist neu in der Mannschaft, er ist noch unsicher. Aber er hat etwas, das wenige in diesem Alter haben: Ballgefühl. Man sieht das nicht immer auf den ersten Blick, nur wenn man genauer hinschaut sieht man, dass sein Spiel anders ist, als das der meisten Gleichaltrigen. Ein Linksfuß mit Perspektive. Eine Mannschaft voll kleiner Menschen mit Perspektive, die plötzlich nichts anderes mehr im Sinn haben, als ernsthaft Fußball zu spielen, allein das zu sehen macht Spaß und ist es Wert, einen Samstagvormittag dem schnöden Ballspiel zu opfern.

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Am Ende siegen sie 6:2 in einem recht guten Spiel, alle sind zufrieden, die Sonne scheint und die Kälte ist erträglicher geworden. Man sieht sich wieder, nächsten Samstag.

Sorry, lieber BVB,

es tut mir wirklich leid, dass ihr schon wieder ein Spiel in der Champions League verloren habt. Vor allem tut es mir leid, weil ich daran scheinbar nicht ganz unschuldig bin. Scheinbar bringe ich Unglück.

Schon beim Spiel gegen Olympique Marseille habe ich einen der drei Gegentreffer, die ihr hinnehmen musstet, mit verschuldet, denn genau in dem Moment, in dem ich es wagte, mir einen Teil des Spiels anzuschauen, köpfte Mats Hummels den Ball Loïc Remy genau vor die Füße und der nahm die Einladung zum Tor natürlich gerne an. Mein Gesichtsausdruck entsprach dann auch genau dem Mats Hummels.

Und gestern passierte es schon wieder. Einschalten, Freistoß Olympiakos, Tor, 3:1. Mist. Es tut mir wirklich leid und ich werde versuchen, eure verbleibenden Gruppenspiele nur noch im Ticker zu verfolgen, in dem ich euch nicht so gefährlich nahe kommen kann. Vielleicht gewinnt ihr ja dann auch noch einmal. Oder zwei Mal.

Mit besten Grüßen
B.

PS: Aber bitte, strengt euch beim nächsten Mal trotzdem mal ein bisschen an. Ihr könnt ja nicht mir allein die Schuld in die Schuhe schieben.