War was? – III

Das Schönste an den samstäglichen Ausflügen zu verschiedensten Fußballplätzen der Stadt ist doch nicht die Tatsache, dass man fast jeden Winkel der Großstadt (immerhin fast 900 km²) zu sehen bekommt, sondern vielmehr der Blick auf die immer noch jugendlich unbekümmerte und ungebrochene Leidenschaft, mit der die Jungs Fußball spielen und der so ein bisschen die Brust schwellen lässt und ansteckt. Erstaunlich dabei ist vor allem, dass sie doch mehr oder weniger die ersten ihrer Art in dieser Familie sind, denn weder Mutter noch Vater konnten ihnen als Vorbild dienen, sie nicht mit Stadionbesuchen im Säuglingsalter oder packenden Nachmittagen am Spielfeldrand prägen, sie haben sich das selbst ausgesucht, ohne geschubst werden zu müssen und haben im Gegenteil dafür gesorgt, dass die Eltern überhaupt angefangen haben, sich intensiv mit der Thematik zu beschäftigen. Wären die Jungs nicht, würden mich Spielverlagerung.de oder Heinz Kamke wohl nicht interessieren. Oder Dembowski. Und nun versuchen sie gar, mir das Jonglieren mit dem Ball beizubringen.  Erstaunlich. Diese Kinder.

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Spielberichte in Aspik.

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„Das Lied von Eis und Feuer“, „Game of Thrones“. Nur die Bücher, die Fernsehserie kenne ich noch gar nicht, die Bücher, sie ziehen, nein, zerren dich hinein in diese Geschichte, die eigentlich ganz einfach und kurz zu erzählen wäre: Verrat. An jeder Ecke wirst du verraten, verkauft, es sei denn, du hast mehr Geld in der Tasche oder einen dickeren Morgenstern oder heißt Lannister oder hängst an einem Gott, den sie R’hllor nennen oder oder oder. Am Ende wird immer irgendjemand verraten und gedemütigt. Und wenn die Begeisterung zwischendurch mal abklingt, weil gerade Kampfpause herrscht oder irgendeine Figur irgendwohin wandert, im Verborgenen und allein, so dass sie nicht verraten werden kann, vorerst, wenn sich mal nicht die Nackenhaare vom Mitgefühl mit Charakteren aufrichten, fragst du dich: Was soll der Scheiß eigentlich? Was ist das für eine blöde Geschichte? Aber das vergisst du natürlich wieder ganz schnell, wirst eingelullt vom Rauschen des Trident oder des Meeres und dann mäanderst du wieder gemeinsam mit den Figuren durch Westeros und hoffst, dass am Ende vielleicht doch alles gut wird.

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Ist es nicht so, dass man am Ende beim Schreiben mehr lernt, als beim Lesen?

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Wir mussten erst zwei Jungen relativ groß ziehen, um festzustellen, wie wunderlich doch ein Kind ist, das – nach einem langen Tag aus dem Kindergarten kommend – krähend zum Tisch rennt und weiterhin krähend nach Stiften und Papier schreit und zu Malen beginnt und das mehr als eine Stunde durchzieht und mit rund anderthalb Jahren den Stift hält, wie man Stifte eben so hält, also zwischen Daumen und und Mittelfinger, den Zeigefinger darauf, während die Jungs noch zu Schulbeginn den Stift in der Faust hielten, als wollten sie jemanden damit erstechen. Dieses Kind ist ein Mädchen, welches ganz von allein anfängt, all die Klischees zu bestätigen, die Menschen haben, wenn sie von natürlichen Unterschieden zwischen Jungen und Mädchen reden, außer natürlich dem Klischee, dass Mädchen länger schlafen. Das ist nur ein Witz.

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Wann wird endlich der 48-Stunden-Tag eingeführt?

War was? – II

War was? War nix. Oder?

Die Jungs können sich glücklich schätzen, jeden verdammten Samstag unglaublich sichere Stadionerlebnisse zu erleben, nämlich ihre eigenen. Die Jungs spielen dann zuhause oder auswärts, auf den Rängen stehen Eltern und andere Familienangehörige ausschließlich auf Stehplätzen (und die Ränge sind gar keine Ränge, denn die Stadien sind gar keine Stadien sondern Plätze und im Herbst/ Frühling kann man froh sein, wenn der Platzwart die Flutlichter anmacht, sollte es mal spät werden) und halten sich zumeist zurück, Knallkörper oder Bengalos wurden jedenfalls noch nicht gesichtet (obwohl das den Jungs vielleicht Spaß gemacht hätte, aber psst), man versucht, ruhig zu bleiben, ein Vater ist der Schiedsrichter und wird natürlich ab und zu angepöbelt, weil ja im Zweifel immer der Schiedsrichter an verlorenen Spielen schuld ist, ein Punkt, der das sichere Stadionerlebnis womöglich trüben könnte, denn was wird den Kindern denn hier vermittelt? Aber das ist wieder eine andere Frage. Jeden verdammten Samstag also sehen wir, dass im kleinen Rahmen Menschen einer Leidenschaft frönen, ohne dabei gegängelt, überwacht und von Dritten gemaßregelt werden müssen. Sicher kann man die Kreisliga B nicht mit der Bundesliga vergleichen, dennoch: Leidenschaft ist kein Event.

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Ein Sturm zieht auf und die Medien zeigen ihre Freude darüber mit Livetickern vom Rande des Abgrunds.

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Man fragt doch gar nicht mehr nach dem ob, nur noch nach dem wie. Bekommt eine Einladung in den Briefkasten gesteckt und geht dann dorthin. Großes Tohuwabohu, einige sind sogar verkleidet, dabei ist noch gar nicht Karneval oder Fasching, wie wir Ungläubigen dazu sagen. Aus mir persönlich nicht nachvollziehbaren Gründen muss ich jedes Mal an diesen Reim denken, wenn wir in Grüppchen zusammen sitzen und Kürbissuppe schlürfen, während andere herumziehen und um Süßigkeiten betteln bitten, weil man das eben so macht. Einerlei.

„Drinnen saßen stehend Leute
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschoßner Hase
auf der Wiese Schlittschuh lief.“

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Anflüge von Herbstmelancholie in Caspar David Friedrich. Und wenn man nicht aufpasst, landet man bei Mörike.

War was?

mr. bigSeltener Gast an der Hauswand. Wahrscheinlich wollte er das Haus packen und mit sich schleppen und seine Kinder darin groß ziehen und mit ihnen an einem sonnigen Sonntagmorgen draußen sitzen und so lange frühstücken, bis die Sonne fast schon wieder untergeht etc. Vielleicht auch nicht.

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Und sonst? Deutschland (Riese) gewinnt gegen die Färöer Inseltruppe (Zwerg) 3:0 und zwischendurch sollte man wohl denken, dass es keine Großen mehr gäbe, im Weltfußball, außer Spanien, aber dann ging ja doch alles gut. Die Spannung des Spiel lässt sich am besten mit den zu-Bett-geh-Wünschen der Jungs vor Ablauf der ersten Halbzeit beschreiben. Wann ist wieder Bundesliga?

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Mario Götze singt die Nationalhymne innerlich mit. Diese Aussage macht ihn sympathisch, die Diskussion über den Einfluss des Mitsingens bzw. des Gegenteils davon und ihre vermutete Auswirkung auf das Leistungspotenzial, wird natürlich nicht enden. Wobei  man fragen muss, wie ohne Gesang überhaupt Liga und Spiele auf Euro-Ebene überhaupt stattfinden können. Ach.com, egal.

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Bettina Wulff möchte etwas, alle reden darüber, vielleicht ist es das was sie will, vielleicht auch irgendwie Gerechtigkeit. Man weiß nicht, warum sie sich nicht schon längst einmal öffentlich hinstellte und rief: Ihr könnt mich mal, ihr verdammten Spießer. Oder so. Denn dieses Gerücht zeigt Google schon lange an. Und dann hätte man einen öffentlichen Diskurs führen können, über den Einfluss einer möglichen (oder unmöglichen) Rotlichtkarriere der Ehefrau eines Politikers auf das Wohlergehen des Landes (Ja, sind wir schon in den USA?), über das Gerücht selbst und woher es kam und was es anrichten sollte bzw. hätte anrichten können, aber das führte alles zu nichts, außer dem, was schon aus Polittalkshows bekannt ist und erschreckend. Google kann man vielleicht am wenigsten für die Verbreitung von Zeugs verantwortlich machen, die sind nur Handlanger des Inhalts und der Algorithmen zwecks Optimierung des Gewinns, was natürlich mit solchen Gerüchten einträglicher ist, als mit irgendeiner unbekannten Privatperson. Deswegen aber Google verklagen? Und, fragen Sie doch mal Arne Friedrich oder Phillip Lahm, was die Suchmaschine vorschlägt, sucht man nach ihnen. Auch nichts Schlimmes, aber auch nur ein Gerücht.

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Tatort: Die letzte, überflüssige Minute.

Digitale Dings ähm Demenz

Schauen wir doch einmal kurz hinein, in das Konzept „Talkshow von und mit Günther Jauch“:

Talkshow von Günther Jauch: Debatte über das Internet

»Auch Spitzer beruft sich gleich mehrfach auf den fragwürdigen Bericht mit seinen alarmierenden Zahlen: „Das! Ist! Schlimm!“ Er vergleicht Internet und Computer mit Alkohol, Röntgenstrahlen und Zigaretten. Schüler sollten möglichst bis zum Abitur auf die Suchmaschine Google verzichten, um nicht völlig zu verblöden.

Was Schüler von dieser Idee halten, und was die eigentlich im Internet machen, ist offenbar egal: Unter 50-Jährige kommen nicht zu Wort.«

bufflon recommended this article from spiegel.de

Doch, einmal darf sich Herr Spitzer junior zu Wort melden und verkünden, dass sein Vater ihn von allem Bösen befreite, dass er erst seinen Fernseher und später auch noch die XBox aus dem Haus verbannte, wobei mir dazu später noch einfiel, das diese ohne Fernsehgerät ziemlich unbrauchbar und ungefährlich ist. Ein bisschen selig darf er dann auch noch im Fernsehen verkünden, dass er ohne dieses doch ziemlich glücklich und klug geworden sei, was vielleicht als Beispiel dienen sollte, für diejenigen, die so dumm waren, sich Jauchs Talkshow im gefährlichen Medium anzuschauen, statt ein ordentliches Buch zu lesen.

Dass man Sender wie Arte mit RTL II in einen Topf wirft, spricht natürlich Bände über diese durchaus überflüssige Sendung, die sich nicht der Diskussion über Vor- und Nachteile des heute wohl unvermeidbaren Internetkonsums (vielleicht ging es auch insgesamt um Medien, die ja alle irgendwie teuflisch erscheinen, solange sie nur digital sind) verschrieben zu haben scheint, sondern eher dem Absondern von Allgemeinplätzen zur Förderung des Absatzes eigener Drucksachen (Herr Spitzer senior  hat – wie überraschend – derzeit einen Bestseller im Repertoire). Sehr gut auch daran zu erkennen, dass die Versuche der Herren Yogeshwar und Jantke, das alles ein wenig differenzierter zu betrachten, mehr oder weniger ignoriert bzw. wegdramatisiert wurden.

Aber was weiß ich denn schon, als Nutzer des Dämonennetzes.

 

Gesammelter Scheiß, Folge 12

„Beim rechten Fußball wird viel von Opfern und Arbeit geredet. Er wirft den Blick nur auf das Resultat, er degradiert die Spieler zu Söldnern des Punktegewinns. Der linke Fußball feiert die Intelligenz, er fördert Phantasie, er möchte ein Fest feiern.“

César Luis Menotti, via

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Der am Spielfeldrand stehende und laut herum brüllende Jugendtrainer und seine Spieler, die mit jedem weiteren lauten Wort, das er heraus brüllt, mit der ständigen Kritik und jeglicher Abwesenheit von Lob, ihren Mut verlieren, sie selbst zu sein und versuchen, die Dinge recht zu machen. Der Jugendtrainer, der sich weigert, seine Spieler zu akzeptieren, wie sie sind, Stärken, Schwächen zu erkennen, auf sie einzugehen und der Jugendtrainer, der sich weigert, sich selbst weiter zu entwickeln.

Aber, vielleicht ist man auch nur Eltern.

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Kurzkritik zum Spiel Borussia Mönchengladbach gg. Dynamo Kiew (1:3): Abgezockt gewinnt gegen unerfahren.

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Welcher 20-, 21-Jährige hat den Schlüssel zu einer Situation, in der sich sein gesamtes Leben verändert? Plötzlich verdient man viel Geld und viele Menschen klopfen einem auf die Schulter. Man ist ständig mit der Mannschaft zusammen und hört, wie die anderen Spieler leben. Es scheint, als sei das völlig normal. Es ist nicht einfach zu erkennen, dass es nur die sportliche Leistung ist, die einen dorthin gebracht hat, und man dieses Niveau ständig aufs Neue erreichen muss.

Kevin-Prince-Boateng neuerdings auch philosophisch in einem Interview bei den 11 Freunden, das einen nicht unsympathischen Eindruck vom angeblichen bad boy hinterlässt.  Zumindest in Italien mag man ihn.

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Ach, bitte, ARD! Das ist doch nun wirklich Scheiß. [zuerst beim Trainer Baade gesehen]

Gesammelter Scheiß, Folge 11

Wenn „keine Ahnung haben“ zum Dauerzustand wird. Trotzdem den Mund nicht halten.

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Je älter ich werde, umso unverständlicher werden mir Mitmenschen. Betrachten wir beispielsweise eine Urlaubssituation im fernen Süden: Die Familie sitzt, mangels Freiraum, in Gesellschaft zufällig ausgewählter Menschen, allesamt Europäer, zu Tisch und mümmelt mehr oder weniger leise vor sich hin. Schon bei der reinen Beobachtung der Umwelt fällt auf: Wir sind normal, alle anderen haben ein Rad ab. Am Tisch dort hinten, zum Beispiel, in der Ecke, sitzt ein Dreijähriger und spielt „Fruit Ninja“ auf dem iPad, verschmäht zwischendurch lauthals schreiend und um sich tretend sein Mahl, während seine Mutter gemütlich an einer Zigarette nuckelt und eisgekühlten Frappucino trinkt. Unverständlich. Außerdem: Die äußerst gesprächige Dame aus Polen, die ihr Kind im Kinderwagen so sehr schaukelt, dass ihm schon jegliche Gesichtsfarbe verloren ging und es sich demnächst wohl über alle Tische hinweg erbrechen wird. Unverständlich. Und nicht zuletzt: Der deutschsprachige Tischnachbar, der tatsächlich und sogar lauthals von sich gibt, dass er überhaupt gar nicht wusste, dass es in diesem fernen Süden hier im Sommer so heiß sei und er ja Hitze grundsätzlich verabscheue. Oh mein Gott.

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Vielleicht sind aber auch Menschen wie ich, die so etwas ansprechend finden, unverständlich?

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Auch wenn ich ihn nicht so ablehne, wie ihn 90% mir persönlich bekannter Menschen ablehnen, aus unterschiedlichsten und manchmal auch völlig bekloppten Gründen, ist eines sicher: Aus Joachim „the yogi bear“ Löw wird wohl niemals nie nicht „the only one“ werden. Fragen Sie doch mal die Leser. Wird Ddddeutscheland (gemeint ist ja nur die Nationalmannschaft, aber man neigt doch dazu, diese als Allgemeingut zu inventarisieren, wie auch zum Beispiel unsere Sportler, die in London antreten durften – aufgrund eigener Leistung) nicht mindestens erster europäischer Weltmeister auf dem amerikanischen Kontinent, dürfte nicht einmal högschde Konzentration vor Meinungen schützen. Aber: 2014 dürfte sowieso Schluss mit Jogi sein.

(Eine klitzekleine Frage in diesem Zusammenhang: Von wem genau wurde denn das sogenannte Siegergen, dass angeblich dem einen oder anderen fehlen soll, einst entdeckt und welche Stelle nimmt es im DNA-Strang ein? Vielleicht verwechselt man an dieser Stelle einfach Genotyp und Phänotyp? Keine Ahnung, siehe oben.)

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In this game, you may take one step each day, and then you must wait for the next day. If you wish to complete the game, you will have to make it a part of your life for at least 100 days. Make a ritual out of it. How will you incorporate it into your daily schedule? Will you tie it to an existing activity? Will you treat it as a ritual or merely a routine? Will you add to the ritual, embellishing it in your own way, making it yours? Meditate, say a prayer, think back over what has happened while you have been playing? Will you approach it alone or share it with another?

Mit VESPER.5 jeden Tag einen einzigen Schritt gehen, 100 Tage lang. Und dabei meditieren. Eine Pilgerreise ohne das Haus verlassen zu müssen.

„Schatz, warte, ich muss noch einmal kurz den Computer hochfahren und einen Schritt gehen, denn das hätte ich heute fast vergessen.“

Vielleicht führt man sogar Tagebuch. Ein Blog. Besinnt sich dabei auf Umstände, Erlebnisse, Wetter. Es gibt keine Langeweile in dieser Welt.

(The Verge)

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Wichtig: Achten Sie heute abend unbedingt darauf, wer überhaupt und wenn ja, wie (Melodie- und Textsicherheit) die Nationalhymne mitsingt. Dieses äußerst wichtige Detail wird den Verlauf dieses wirklich wirklich wichtigen Spiels entscheidend beeinflussen. Glauben Sie mir.

Gesammelter Scheiß, Folge 10

„Nach einem knappen Jahrhundert der Spekulation über das zukünftige Schicksal von Andromeda und unserer Milchstraße haben wir endlich eine klare Vorstellung davon, was in den kommenden Milliarden Jahren passieren wird“

Die Galaxie „Andromeda“ wird mit eins mit der Milchstraße und die Sonne demnächst wohl im Westen aufgehen. Vermutlich. Auf jeden Fall gut zu wissen, wohin die Reise geht.

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Steam-Postcards von Iain Andrews.

[via]

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Binz, Strand, 2012

Binz. Der Versuch von (vielleicht) Schicki-Micki, wenn man die Strandpromenade bis zur Seebrücke hinauf läuft (oder hinunter) und dort – ganz prominent natürlich – an der Ecke auf Gosch-Sylt trifft, eine Sylt-Dependance im dunklen, wilden Osten, ein bisschen Luxus (vielleicht) – allerdings der scheinbar einzige Ort, der dem gemeinen Reisenden ein Fischbrötchen anbietet – und nebenan ein paar Boutiquen, ein paar Juweliere und eine erstaunlich gute Bäckerei und die Porschedichte ist auch schon hoch. Was natürlich ein wenig übertrieben ist.

Kontrastprogramm: Der Koloss von Prora, gleich daneben. Schauen Sie sich doch einmal Prora an, diese Kraft-durch-Freude-Ruine, diese architektonische Versinnbildlichung des Dritten Reiches, groß, gewaltig, alles gleich, nun größtenteils dem Verfall überlassen, dort, direkt hinter den Dünen. Schöner Strand davor, übrigens. Die Jugendherberge ist auch okay.

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Die Jungs von #Kind2 ausnahmsweise auf dem Halbfeld. Für Sieben- bis Achtjährige ein riesiger Acker, der zu beackern ist, aber okay. Die Draufsicht von einer Naturtribüne genossen, eine ganz andere Perspektive. Auch immer gut im Jugendfußball: Schlachtrufe.

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„Papa? Du, Papa? Warum hast du Basketball gespielt? Warum hast du nicht Fußball gespielt? Hast du die meisten Körbe geworfen? Warst du Stürmer?“ – Locherflockigleichte Kinderwelt.

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Im übrigen wartet man hier auf gutes Wetter, kühles Bier und vielleicht auch auf ein wenig mehr als trockene Taktikanalysen im Vorfeld des UEFA-Werbevents Europameisterschaft 2012. Schließlich soll dort auch Fußball gespielt werden, wie man hört.

Gesammelter Scheiß, Folge 9

Finale dahoam. Das gesamte Internet ist zugesenft mit Meinungen dazu, das ist ganz gut so, hier kommt meine: Mäh. Letztlich kann man den Bayern vielleicht ihre mangelnde Effektivität, ihre schlechte Chancenverwertung vorwerfen, das Spiel hat aber das Glück entschieden. Aus Bayern-Sicht: Der Mangel daran. Ein Finale der Psychologie und des Zufalls. So ist Fußball, so ist das Leben. Chelsea FC ist nicht der BVB. Zehn Mann rennen gegen eine Mauer, die solide genug ist, auch nach hundertzwanzig Minuten nicht zu wackeln, das verunsichert natürlich. Wenn man genügend Beine im Strafraum parkt, wird der Gegner nie das Tor treffen (siehe auch im Camp Nou, 24.04.2012, 82% Ballbesitz und trotzdem nichts gewonnen). Dass Manuel Neuer als dritter Schütze einen ordentlichen Elfmeter einschenken darf, spricht für sich allein. Dass so wenige Spieler wirklich Verantwortung übernehmen wollten, kann man problematisieren, man kann es dem Menschen im Spieler aber nicht vorwerfen. Während des Spiels hing gefühlt ein riesiger Monolith aus Granit, prall gefüllt mit Erwartungen, über der Allianz-Arena, DAS Finale, im eigenen Stadion, eine Konstellation, die alle Zillionen Jahre im Laufe der Champions League mal vorkommt, der Präsident hatte sich das doch so gewünscht, alle hatten sich das gewünscht und jetzt musste man gewinnen, wer soll das aushalten? In der Nacht eine ordentliche Portion Bayern-Fan in mir entdeckt, na und? Klasse Choreo.

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Gesammelter Scheiß ist ja letztendlich auch die Fortführung von Senf mit anderen Mitteln.

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Hertha? Einspruch! Wirtschaftlich nachvollziehbar, sportlich eine Frechheit. Überaus schlechte Rückrunde, kein Relegationsspiel überzeugend für sich entscheiden können, sportlich spricht alles für einen Abstieg, Pech für Düsseldorf, dass sich ihre engagierten und übermotivierten Fans zu früh freuten. Hertha, meine Sympathie sichert ihr euch mit diesem gesammelten Scheiß nicht. Ist euch aber vielleicht auch Wurst.

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Verheiratet mit Jogis 12. Frau.

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Diablo 3, auch etwas, das ein bisschen scheiterte. An seiner eigenen Popularität und auch an der allgemein in der sogenannten Urheberszene anerkannten Idee, dem gemeinen Benutzer zu misstrauen, ihn grundsätzlich immer für einen Raubkopierer zu halten und ihm so wenig Bequemlichkeit wie nur möglich zu bieten. Man kann Diablo 3 nicht einfach so spielen, vor allem nicht in der Sahara oder der Arktis oder auf dem Mount Everest, zumindest wenn man dort kein Internet hat. Nicht einmal eine schnöde, einsame Landpartie als Einzelkämpfer (über Jahre in Diablo und Diablo II so praktiziert) ist ohne Netz möglich: Unnötig. Und dabei weiß doch jeder, dass DRM gar nicht funktioniert. Seis drum, nun freue mich auf Torchlight 2.

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Ach ja: Bengalo-Werfer haben ganz kleine Schwänze.

(scnr)

Gesammelter Scheiß, Folge 8

Borussia Dortmund, Deutscher Meister 2012. #Chronistenpflicht

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Diminutiv, ein komisches Wort. Kein Wörtchen, kein Wörtlein, nein, ein richtiges Wort, ausgewachsen und gereift, wer spricht schon gern in Diminutivchen? Und jeden Tag verwendet man ihn, macht Kinder, Hunde, Freunde klein, wenn man so will. Komisches Wort, Diminutiv. Und morgen schreibe ich vielleicht etwas über den Genitiv. Oder ist dem schon tot?

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Doch ausgerechnet jetzt leidet Weltfußballer Lionel Messi unter Ladehemmungen, die ihn äußerst selten befallen. In den beiden vergangenen Spielen konnte der Argentinier nicht treffen […]

Spox meint, Lionel Messi habe Ladehemmungen, immerhin hat er seit zwei Spielen kein Tor mehr geschossen. Ich meine, nur FIFA XX gestählte Daddelstürmer sehen das genauso. Auch so ein Klischee.

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Die Piratenfrage im Sinne einer, wenn nicht sogar DER Gretchenfrage ist doch, ob die auffälligen Piratenmenschen das, was sie da sagen, auch tatsächlich denken. Oder denken sie nicht bzw. denken sie gar nicht erst nach, bevor sie den Mund aufmachen und zwar nicht im Sinne „Darf ich das jetzt so sagen?“ sondern vielmehr im Sinne von „Ist das, was ich jetzt sage, womöglich auch etwas, das ich nicht einfach so daher sage, sondern auch denke?“ Letzteres wäre natürlich ein Problem und man wird gespannt auf Selbstreinigungsmechanismen achten, die verspielte Sympathien schnell auch wieder reinholen können. „Klar zum Entern“ oder „Klar zum Kentern“, wenn das mal nicht etwas für das Phrasenschwein ist.

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Ich lese zu wenig Bücher. Ich lese zu wenig Bücher. Ich lese zu wenig Bücher. Ich lese zu wenig Bücher. Ich lese zu wenig Bücher. Ich lese zu wenig Bücher. Ich lese zu wenig Bücher. Ich lese zu wenig Bücher. Ich lese zu wenig Bücher. Ich lese zu wenig Bücher. Und fange dann auch noch in der spärlichen Freizeit mal wieder mit dem besten besten besten allerbesten Lieblingsspiel an. Selbst verschuldetes Elend.

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Eine grüne Wiese für Hoffenheim. Mit Solarium. Und in Bremen scheint wieder die Sonne.

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Anders dagegen in Berlin, hier gibt es nur Reh-Hagel und schlechte Laune. Am Samstag lief der Vater eines sehr, sehr jungen Hertha-Nachwuchsspielers an mir vorbei und sprach laut in sein Telefon: „Eigentlich hätten wir 20:0 gewinnen müssen, aber am Ende stand es 2:2“. Eigentlich ist ein gutes Wort, wenn man an Hertha denkt. Eigentlich hätte man weniger über Abstieg reden müssen, wenn. Zu viel „wenn“, zu viel „aber“ und wenn man in Gelsenkirchen verliert oder besser: nicht gewinnt und Köln gleichzeitig in Freiburg nicht verliert oder besser: gewinnt, dann wird dieses „wenn“ Gewissheit, der zweite Abstieg innerhalb von drei Jahren perfekt und nichts ist mehr übrig von diesem „Eigentlich“.

(Wobei die Frage, ob von Dortmund lernen, wirklich siegen lernen heißt, tatsächlich einmal in den Raum zu stellen ist. Man müsste sich nur mal trauen?)

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Grundsätzlich wollte ich etwas über das Urheberrecht schreiben. Grundsätzlich geht mir die Debatte auf den Sack. Grundsätzlich bezahle ich gern für Inhalte. Grundsätzlich werde ich dafür bestraft, beschimpft, wird mir mein Leben als ehrlicher Urheberrechtsinhaltekonsument mies gemacht. Ich will das Urheberrecht nicht abschaffen, ich will, dass Inhalt, Kunst, Kultur entsteht, ich will aber trotzdem nicht das Gefühl haben, für die Unfähigkeit, funktionierende Geschäftsmodelle zu entwickeln, bestraft zu werden. So weit, so kurz.

Gesammelter Scheiß, Folge 7

Sich aufmachen, Murphys Gesetz zu beweisen. Mit Aprilwetter. Karfreitag, zum Beispiel, ein gemachter Tag für Stubenhocker, eine Einladung aus dem Familienkreis, man sitzt viel und redet, auch wirr, man isst und trinkt, auch viel, und vergnügt sich, vor allem auch drinnen, und draußen scheint die Sonne, obwohl das am vorigen Tag noch meteorologisch verneint wurde. Aber es ist April. Ähnliches gilt für den Ostersonntag: Man hängt ab, drinnen, weil man noch Sachen zu erledigen hat, während draußen die Sonne scheint, eine Tatsache, die laut Wetterbericht noch vor Tagen im Bereich des Unmöglichen lag, Regenwahrscheinlichkeit 97%. Aber es ist April. Nur am Samstag, diesem ungeliebten Tag dazwischen, an dem man natürlich eine Verabredung im Draußen hatte, die Teilnahme an einem Osterturnier, sechs, sieben, acht Spiele rund um den Ball (Fußball natürlich), von morgens bis abends, nur an diesem Samstag, an dem man wirklich ruhiges Wetter brauchte, schneite, stürmte, hagelte es, so dass man durchnässt und durchwindet funktionsbekleidet am Spielfeldrand herum stehen durfte und statt Spaß und Spannung die eigene miese Laune ertragen musste. Aber es ist April, man kann nichts anderes erwarten.

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Ligagott, gut zu wissen.

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Aufm Platz stehen und über Goethe reden, Osterspaziergang natürlich.
Man hört sich sagen, dass es hier weder um Tod, noch um Gladiolen ginge.
Der R. kann damit nichts anfangen. Der R. lässt sich auch nicht von Tatsachen verwirren, seine Meinung steht fest.
Und man stellt fest, dass man zwar über Goethe reden kann, aber nicht schlagfertig ist.

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face ohne book

(Auch ich bin Urheber.)

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In dem Internet. Auf dem Internet. Mit dem Internet. Durch das Internet. Unter dem Internet. Mittendrin im Internet. Wo ist eigentlich die Mitte des Internets? Gibt es einen Anfang? Wo ist das Ende? Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei?

Irgendwo hörte ich Osteransprachen aller Konfessionen, die das Internet irgendwie doof fanden. Rechtsfreier Raum, totale Anonymität, man konzentriert sich nicht mehr auf das Wesentliche, so. Ist das Internet ein Raum? Abgeschlossen? Man macht die Tür auf, tritt ein und denkt: Boah, rechtsfrei. Fuck off, Kinderstube, hier bin ich Assi, hier darf ich es sein. So stellt man sich das wohl vor. Für mich hört sich das an, als fehlte dem Ding „Internet“ die Griffigkeit, man kann es nicht anfassen, es ist einfach, Menschen nutzen es und plötzlich interagieren die, auch wenn sie sich nicht kennen. Natürlich macht das misstrauisch. Oder doch nicht?

Internet ist Alltag, wie Straßenbahn fahren. So ist das doch.