Der nächste Messi, oder so

Irgendwann im Januar 2012 wird ein gewisser Lionel Messi zum dritten Mal zum Weltfußballer des Jahres gewählt. Höchstwahrscheinlich. Die Kinder sind sich dessen jedenfalls sicher, denn er ist ihr Held. Wobei der Zehnjährige in diesem Zusammenhang ab und zu auch mal den Namen Cristiano Ronaldo erwähnt, aber na ja. Der Typ, die Frisur, überhaupt. Egal.

Wie solche Auszeichnungen ohnehin eher egal sind.

Aber, so die Kinder in ihrer kindlichen Weisheit, auch dieser Messi wird irgendwann einmal alt werden („So alt wie du, Papa.“), dann wird er sich nicht mehr in Lichtgeschwindigkeit durch Abwehrreihen dribbeln und Traumtore zaubern, ein anderer wird kommen, der besser ist als der Beste, also der neue Beste, der nächste Messi. Wenn man so will.

Und als quasi professioneller Sammler nutzlosen Wissens fühlte ich mich herausgefordert und befragte das große Google-Orakel nach diesem nächsten Messi und es schlug in seiner grenzenlosen Weisheit unter anderem folgende Messi-Nachfolger vor:

  • Diego Buonanotte
  • Érik Lamela
  • Gai Assulin
  • Gerard Deulofeu
  • Gonzalo Higuain
  • Javier Hernandez
  • Jean Marie Dongou
  • Juan Manuel Iturbe
  • JuanJose Vea Murguia
  • Mario Ballotelli
  • Mario Götze
  • Mateo Kovacic
  • Matias de Federico
  • Muhammed Demirci
  • Neymar
  • Ryo Miyaichi

(Alle Angaben natürlich ohne Gewähr. Siebenjährige, von Real Madrid verpflichtete, next Messis habe ich außen vor gelassen, das war mir am Ende doch zu albern.)

Nehmen Sie diese Liste und vergessen Sie sie. Vorerst. Denn irgendwann wird einer kommen, von denen Journalisten behaupten werden, er sei der nächste Messi, und wenn er auf dieser Liste stand, stand er auf dieser Liste. Oder so.

Daily linkliste 11/04/2011

The rest of my favorite links are here.

Leidenschaft

Mit einem Siebenjährigen über Fußball philosophieren. Er muss ES wissen, denn er führt die familieninterne Tipprunde an. Und sammelt Bundesliga-Sammelkarten.

Am meisten liebt der Siebenjährige natürlich Lionel Messi. „Zeig mir bitte die neuesten Videos auf youtube“, sagt er oft, schaut sie sich an und nickt wissend mit dem Kopf. Manchmal ist er Bayernfan. Aber eigentlich auch nicht. Meistens ist er wie sein Vater: Er mag das Spiel und wenn das gut ist, mag er auch das schöner spielende Team, selbst wenn es am Ende verliert.

Der Siebenjährige ist ein Checker mit Durchblick. Es gibt ein Foto von ihm, das ihn unmittelbar vor einem Freistoß zeigt, sein Gesichtsausdruck schwankt zwischen wissend und nachdenkend, der rechte Fuß ruht locker auf dem Ball, er streicht sich die Haare zurück. Ich habe keine Ahnung, was aus dem Freistoß wurde, aber sehe ich das Bild, sehe ich einen, der weiß was er tut.

Seit sechs Jahren spielt er Fußball. Im selben Moment, in dem er Laufen lernte, lernte er auch mit einem Ball zu spielen. Zum Leben brauchte er noch nie sehr viel, nur sich, einen Ball und jemanden, der mit ihm spielte. All die feinen Legosachen interessieren ihn wenig, Bälle sind seine Leidenschaft. Im Juni, zum Beispiel, spielte er mit seiner Mannschaft ein Turnier, es war heiß und wenig schattig und er spielte und spielte und spielte und als wir am späten Nachmittag nach Hause kamen, schnappte er sich einen Ball, um weiter zu spielen, einfach so.

Der Siebenjährige möchte einmal in Barcelona spielen. Er sagt das so daher, als sei es beschlossene Sache, als führe gar kein Weg daran vorbei, als sei dieser Weg in die Königskönigsklasse des Fußballs unproblematisch wie ein Nachmittagsspaziergang am See, ein Weg der praktisch jedem offen stehe.

Und natürlich soll er seinen Traum haben, wie wir alle unsere Träume haben, wenn wir uns im Vorgarten zu dritt am Tiki-Takka probieren – der ambitionierte Zehnjährige (Real Madrid), der leidenschaftliche Siebenjährige (FC Barcelona) und der beim Fußball eher gescheiterte Vater (Basketball, Phoenix Suns) – und froh darüber sind, eine gemeinsame Leidenschaft zu haben, über die wir philosophieren können, in unserer geheimen Runde, in unserem geheimen Club.

Ach, Arne

Diese Debatte und die Distanzierungen von Lahm und Friedrich haben sicher nicht dazu geführt, dass sich demnächst einer hinstellt und sagt: “Mein Gott, ich steh auf Männer, und jetzt fickt euch.”

Zum blonden Engel

Montag sagen sie noch, dass sie ja nur der Sport interessiere, das Ergebnis, der Spaß und so und Mittwoch sehen sie das Champions-League-Spiel und finden die neuen bunten Schuhe von Nike total schwul und wie der Cristiano Ronaldo seine Haare gelt und so und am Samstag stehen sie neben dir im Stadion und schreien so etwas wie „du schwule Sau“ zum Schiedsrichter, als stünde „schwul“ auf einer Bedeutungsebene mit Arschloch, Idiot, schwarze Sau. Deswegen mag der Arne das nicht und auch nicht der Phillip oder der Mario oder oder oder und deswegen wird sich auch niemand hinstellen und sagen: „Na und?“

Daily linkliste 26.10.2011

  • Glück – manchmal ziemlich einfach (auf Holz klopfen) | Das Nuf Advanced
    „Haltet gelegentlich einen Moment inne und fragt Euch, ob es gerade jetzt nicht mindestens einen Grund gibt, sich gut zu fühlen und Glück zu empfinden.“
  • Fussball Kultur: Der Kreisel
    Der tödliche Pass: „Im Camp Nou hört man auch manchmal ein spezielles, sanftes Raunen. Eine Mischung aus verzaubertem Staunen und neidvoller Ungläubigkeit. Ein Kennzeichen, dem nun etwas Größeres folgt. Die Geräusche werden lauter und bestimmender. Sie nähern sich dem vermeintlichen Ziel. Es ereignet sich ein Prozess der universalen Integration, der sich auf immer höheren Ebenen bewegt, der uns selbst in seinen Verlauf aufnimmt und Teil davon werden lässt, bis schließlich der Höhepunkt des Torerfolgs auf der Ebene der Ekstase vorerst erreicht ist.“
  • Fernglas FCB: Abgelehnt!
    „Wenn es nicht ganz so auffällig sensationslüstern gewesen wäre, hätte die Regie vermutlich durchgehend das Treiben im Gästeblock übertragen, so allerdings war man gezwungen sich doch noch hin und wieder auf den Platz und das Spielgeschehen zu konzentrieren. Übrigens: schönes Tor von Götze!“
  • internet vs. datenschutz – wirres.net, fachblog für irrelevanz
    „ich weiss dass ich nichts weiss und was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.“

Unterwegs mit dem Nachwuchs

Wie lief eigentlich das Vereinsleben ohne Navigationsgeräte? In diesem sagenumwobenen Damals?

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Auswärtsspiele. Fremde Orte kennen lernen, die letztendlich doch vertraut sind. Vereinsheime bieten immer das Gleiche: Kaffee, Bockwurst und Pokale des ansässigen Vereins. Alle haben immer viel erreicht, so dass man stolz sein kann. Und der Kaffee ist meist trink- und bezahlbar.

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Je jünger die Kinder, umso früher die Spiele.

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Taktik fängt eher so in der Mitte der F-Jugend-Zeit an, bis dahin laufen alle dem Ball hinterher und versuchen ihn möglichst schnell ins Tor zu bugsieren. Das hat zunächst wenig Charme, manchmal schmerzt es. Dann schaut man weg und fachsimpelt anderweitig. Und ignoriert die Zwischenrufe der ambitionierten Eltern, deren Kinder schon im zarten Alter von sechs Jahren natürlich einen künftigen Star erkennen lassen.

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Vielleicht erwartet man aber auch zu viel.

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Trotz der Kälte krempelt sich M. die Ärmel hoch. Das macht er immer so, anders kann er nicht spielen. Jemand sagt, dass er ein toller Dribbler sein, man freut sich. Der T. ist ein Zweikampfmonster, gewinnt fast jeden Ball, spielt aber noch zu wenig. E. ist neu in der Mannschaft, er ist noch unsicher. Aber er hat etwas, das wenige in diesem Alter haben: Ballgefühl. Man sieht das nicht immer auf den ersten Blick, nur wenn man genauer hinschaut sieht man, dass sein Spiel anders ist, als das der meisten Gleichaltrigen. Ein Linksfuß mit Perspektive. Eine Mannschaft voll kleiner Menschen mit Perspektive, die plötzlich nichts anderes mehr im Sinn haben, als ernsthaft Fußball zu spielen, allein das zu sehen macht Spaß und ist es Wert, einen Samstagvormittag dem schnöden Ballspiel zu opfern.

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Am Ende siegen sie 6:2 in einem recht guten Spiel, alle sind zufrieden, die Sonne scheint und die Kälte ist erträglicher geworden. Man sieht sich wieder, nächsten Samstag.

Sorry, lieber BVB,

es tut mir wirklich leid, dass ihr schon wieder ein Spiel in der Champions League verloren habt. Vor allem tut es mir leid, weil ich daran scheinbar nicht ganz unschuldig bin. Scheinbar bringe ich Unglück.

Schon beim Spiel gegen Olympique Marseille habe ich einen der drei Gegentreffer, die ihr hinnehmen musstet, mit verschuldet, denn genau in dem Moment, in dem ich es wagte, mir einen Teil des Spiels anzuschauen, köpfte Mats Hummels den Ball Loïc Remy genau vor die Füße und der nahm die Einladung zum Tor natürlich gerne an. Mein Gesichtsausdruck entsprach dann auch genau dem Mats Hummels.

Und gestern passierte es schon wieder. Einschalten, Freistoß Olympiakos, Tor, 3:1. Mist. Es tut mir wirklich leid und ich werde versuchen, eure verbleibenden Gruppenspiele nur noch im Ticker zu verfolgen, in dem ich euch nicht so gefährlich nahe kommen kann. Vielleicht gewinnt ihr ja dann auch noch einmal. Oder zwei Mal.

Mit besten Grüßen
B.

PS: Aber bitte, strengt euch beim nächsten Mal trotzdem mal ein bisschen an. Ihr könnt ja nicht mir allein die Schuld in die Schuhe schieben.