Daily linkliste 14.11.2011

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Schiri, wir wissen wo dein Auto steht

Zwei bis drei unsortierte und unvollendete Gedanken.

Schiedsrichter – der ranghöchste und unparteiische (Kampf-)Richter bei einer Sportveranstaltung

Der Schiedsrichter ist immer der Blöde. Er ist derjenige, dem man zuerst misstraut. Und natürlich ist es in erster Linie er, der dich ungerecht behandelt, wenn du verlierst. Vielleicht ist es nicht immer so, aber wenn es nach dir geht, viel zu oft. Nein, der Ball war noch gar nicht im Aus („Blinde Sau!“), nein, ich habe doch nur den Ball gespielt (Spieler liegt am Boden und steht erstmal nicht auf, „Fußball ist kein Mädchensport! Du Italiener!“), nein, das war kein Abseits (und wieder „Blinde Sau!“).

Aber der Stürmer hört nicht auf zu schimpfen, dann macht er auch noch eine abfällige Handbewegung, und nun hat Bothe keine andere Wahl mehr. „Das sind zwei Strafbestände“, sagt er, „da habe ich ihm Gelb-Rot gegeben“. Das letzte woran er sich erinnert, ist, wie er die gelbe und die rote Karte wegsteckt. Dann trifft ihn ein Faustschlag am Unterkiefer.

Wenn du erst einmal selbst ein Spiel gepfiffen hast (egal in welcher Sportart), wirst du sehen, das es viel leichter ist, am Spielfeldrand zu stehen (noch leichter ist es, am Fernseher zu sitzen, mit dutzenden Wiederholungen und Kameraperspektiven), als auf dem Platz. Man ist mittendrin und soll trotzdem objektiv bleiben. Sich nicht von Emotionen und Adrenalin beeinflussen lassen. Und alles sehen. Und gerecht sein. Vor deinen Augen werden Tatsachen geschaffen und du sollst sie bewerten. Ein Richter kann stundenlang Akten wälzen, Kommentare, Aufsätze, vergleichbare Urteile lesen, bevor er selbst ein Urteil fällt, du hast eine halbe Sekunde, um zu pfeifen. Oder auch nicht. Auch das ist ein Urteil. Äpfel? Birnen? Vielleicht. Aber wo bleibt das Menschliche?

Er weiß aber auch schon, was am nächsten Wochenende bei ihm auf dem Platz los ist, wenn Rudi Völler mit hochrotem Kopf die Schiedsrichter anbrüllt, wenn Jürgen Klopp an der Seitenlinie beim vierten Offiziellen tobt oder José Mourinho seine Mannschaft gegen die Unparteiischen aufhetzt.

Gibt es tatsächlich ernst gemeintes Lob für Schiedsrichter? Vielleicht, aber doch wohl eher viel zu selten. Maschine sollte er sein, weniger Mensch. Das ist doch so, oder nicht?

Zitate aus der FAZ – Fußball-Schiedsrichter – Zwischen Todesangst und Therapie

Daily linkliste 07.11.2011

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Klima, Wandel

Samstags aufstehen, wenn es noch dunkel ist. Kaffee kochen, Brötchen holen, Tasche packen, ein eingespieltes Ritual. Sommer- und Winterpausen natürlich ausgenommen, dann schläft man aus. In diesem Jahr freut man sich über die scheinbar nimmer müde Morgensonne, seit ein paar Tagen leicht von dem über der schläfrigen Stadt liegenden Nebel verhüllt, schläfrig und kalt. Dann strahlt auch so ein Kunstrasenplatz mitten in der Großstadt eine gewisse Romantik aus.

Frühe Vögel, frühe Würmer, man mag diese Sprüche am Ende nicht mehr hören, seit Jahren mault man auch nicht mehr, über frühe Stunden und verschenkte Zeit, selbst gewähltes Elend. Es macht sogar Spaß. Am Ende des Tages wird jeweils ein verlorenes und ein gewonnenes Spiel auf dem persönlichen Erfolgskonto verbucht, ein geschossenes Tor (haha, was für ein Tor) und man hat auch wieder eine Ecke der Stadt gesehen, die man bisher nicht kannte, dafür ein großes „Hallo.“

Schrebergärten und so weiter

Sonntags ausschlafen, soweit das geht. Nach dem Frühstück eine kleine Wanderung durchs Industriegebiet, Schrebergärten, über das alte Gleis, ein bisschen gedankenverloren dem Hund hinterher trotten, ein paar Fotos machen, wer weiß, wie lange die Luft noch so schön seicht und golden ist, wer weiß, wann einem der Schnee um die Ohren fliegen und die Nase einfrieren wird, wer weiß, wer weiß. Du musst das Tor noch abbauen, sagt sie dann, sonst steht es irgendwann im Schnee herum, wir fegen Laub, die Jungs kicken noch ein bisschen, es sind knappe fünfzehn Grad, immer noch wärmt die Sonne den Pelz und für kurze Zeit denke ich – oh Frevel – ein Klimawandel, der mir Anfang November die Sonne ins Gesicht scheinen lässt, kann so bösartig gar nicht sein.

Der nächste Messi, oder so

Irgendwann im Januar 2012 wird ein gewisser Lionel Messi zum dritten Mal zum Weltfußballer des Jahres gewählt. Höchstwahrscheinlich. Die Kinder sind sich dessen jedenfalls sicher, denn er ist ihr Held. Wobei der Zehnjährige in diesem Zusammenhang ab und zu auch mal den Namen Cristiano Ronaldo erwähnt, aber na ja. Der Typ, die Frisur, überhaupt. Egal.

Wie solche Auszeichnungen ohnehin eher egal sind.

Aber, so die Kinder in ihrer kindlichen Weisheit, auch dieser Messi wird irgendwann einmal alt werden („So alt wie du, Papa.“), dann wird er sich nicht mehr in Lichtgeschwindigkeit durch Abwehrreihen dribbeln und Traumtore zaubern, ein anderer wird kommen, der besser ist als der Beste, also der neue Beste, der nächste Messi. Wenn man so will.

Und als quasi professioneller Sammler nutzlosen Wissens fühlte ich mich herausgefordert und befragte das große Google-Orakel nach diesem nächsten Messi und es schlug in seiner grenzenlosen Weisheit unter anderem folgende Messi-Nachfolger vor:

  • Diego Buonanotte
  • Érik Lamela
  • Gai Assulin
  • Gerard Deulofeu
  • Gonzalo Higuain
  • Javier Hernandez
  • Jean Marie Dongou
  • Juan Manuel Iturbe
  • JuanJose Vea Murguia
  • Mario Ballotelli
  • Mario Götze
  • Mateo Kovacic
  • Matias de Federico
  • Muhammed Demirci
  • Neymar
  • Ryo Miyaichi

(Alle Angaben natürlich ohne Gewähr. Siebenjährige, von Real Madrid verpflichtete, next Messis habe ich außen vor gelassen, das war mir am Ende doch zu albern.)

Nehmen Sie diese Liste und vergessen Sie sie. Vorerst. Denn irgendwann wird einer kommen, von denen Journalisten behaupten werden, er sei der nächste Messi, und wenn er auf dieser Liste stand, stand er auf dieser Liste. Oder so.

Daily linkliste 11/04/2011

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Leidenschaft

Mit einem Siebenjährigen über Fußball philosophieren. Er muss ES wissen, denn er führt die familieninterne Tipprunde an. Und sammelt Bundesliga-Sammelkarten.

Am meisten liebt der Siebenjährige natürlich Lionel Messi. „Zeig mir bitte die neuesten Videos auf youtube“, sagt er oft, schaut sie sich an und nickt wissend mit dem Kopf. Manchmal ist er Bayernfan. Aber eigentlich auch nicht. Meistens ist er wie sein Vater: Er mag das Spiel und wenn das gut ist, mag er auch das schöner spielende Team, selbst wenn es am Ende verliert.

Der Siebenjährige ist ein Checker mit Durchblick. Es gibt ein Foto von ihm, das ihn unmittelbar vor einem Freistoß zeigt, sein Gesichtsausdruck schwankt zwischen wissend und nachdenkend, der rechte Fuß ruht locker auf dem Ball, er streicht sich die Haare zurück. Ich habe keine Ahnung, was aus dem Freistoß wurde, aber sehe ich das Bild, sehe ich einen, der weiß was er tut.

Seit sechs Jahren spielt er Fußball. Im selben Moment, in dem er Laufen lernte, lernte er auch mit einem Ball zu spielen. Zum Leben brauchte er noch nie sehr viel, nur sich, einen Ball und jemanden, der mit ihm spielte. All die feinen Legosachen interessieren ihn wenig, Bälle sind seine Leidenschaft. Im Juni, zum Beispiel, spielte er mit seiner Mannschaft ein Turnier, es war heiß und wenig schattig und er spielte und spielte und spielte und als wir am späten Nachmittag nach Hause kamen, schnappte er sich einen Ball, um weiter zu spielen, einfach so.

Der Siebenjährige möchte einmal in Barcelona spielen. Er sagt das so daher, als sei es beschlossene Sache, als führe gar kein Weg daran vorbei, als sei dieser Weg in die Königskönigsklasse des Fußballs unproblematisch wie ein Nachmittagsspaziergang am See, ein Weg der praktisch jedem offen stehe.

Und natürlich soll er seinen Traum haben, wie wir alle unsere Träume haben, wenn wir uns im Vorgarten zu dritt am Tiki-Takka probieren – der ambitionierte Zehnjährige (Real Madrid), der leidenschaftliche Siebenjährige (FC Barcelona) und der beim Fußball eher gescheiterte Vater (Basketball, Phoenix Suns) – und froh darüber sind, eine gemeinsame Leidenschaft zu haben, über die wir philosophieren können, in unserer geheimen Runde, in unserem geheimen Club.

Ach, Arne

Diese Debatte und die Distanzierungen von Lahm und Friedrich haben sicher nicht dazu geführt, dass sich demnächst einer hinstellt und sagt: “Mein Gott, ich steh auf Männer, und jetzt fickt euch.”

Zum blonden Engel

Montag sagen sie noch, dass sie ja nur der Sport interessiere, das Ergebnis, der Spaß und so und Mittwoch sehen sie das Champions-League-Spiel und finden die neuen bunten Schuhe von Nike total schwul und wie der Cristiano Ronaldo seine Haare gelt und so und am Samstag stehen sie neben dir im Stadion und schreien so etwas wie „du schwule Sau“ zum Schiedsrichter, als stünde „schwul“ auf einer Bedeutungsebene mit Arschloch, Idiot, schwarze Sau. Deswegen mag der Arne das nicht und auch nicht der Phillip oder der Mario oder oder oder und deswegen wird sich auch niemand hinstellen und sagen: „Na und?“