Link – Deutschland spricht: Einen Mirko gibt es hier nicht

Bevor wir gehen, tritt ein Mann an unseren Tisch, es ist der Wirt. „Ich habe euch die ganze Zeit heimlich zugehört, das ist das beste politische Gespräch, das ich seit Langem gehört habe. Darf ich euch einladen?“

Deutschland spricht: Einen Mirko gibt es hier nicht

recht hat er, der wirt. das ist der beste zeitungsartikel, den ich seit langem gelesen habe.

auch nur ne nacht in berlin

früher habe ich mich für einen melancholiker gehalten, bis mir das leben etwas anderes beibrachte. aber egal, vieles ist überwunden. meistens.

nachts an der spree, ein bisschen was getrunken und das gefühl, das mich sonst in solchen zeiten überwältigt – schade, dass die welt irgendwann untergehen wird. vielleicht schon jetzt gleich. also weine schon mal. – stellt sich nicht ein.

dafür räubern wir uns auf ein sommerfest einer eigentümergemeinschaft, kein berliner dabei und die musik ist auch ziemlich schlecht. aber es gibt bier.

am „kater blau“ vorbei. das leben ist zu kurz für lange schlangen, an gehypten clubs, in gehypten städten. „süß war gestern“ reicht eigentlich, die getränke sind okay. wir sind ganz schön alt.

„keine schönen frauen hier“ sagt er zu mir und wahrscheinlich hat er recht. älter werdende herren sind anspruchsvoll oder haben resigniert. die meisten hier haben nicht einmal schöne schuhe an. einige rauchen. haben wir uns auch schon abgewöhnt.

bunte lichter an der decke, bass pumpt, das herz geht, wir auch. nächtlicher döner, fahrt durch die sommerliche stadt, der morgen graut, gänsehaut, wir können alles, denn wir leben in berlin.

5×5 km teamstaffel

teilgenommen.

es war heiß, es war voll, es war staubig und es hat spaß gemacht. was auch nicht weiter verwundert, denn laufen ist eines der wenigen dinge, die mich jederzeit bei laune halten können.

gut, der zirkus drumherum. nun ja. ich mag keine menschenansammlungen. und das war auch schon vor diversen terrordingens so. ich bin eben gerne alleine. dann staubt es auch nicht so, wie gestern im tiergarten. auch diese menschen, die lossprinten, als gebe es kein morgen, um nach fünfhundert metern festzustellen, dass es um fitness ihre auch nicht so rosig steht. und dann überholt man sie festen schrittes, während sie keuchen und prusten.

so ist sie, die arroganz der fitten.

allerdings: die trommler waren schon nett. haben mich zum lächeln gebracht.

und ein bierproduzent sponsorierte alkoholfreies bier. um die eingestaubte kehle wieder frei von schmutz spülen zu können. nett.

menschen kennengelernt. freundliche, nette, zumeist. das ist doch auch mal was.

an der bar

wenn die bar zur heimat wird:

damals, als ich noch jung war, lehnte ich bar- und kneipenbesuche ab. aus gründen, die mir heute nicht mehr einfallen möchten. wahrscheinlich war es einfach auch nur unwissenheit.

seit fast 2 jahren besuche ich wöchentlich eine art therapiegruppe, deren erklärtes ziel es ist, die schmerzen des erwachsenen alltagslebens an einem tag in der woche in einer kleinen kiezkneipe in bier und kirschlikör zu ertränken und dabei unsinn zu labern. funktioniert super und hat mir zudem einen entscheidenden vorzug von kneipen- und barbesuchen klar gemacht: man ist niemals allein.

komme ich nun in die verlegenheit, eine mir nicht ganz so bekannte stadt besuchen zu müssen und habe dabei den nachteil, dieses erlebnis mit niemandem anderes als mir selbst teilen zu dürfen, erkenne ich inzwischen genau die orte, die mir in der fremde eine art heimat geben können: kneipen und bars. denn am ende sind die überall auf der welt gleich: es gibt einen tresen, mindestens einen menschen, der dahinter steht und getränke ausgibt, und andere nicht mehr ganz so einsame seelen, die alle das gleiche tun: ihr einsamkeit in bier ertrinken. oder so.

War was? – 15.03.2017

Wollte immer irgendwas Tolles, Herausragendes machen, hatte aber keine Ahnung was. Ich bin viel zu schnell gelangweilt, als dass ich länger an Sachen dranbleiben könnte. Ich wollte Malen, konnte aber meinem eigenen Anspruch nicht gerecht werden. Ich wollte Schreiben, fand aber jeden einzelnen Absatz, den ich schrieb, unerträglich und ließ es. Fürs Fotografieren gehen mir zwar nicht Motive aus, allerdings mangelt es mir an Perfektion, um mit den Ergebnissen zufrieden zu sein. Der viel zu hohe Anspruch an mich selbst hat mich dabei nie angetrieben, nur ausgebremst, gelähmt, auf die Couch verbannt, auf der ich zum Konsumenten wurde, der auch damit nicht zufrieden ist.

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Zum ersten Mal seit Wochen den Feedreader leer gelesen.

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So you want to give endangered whales powerful electric shocks. Great! I’m happy to help. This is definitely a very normal thing to want to do.Electrofishing for whales

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Die Eishockey-Saison 2016/ 2017 hat meinen inneren Fan geweckt. Ich gehe nicht mehr nur gerne zu Spielen der Eisbären aus Berlin, weil ich Eishockey mag. Ich bin Fan geworden, mit allem Trara. Fangesänge, Merchandising, Schiedsrichterbeleidigung und Schmähgesänge gegen gegnerische Fans, eine gesichtslose Masse, die nur die falschen Trikots tragen und die falschen Lieder singen. Das weckt interessante Gefühle, sehr starke Emotionen, von denen man selbst ein bisschen überrascht wird, die sich aber interessanterweise sehr gut anfühlen.

War was? – 10.03.2017

Sitze über eine Kommentar zu einem Gesetz, einsortiert in einem dicken Band, als Loseblattsammlung, und denke ans Schreiben. Eigentlich sollte ich etwas Aufschreiben, eine schwer nachvollziehbare Begründung für Dieses, eine halbgare Erklärung für Jenes, aber das alles flasht mich nicht so, wie das Aufschreiben der Dinge, die mir so durch den Kopf gehen.

Das Problem daran ist, dass die Dinge nicht einfach so klar erscheinen, gegriffen werden und aufgeschrieben werden können, nein, sie wabern wie im Nebel durch den Sumpf meines Gehirns und bieten wenig Fläche (oder zu viel), an der man angreifen könnte. (Klingt wie Benn?)

Ich mag es eigentlich, wenn es wabert, man hat dann immer etwas zu tun, versucht lange, Gedanken zu identifizieren, zu sezieren, zu erkennen, ihren Sinn zu verstehen. Auf der anderen Seite der Medaille macht es mich aber immer wieder zu einem in sich gekehrten, die Zähne knirschenden, stillen Zeitgenossen.

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Ich sehe mir Bilder der Sony World Photography Awards an und wünschte, ich könnte das auch.

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Wirklich abschalten kann ich nur, wenn ich spiele. Computerspiele. Von außen betrachtet, sieht es aus, wie eine riesige Zeitverschwendung. Letztendlich kann aber eine Stunde „Skyrim“ genauso erholsam sein, wie ein Zehn-Kilometer-Lauf. Das ist übrigens meine andere Form der Entspannung. Ähm, ja.

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Wochenende. Eishockey-Playoffs. Klatschpappenduseliges Mitgezittere. Wobei meine größte Angst ist, dem Team kein Glück zu bringen.